Deutschland vor Recruiting-Boom

Die Karrierechancen für Ingenieure sind derzeit so gut wie lange nicht mehr. Allein auf der Hannover-Messe warten 1000 freie Stellen auf Bewerber.

Der »Job&Career Market« auf der Hannover-Messe bietet 30 suchende Unternehmen mit insgesamt 1000 freien Stellen auf, darunter Audi, Airbus, Bosch und mehrere Ingenieurdienstleister, wie zum Beispiel Euro Engineering. Dabei plant allein Audi für 2006 bis zu 300 Neueinstellungen, davon mehr als die Hälfte im Ingenieurbereich. 25 Nachwuchsingenieure werden für ein internationales Trainee-Programm gesucht. Airbus fahndet sogar nach 900 Ingenieuren und 350 Technikern und präsentiert sich damit als Jobmaschine Nummer eins, vor allem in den Bereichen Konstruktion und Entwicklung. Doch auch in der Fertigung, Projektmanagement, Qualitätssicherung und in der Kundenbetreuung sind Stellen frei. Bosch Rexroth bietet rund 80 offene Stellen für Ingenieure und Techniker an, 15 davon im Nachwuchsbereich. Euro Engineering braucht insgesamt 300 erfahrene Ingenieure sowie Berufseinsteiger. Vertriebsvorstand Michael Witte: »Bei uns haben auch Ingenieure mit 50 eine Chance!«

Der Boom ist nicht nur in der High-Tech-Industrie erkennbar, auch branchenübergreifend setzt sich der Trend zur Personalaufstockung fort. Der Trend sei zwar bereits vor zwei Jahren erkennbar gewesen, habe sich bis heute aber deutlich verstärkt, meldet die Online-Stellenbörse Stepstone in ihrem Bericht »Recruitment Trends 2006«, für den 2100 Personalmanager in acht Ländern befragt wurden. Während 2004 nur 45 Prozent der Unternehmen Neueinstellungen planten, rechnen aktuell knapp 60 Prozent damit, ihren Personalbestand zu vergrößern. Damit liegt Deutschland knapp unter dem europäischen Durchschnitt, was die Einstellung neuer Mitarbeiter für das Jahr 2006 betrifft. Europaweit planen insgesamt zwei Drittel der Unternehmen, ihr Personal in diesem Jahr aufzustocken. An der Spitze stehen mit 81 Prozent die Niederländer, gefolgt von den Schweden (72 Prozent), die im Vergleich zu 2004 (48 Prozent) am stärksten zulegen konnten. Die Zahl der Unternehmen, die noch Stellen abbauen wollen, ist stark zurückgegangen. Nur sieben Prozent der deutschen Unternehmen wollen in diesem Jahr Mitarbeiter entlassen – 2004 waren es noch 14 Prozent. Dies entspricht dem allgemeinen europäischen Trend.

»Vor allem für qualifizierte Fach- und Führungskräfte gewinnt der Arbeitsmarkt derzeit kräftig an Fahrt. Dabei zählen die Bereiche IT & Telekommunikation, Ingenieurwesen und Vertrieb immer noch zu den Sparten mit den stärksten Zuwächsen an offenen Stellen. Innerhalb der letzten zwei Jahre hat sich unser Angebot in diesen Berufsfeldern verdreifacht«, kommentiert Stepstone-Vorstand Ralf Baumann.