Deutscher Halbleitermarkt unter der Lupe

Der deutsche Halbleitermarkt entwickelte sich im Jahr 2007 eigentlich gut - wenn nur der Euro nicht wäre. Die Hintergründe und wie es weitergehen könnte, erklärt Wolfgang Hofmann, ZVEI.

In Euro gerechnet ist der deutsche Halbleitermarkt um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. In Dollar gerechnet, ist er um 5 Prozent gestiegen…

Dazu muss man sagen, dass der Dollar im vorigen Jahr fast 10 Prozent gegenüber dem Euro nachgegeben hat.

Was lässt sich daraus auf die tatsächliche Entwicklung des deutschen Halbleitermarktes schließen?

Der weltweite Halbleitermarkt wird in Dollar gemessen. Das gilt indirekt auch für uns. Somit ist der deutsche Halbleitermarkt - wohlgemerkt in Dollar - gewachsen. Die negative Aussage ist, dass weniger Euro erlöst wurden. Für alle Halbleiterhersteller, die in Europa ihre Kosten haben, ist das natürlich nicht so schön.

Der Halbleitermarkt entwickelte sich in Deutschland besser als in Europa - laut vorläufigen Zahlen - oder als der weltweite Halbleitermarkt. Wie lässt sich das erklären?

Das hat zwei Gründe: Die Automobilindustrie in Deutschland boomt immer noch. Der Anteil von Automobilelektronik am deutschen Halbleitermarkt ist erheblich. Er macht etwa ein Drittel aus. Dieser Markt hat bisher außerdem den Vorteil gehabt, dass er kontinuierlich gestiegen ist und weniger starken Schwankungen wie etwa bei Computern oder Nachrichtentechnik unterworfen ist.

Der zweite Grund ist der Maschinenbau. Dort gab es im letzten Jahr. Wachstumsraten, die für so eine solide Branche unglaublich waren1.
Und lassen Sie mich noch etwas sagen, wenn erst das Energiesparen so richtig anfängt, dann werden dort eine Menge Halbleiter gebraucht.

An was denken Sie dabei?


Ein Beispiel: Heizungsumwälzpumpen verbrauchen einen erheblichen Anteil der häuslichen Energie. Dort gibt es ein erhebliches Einsparpotenzial. So kann man den Leistungsverbrauch von rund 80 Watt bei einer ungeregelten Pumpe auf ca. 6 bis 9 Watt bei einer elektronisch geregelten Pumpe absenken.

Die Umsätze bei diskreten und optoelektronischen Halbleitern  waren besonders schwach. Woran lag das?

Bei den diskreten Halbleitern muss man von einem sehr hohen Vergleichswert im vorigen Jahr ausgehen. Man könnte sagen, das Wachstum bei den diskreten Halbleitern wurde im vorigen Jahr schon vorweggenommen.
Bei den optoelektronischen Bauteilen gab es einen tatsächlichen Schwachpunkt. Da gehören zum Beispiel Kamera-Chips für Handys mit dazu. Durch die Schließung von BenQ in Deutschland ist voriges Jahr ein großer Abnehmer dieser Chips weggefallen. So etwas wirkt sich erheblich auf den Markt aus.

Wie sehen Sie die Entwicklung für das Jahr 2008?

Die Grundannahme ist so, dass sich der deutsche Halbleitermarkt leicht verbessern wird. Vorausgesetzt der Dollar bleibt in etwa so wie jetzt. Allerdings sind eventuell rezessive Erscheinungen noch nicht mit eingerechnet.



1Nach Angaben des VDMA gab es im Maschinenbau zwischen November 2006 und November 2007 ein Auftragswachstum von 7 Prozent. Dieses Wachstum erfolgte von einem sehr hohen Niveau, da es im selben Zeitraum von 2005 bis 2006 schon ein Plus von 18 Prozent gab.