Selbst schuld!

Wenn heutzutage in der Wirtschaftspresse das Wort »Ingenieur« auftaucht, dann meist in Verbindung mit „-smangel“. Die Kolumnisten geben auch gleich Tipps, was dagegen zu tun sei:

Schulzeit verkürzen (ist u.a. in Bayern mit unabsehbaren Konsequenzen geschehen), Studiendauer verkürzen (dafür muss die schöne Stadt Bologna ihren Namen hergeben) und generell bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an Wissenschaft und Technik wecken (eine so durchtechnisierte Jugend wie heute gab es noch nie).
Letzteres dürfte ein entscheidender Punkt sein. Ich erinnere mich, dass ich als Kind liebend gerne Radios, Fernseher und Telefone auseinanderschraubte, gelegentlich gelang es mir, beim Zusammenbauen alle Teile unterzubringen, manchmal lief das Ganze sogar wieder. Mein persönliches Highlight war ein „Yps“-Sonderheft, dem eine Diode, ein Kondensator, eine Spule und ein Ferritkern beilagen. Nach kurzer Bastelei war ein rudimentäres Radio fertig gestellt, aus dem die Hits der späten Siebziger erschallten. Natürlich werde ich, auch ohne Yps, mit meinem Kind einmal so ein Radio zusammenbasteln – ich werde mich damit allerdings beeilen müssen, schließlich soll der analoge Rundfunk in den nächsten Jahren verschwinden. Ein Digitalreceiver ist zwar nett, aber kaum kinderfreundlich selbst zu bauen. Das gleiche gilt für das Telefon: Der Aufbau eines beigen Wählscheibengeräts war leicht zu durchblicken, mit etwas Phantasie ließ sich sogar der Zusammenhang mit den Ur-Geräten von Reis und Bell herstellen. Wenn ich meinen DECT-Hörer aufschraube, sehe ich nur oberflächenmontierte Chips auf einer grünen Platine; vom Mobiltelefon an sich fange ich jetzt lieber nicht an. Sollte der Nachwuchs auf die Idee kommen, das Gehäuse eines modernen Fernsehers zu öffnen, läuft er zwar nicht mehr Gefahr, dass ihm die Bildröhre um die Ohren fliegt, dafür ist ohne Elektrotechnik- und am besten auch Chemiestudium nicht herauszukriegen, wie ein TFT-Display funktioniert. Der Rest sieht eh aus wie das Innere des Telefons.
So ein iPod ist natürlich ein faszinierendes Gerät, aber er verführt kaum dazu, ihn aufzuhebeln, um zu sehen, wie er funktioniert. Abgesehen davon, dass er dann wahrscheinlich kaputt wäre, brächte eine solche Aktion auch keinen Erkenntnisgewinn.
Was also kann als Auslöser für Interesse an der Technik dienen, und damit zur Überlegung „Soll ich vielleicht doch Elektrotechnik studieren?“ führen? Gehalt und sicherer Arbeitsplatz spielen für die wenigsten Jugendlichen eine Rolle, Interesse entsteht nur durch Ausprobieren – und genau das wird immer schwieriger. Genau genommen sind also die Ingenieure der letzten Generationen für den Mangel in Gegenwart und Zukunft verantwortlich.
Tja, unsere Leser der „DESIGN&ELEKTRONIK“ haben einfach zu gute Arbeit geleistet.