Standby-Stromversorgungen Energiewende im Kleinformat

Wenn wir heute über die Energiewende sprechen, denken wir an Solar- und Windkraftwerke – und natürlich an den Ausstieg aus der Kernenergie. Wer die Wende will, darf aber nicht nur an die großen Energieerzeuger denken. Denn Milliarden elektronische Helferlein in Haus und Büro belasten die Stromrechnung. Die Einsparpotenziale sind gewaltig, denn Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Die Lösung kann eine dedizierte Standby-Versorgung sein.

Angesichts steigender Benzinpreise haben wir gelernt, den Spritverbrauch unserer Autos im Auge zu behalten. Kaum ein Pkw neueren Datums, der keine Verbrauchsanzeige hat. Spätestens beim Tankstop bekommen wir die Quittung für Fahrverhalten und Hubraum unseres Wagens. Das ist gut so, denn nur regelmäßiges Feedback beeinflusst unser Verhalten.

Beim Thema Stromverbrauch stehen wir da leider noch ganz am Anfang. Hand aufs Herz, wer kennt schon seinen monatlichen Stromverbrauch? Die meisten von uns sehen den Verbrauch erst auf der jährlichen Abrechnung. Der Ärger über die Nachzahlung ist danach meist ebenso schnell verflogen wie der gute Vorsatz, nun sparsamer mit Strom umzugehen. Wirklich ändern könnte sich das erst in den »Smart Homes« der Zukunft, in denen »Smart Meter« genau zeigen, wo wir Energie verschwenden.

Doch das Umdenken hat begonnen. Zumindest beim Anblick brennender Glühlampen bekommen wir ein schlechtes Gewissen. Zu Recht, denn angesichts 95 Prozent Wärmeverlust ist Edisons Erfindung als Lichtquelle nicht länger tolerierbar. Im Vergleich zu anderen Stromfressen allerdings hat die Glühlampe zwei Vorteile: Sie verbraucht keinen Strom »im Dunkeln« und lässt sich richtig ausschalten.

Dies ist der Unterschied zu den Legionen elektronischer Helfer, die uns in Haus und Büro umgeben. Fast alle sind rund um die Uhr am Netz. Oft nur für Minuten oder Stunden wirklich genutzt, verbringen sie die meiste Zeit im Schlafmodus oder »Schein-aus«-Betrieb. Und das ist der Kern des Problems: Keiner kennt den Verbrauch dieser »Schläfer«. Meist wissen wir nicht einmal, wie viele solcher Verbraucher in unserem Haus permanent am Netz sind. Doch gerade dann, wenn Geräte wie zum Beispiel ein Fax nur wenige Minuten am Tag wirklich genutzt werden, fällt ihr »passiver« Verbrauch erheblich mehr ins Gewicht als ihr »aktiver«. Leider machten die Prospekte bis in jüngere Vergangenheit aber keinerlei Angaben. Der Standby- oder Schein-aus-Verbrauch liegt im Dunkeln, insbesondere bei Produkten, die schon seit Jahren im Betrieb sind.

Verbrauch liegt im Dunkeln

Ein Beispiel aus der Praxis: Der Motor eines elektrischen Garagentors verbraucht 200 W. Da er aber täglich vielleicht nur sechs Mal für zwei Minuten in Aktion ist, kostet das im Jahr gerade mal drei Euro – vorausgesetzt das Tor wird mit dem Schlüssel manuell gesteuert. Benutzen wir allerdings eine bequeme Fernsteuerung, sieht die Rechnung anders aus. Da die Standby-Elektronik 24 Stunden am Tag in Bereitschaft ist, hat der Stromverbrauch im Schlafmodus einen weit höheren Einfluss auf die Stromrechnung.

Vor 2010 war es üblich, die Standby-Elektronik aus demselben Netzteil zu versorgen wie die Leistungselektronik des Motors. Doch ein großes 250-W-Netzteil – bei Nennleistung mit rund 90% Wirkungsgrad spezifiziert – hat im Leerlauf einen Verbrauch, der um ein Vielfaches höher liegt als der Bedarf der Standby-Elektronik. Der Wirkungsgrad kann dann effektiv auf 10% sinken.

Standby-Applikationen wie diese sind heutzutage aber eher die Regel als die Ausnahme. Bei Stereo-Anlagen, TV-Geräten, Computern und vielem mehr schalten wir nicht hart aus, wenn wir ausschalten, sondern drücken die Off-Taste der Fernsteuerung. Mit der Konsequenz, dass das Netzteil immer noch am Netz ist und Strom verbraucht. Klassischer Fall: der Computer. Jeder klickt Ausschalten im Startmenü ohne zu wissen, wie hoch der Stromverbrauch im Scheinaus-Betrieb ist.

Dieser Verschwendung – die sich in Europa auf den Verbrauch eines Landes wie Dänemark summieren soll – wurde mit der EuP-Richtlinie ab 2010 einen Riegel vorgeschoben. Für Massenprodukte ohne Statusanzeige wurde ein Grenzwert von 1 W definiert, der sich ab 2013 nochmals halbiert. Die »preisgünstige« Praxis, die Standby- Elektronik aus dem Hauptnetzteil zu versorgen, ist nicht länger praktikabel. Aber was tun, ohne auf Bequemlichkeit zu verzichten?