Neues von Zhaga Neues Licht in neuer Fassung

Leuchtdioden lösen langsam aber sicher Glühlampen, »Neonröhren« und auch die sogenannten »Energiesparlampen« ab - zumeist in Form von Retrofit-Bauformen. Spätestens mit den OLED-Flächenleuchten werden sich jedoch neue Bauformen etablieren, ganz ohne die bislang üblichen Edison-Fassungen.

Damit der Abschied von etablierten Standards keinen Wildwuchs proprietärer Anschlüsse erzeugt, will das »Zhaga«-Konsortium neue Spezifikationen implementieren. Das Ziel dieses internationalen Konsortiums der Beleuchtungsindustrie ist es, Konsens und Vereinfachung in Anwendungen der Allgemeinbeleuchtung zu bringen, indem klar definierte Schnittstellen-Spezifikationen festgelegt werden. Dies soll die Austauschbarkeit der LED-Lichtquellen verschiedener Hersteller gewährleisten.

Das ist bei Retrofit-Lösungen kaum ein Problem, bei anderen Bauformen aufgrund unterschiedlicher mechanischer, elektrischer, thermischer und optischer Spezifikationen jedoch durchaus. Dabei betrifft das nicht in erster Linie den Endverbraucher - der immer die Option hat, »mit den Füßen abzustimmen« und einfach bei Retrofit zu bleiben, sondern zuerst die Leuchtenindustrie, die eine größere technische Stabilität benötigt, außerdem die Möglichkeit, problemlos zwischen den Anbietern von LED-Lichtquellen wechseln zu können. Das dürfte der einzige Weg sein, neue Leuchtendesigns überhaupt in den Markt zu bringen, denn viele Endverbraucher erinnern sich noch an die diversen teuren Debakel, beispielsweise bei VHS/Video2000/Betamax oder Blu-Ray/HD-DVD.

Eine derartige Situation soll bei Lampen - deutlich wichtigeren Gegenständen des täglichen Bedarfs - gar nicht erst aufkommen, weshalb sich das Zhaga-Konsortium sehr frühzeitig konstituiert hat. Dieser frühe Zeitpunkt in der Entwicklung neuer Lichtquellen stößt jedoch auch auf gewisse Vorbehalte, besonders bei Herstellern von Leuchtdioden. Diese Skepsis hat vor allem damit zu tun, dass die Entwicklung bei Leuchtdioden (bei OLEDs sowieso) sehr rasch voranschreitet, und die Hersteller ihre neuen Effizienz- und Leuchtstärke-rekorde gar nicht so schnell in das Korsett der Spezifikationen zwängen können. Eine Alternative haben die Skeptiker jedoch auch nicht auf Lager, denn allen ist bewusst, dass teure Inkompatibilität die Einführung neuer Technologien heute stark bremsen kann. Aus diesem Grund arbeiten alle bei Zhaga mit.

Licht für alle!

Die Spezifikationen werden innerhalb des Konsortiums erarbeitet - inzwischen sind es acht »Bücher« - und sind zunächst nur für Mitglieder einsehbar. Nach einiger Zeit werden sie dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht - seit dem Erscheinen von hat sich in dieser Hinsicht einiges getan. Inzwischen sind die »Bücher« 1, 2 und 3 veröffentlicht. Die allererste Spezifikation - »Buch 1« - liefert allgemeine Definitionen und beschreibt generische Schnittstellen.

Darunter fallen etwa die mechanische Verbindung im Falle einer Light-Engine mit separatem Vorschaltgerät oder eine generische thermische Anbindung. Interessant ist hier die Beschreibung generischer Konformitäts-Tests, mit denen sichergestellt werden soll, dass eine »Light Engine« die in den anderen »Büchern« gestellten Anforderungen erfüllt.

Das im Februar 2011 verabschiedete »Buch 2« beschreibt die erste Spezifikation einer Light-Engine, sockelbar mit dem Durchmesser 70 mm und 45 mm Höhe nebst integrierter Ansteuerung (Bild 1). Die lichtemittierende Fläche soll nicht weniger als 57 mm durchmessen. Dabei werden insbesondere folgende für die Austauschbarkeit wichtigen Schnittstellen angesprochen:

  • Mechanisch: definiert die Fassung in der Leuchte.
  • Optisch: definiert die Charakteristika des abgegebenen Lichts.
  • Elektrisch: definiert die Versorgungsanschlüsse.
  • Thermisch: definiert die Vorgaben für das Wärmemanagement zwischen Lampe und Leuchte.
  • Steuerung: definiert die zur Kontrolle der Lichtabgabe (beispielsweise Dimmen) nötigen Funktionen.

Um Spot-Leuchten mit separater Ansteuerung geht es in »Buch 3«, genauer: die thermischen, mechanischen und photometrischen Eigenschaften einer kleinen, runden Lichtquelle (Bild 2). Der typische Durchmesser liegt bei 50 mm, die maximale Höhe bei 7,2 mm. Eine Anwendung für die Straßenbeleuchtung beschreibt »Buch 4«, die Spezifikationen einer flächigen Leuchte mit separater Ansteuerung.

In »Buch 5« soll es um ein sockelbares LED-Modul mit separater Ansteuerung gehen, während »Buch 6« die Ansteuerung wieder integriert und eine kompakte Light-Engine definiert. Eigens für die verschiedenen »Bücher« zertifizierte Testlabors überwachen die Einhaltung der Normen und entscheiden darüber, ob das Zhaga-Logo verwendet werden darf.

Ein prominentes Testzentrum in Deutschland stellt der »TÜV-Ersatz« DEKRA. Schlußendlich ist es den Herstellern überlassen, was sie aus den Spezifikationen machen. Bei Osram, einem Zhaga-Enthusiasten mit vielen konformen Bauteilen, ist man mit Informationen eher zurückhaltend, während das den »Skeptikern« zuzurechnende Unternehmen Cree umfangreiche Hilfestellungen für die Entwicklung Zhaga-konformer Module bereitstellt. Dazu gehört ein Referenzdesign für den Aufbau Zhaga-konformer Module unter Verwendung von »XLamp«-LEDs mit umfangreicher Anleitung, außerdem ein Online-Auswahlwerkzeug.