Entwickler-Interview Der Begriff TFT ist nicht eindeutig!

Achim Döbler beim 
Display-»Debugging« 
in seinem Münchner Labor.
Achim Döbler beim Display-»Debugging« in seinem Münchner Labor.

DESIGN&ELEKTRONIK sprach mit Achim Döbler, Senior Field Application Engineer bei ACTRON AG, über die Semantik und Informationsasymmetrie in der Display-Branche.

DESIGN&ELEKTRONIK: Herr Döbler, als Redakteur lese ich sehr oft in Zusammenhang mit kapazitiven Touches von möglichst »hoher Sensitivität«. Mit einer konkreten ingenieurwissenschaftlichen Kennzahl möchte niemand so recht rausrücken?

Achim Döbler: Na ja, zum Beispiel bei den populären PCAP-Touches auf ITO-Basis entscheidet ein regelrechter Cocktail an Parametern über die spätere Performance des Touches. Hierzu zählen unter anderem das ITO-Layout - Leitungsführung, Schichtdicken, Abstände und Sensoranordnung - der gesamte Touch-Aufbau, hier zum Beispiel SITO und DITO sowie Dicke und Material der Coverlens, die Touch-Abmessungen und schließlich der Touchcontroller und insbesondere dessen Integration und Konfiguration. PCAP-Touchcontroller müssen einerseits in der Lage sein, Kapazitätsänderungen im Bereich von Bruchteilen eines Pikofarads zu erkennen und zu bewerten. Andererseits dürfen Störquellen, wie beispielsweise elektrische Antriebe oder Schaltnetzteile, nicht zu einer Falschauslösung führen. Die Kunst liegt nun darin, dass der Touch gleichzeitig reaktionsschnell und zuverlässig funktioniert. Wie fast überall spielt auch hierbei das SNR sowie eine ausgeklügelte Filterung eine entscheidende Rolle. Das Gleichnis vom Versuch auf hoher See, bei schwerem Unwetter, den Strahl einer Wasserpistole von der Gischt zu unterscheiden, stimmt hier. Das Knowhow und damit ein wesentlicher Teil der Hersteller-IP liegt ganz klar in der Signalverarbeitung, die vollständig von dem Touchcontroller übernommen wird. Der Kunde bekommt davon nichts mit, sondern erhält die fertig ausgewerteten Touch-Koordinaten über I²C oder USB.

Qualitätsunterschiede der Sensorik liegen also auch in der Signalverarbeitung?

Genau, das spezifische Geheimnis liegt bei den Touchcontroller-Herstellern, die sehr eng mit den Touch-Herstellern zusammenarbeiten.
Das größte Knowhow steckt also im Chip, zum Beispiel in komplexen Filteralgorithmen, oder der automatischen Unterdrückung von Störfrequenzen, zum Beispiel durch Frequency Hopping. Ein gültiges Touch-Ereignis muss deutlich vom Hintergrundrauschen unterscheidbar sein.
Bis vor etwa 5 Jahren galten PCAP-Touches in industriellen Anwendungen als träge und unzuverlässig. Dieses Bild hat sich inzwischen deutlich gewandelt. Die Kinderkrankheiten der ersten Touch-Generation sind längst erkannt und behoben. Und das wissen auch die Kunden. Hersteller wie Hycon, Sitronix, Atmel, FocalTech und EETI bieten leistungsfähige Touchcontroller. Beispielsweise setzt Hycon im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern sogar auf einen internen 32-bit-Mikrocontroller. Dies ermöglicht die Durchführung besonders umfangreicher Algorithmen, so dass sich diese Controller-Serie exzellent für besonders anspruchsvolle Touch-Applikationen eignet.