Entwickler-Interview LabVIEW NXG: Funktionalität und Futurismus

LabVIEW-Guru Lorenz Casper (links)  und Dr. Constantin Tomaras (rechts) auf der #NIWeek2017.
LabVIEW-Experte Lorenz Casper (links) und Dr. Constantin Tomaras (rechts) auf der #NIWeek2017.

DESIGN&ELEKTRONIK sprach mit National Instruments' LabVIEW-Experten Lorenz Casper über die Schlüsselfunktionalitäten, Applikationsbreite sowie zukünftige Entwicklungen der LabVIEW NXG Software.

DESIGN&ELEKTRONIK: Mit der in LabVIEW NXG angedeuteten Standardisierung wirkt die NI-Plattform wie ein zentrales IIOT-Kommandocenter, die Optik kommt einem Dashboard nahe!

Lorenz Casper: Die Oberflächenoptik ist den vielen Usability-Tests zu verdanken: LabVIEW versteht sich immer noch als Eng2eng-Entwicklung, aber an dieser Stelle war es auch sinnvoll, einen Experten für Oberflächendesign zu fragen.
Wir folgten damit dem Entwicklerwunsch, das Design sehr nahe an gängigen Oberflächen zu orientieren, daher rührt die moderne "Dashboard"-Optik.
Wesentlich im Designprozess ist es, dass die Arbeit in LabVIEW NXG sich für erfahrene Entwickler produktiver gestalten, gleichzeitig aber auch die Einsteiger an die Funktionalität von LabVIEW heranführen soll. Das Ergebnis sehen wir als Framework für die Zukunft.

D&E: Was meinen Sie denn mit "produktiver arbeiten" genau?

LC: So profan es klingen mag: Die wesentliche Frage ist, wie Interaktionen auf der Oberfläche mit Schritten im Arbeitsablauf verbunden werden. Deshalb gibt es das beliebte Quickdrop in NXG weiterhin. Allerdings gestaltete sich diese zielführende Funktionalität mit der gereiften LabVIEW-Software zunehmend komplexer, da Einstellungen quer über die Oberfläche verstreut lagen.
Deshalb haben wir die Benutzeroberfläche in LabVIEW NXG grundlegend neu gestaltet und standardisiert: Auf der linken Seite liegt die Information (Daten, Programmblöcke, etc.), und auf der rechten sind dann die Einstellungen und Funktionalitäten zu finden.

Die aktiven Elemente rechts entsprechen keinem direkten HMI-Standard, erfordern aber lediglich etwa einen halben Tag Umgewöhnung. Weitere Werkzeuge befinden sich in der Fußzeile. Zusätzlich haben wir Unterfenster in eine einheitliche Umgebung integriert. Bei Bedarf können diese auch aus der Umgebung herausgeführt werden. Die vorherige Lösung war zugegebenermaßen unhandlich wenn man viele Fenster geöffnet hielt.

Damit haben wir die Oberfläche besser auf den Entwickler zugeschnitten. NXG 1.0 adressiert zunächst Funktionalitäten für Benchtop-Entwickler, die unmittelbar Daten einsehen und weniger programmieren möchten.

Die NXG 2.0 Beta enthält bereits ganz neue Features: Aufbauend auf den links angeordneten Informationsreiter, können Programme nun modular aufgebaut werden: Ganze Codebasen lassen sich in Module unterteilen und dann interaktiv tauschen.

Namespacing ist dabei selbst definierbar, das gestaltete sich vorher aufwendig. In der neuen Technologie wird der Code auch modular verteilbar. Mit der neuen LabVIEW-Generation findet ein kleiner Mentalitätswechsel statt, da wir beschlossen haben, viel offener über kommende Features zu reden. Die Roadmap zeigt in der Übergangsphase an, welche Features zu welchem Zeitpunkt für die jeweilige Anwendergruppe relevant werden.

Darauf haben wir auch unsere Website optimiert: Sie enthält nun einen Fragenkatalog und einen detaillierten Funktionsvergleich, der bevorstehende Entwicklungen hard- und softwareseitig aufschlüsselt. Darauf können die Entwickler dann ihre Strategie abgleichen. Ganz unten auf der Seite findet sich die LabVIEW-Roadmap.

Die NI Lead-User waren unter anderem unsere Architekten. Mit ihnen haben wir schon vor Jahren begonnen, die Entwicklungen offen zu teilen. Für mich ist es auch sehr schön zu sehen, dass die Webfunktionalität in absehbarer Zeit umgesetzt wird.

D&E: Kann man Funktionalitäten auch über die Techpreview hinaus verwenden?

LC: Jein. Zu allererst: Die Beta-Software ist nicht dazu gedacht, im laufenden Prozess eingesetzt zu werden. Da sich bei den erstellten Funktionen um Beta- und teilweise sogar Vor-Beta-Produkte handelt, können wir nicht garantieren, dass es jede der Features in die endgültige Version LabVIEW NXG 2.0 schafft. Was die Beta-Phase nicht verlässt, wird auch nicht in die Endversion aufgenommen werden. Ziel ist jedoch durchaus, dass die in der Beta-Test-Zeit erstellte IP, in zukünftige Versionen integrierbar ist und es ggf. sogar schafft, in die offizielle LabVIEW-Version aufgenommen zu werden.