Wahl des Erfassungssystems Eine Frage der Spezifikation

Angesichts des umfangreichen Angebots ist die Wahl der richtigen Datenerfassungs-Hardware für eine bestimmte Anwendung oft schwierig. Vor der Entscheidung gilt es, einige Faktoren zu berücksichtigen.

Datenerfassungs-Hardware kommt in allen möglichen Industriezweigen zum Einsatz. Sie dient zum Aufzeichnen zahlreicher Variablen und ist deshalb in verschiedenen Formen erhältlich. Einige Geräte bieten nur grundlegende Funktionen, andere sind höchst anspruchsvoll.

Zuerst ist zu klären, für welches Phänomen Daten erfasst werden müssen. Das geplante Gerät muss dann über entsprechende Sonden und Sensoren verfügen, um die Messung entsprechend durchführen zu können. Die meisten Datenlogger messen Spannungen, viele unterstützen auch Thermoelemente. Es gibt auch Geräte, die Widerstände messen, andere verwenden sogar Dehnungsmessstreifen.

Dann stellt sich die Frage, wie viele Kanäle für die Datenerfassung erforderlich sind. Heutige Geräte bieten vier, sechs, acht, 16 oder 32 Kanäle, manche sogar noch mehr. Die Anschaffung eines Geräts mit mehr Kanälen als erforderlich wäre verschwenderisch. Die frühe Festlegung der Parameter ist daher entscheidend. Andererseits könnte es auch von Vorteil sein, über etwas Spielraum zu verfügen und Kanäle hinzufügen zu können, wenn das Projekt im späteren Verlauf mehr Überwachung erfordert.

Wie oft soll eine Messung erfolgen? Unter bestimmten Umständen, zum Beispiel bei der Umweltüberwachung oder in der Landwirtschaft, müssen nur wenige Messungen pro Tag erfolgen. In der industriellen Automatisierungstechnik oder in Kommunikationssystemen gilt es jedoch, einen stetigen Datenstrom aufzuzeichnen. Die Abtastrate des gewählten Instruments muss daher hoch genug sein, um den Anforderungen zu entsprechen. Immer mehr moderne Daten-Streaming-Anwendungen erfordern heute Abtastraten von 100 MSample/s oder mehr.

Über welchen Zeitraum sollen die Daten erfasst werden? Speicher kann sich als Einschränkung erweisen: Je öfter gemessen wird und je länger die Aufzeichnungsperiode ist, desto größer ist die Datenmenge und somit der Speicher-bedarf. Das spezifizierte Gerät muss über genügend internen Speicher verfügen oder die Möglichkeit bieten, Daten auf einem externen Speicher abzulegen, beispielsweise über den USB-Anschluss.

Die Auflösung des Geräts sollte ebenfalls Berücksichtigung finden. Sie bestimmt, welche minimale Signaländerung noch erkannt wird und steht in direktem Bezug zur Datenwandlungs- und Signalaufbereitungstechnik im Geräteinneren. Wenn nur größere Ereignisse aufgezeichnet werden sollen, reicht eine niedrige Auflösung aus. Je höher die Auflösung, desto mehr Speicherkapazität ist erforderlich.

Datenerfassungsgeräte werden oft auch im Feld eingesetzt, was Portabilität voraussetzt. Für den Außeneinsatz müssen sie dann robust gegen Umgebungseinflüsse wie Vibrationen, Stöße und extreme Wetterbedingungen sein. Auch die Stromversorgung sollte hinterfragt werden: Kann das Gerät etwa mit einer externen DC-Versorgung betrieben werden?

Auch die Datenanbindung des Geräts ist zu beachten. Je einfacher die Information für genauere Analysen übertragen wird, desto größer der logistische Vorteil. Der Zeit- und Ressourcenaufwand für die Datenerfassung lässt sich so minimieren. Datenlogger mit integriertem Web-Server oder einem FTP-Server/Client sind daher besonders interessant.

Die Benutzerschnittstelle des Geräts sollte intuitiv bedienbar und das Display leicht ablesbar sein. Die Datenerfassung kann dann sehr schnell vonstatten gehen. Auch das Fehlerpotenzial verringert sich dadurch. Es können auch gewisse Zugeständnisse an die Leistungsfähigkeit und Funktionsvielfalt des Geräts erforderlich sein, wenn Budgetbeschränkungen bestehen.

Kaufen oder leasen?

Dies führt zu der Frage, ob es sich rechnet, das gewünschte Datenerfassungsgerät zu kaufen. Das Mieten oder Leasen kann in der Tat eine praktische Lösung darstellen. Das Gerät ist dann nur so lange ein Kostenfaktor, wie es nötig ist, und verstaubt nicht ungenutzt in einem Lager. Auch die Wahl eines Geräts mit mehr Funktionen oder Leistungsfähigkeit als erforderlich rechnet sich dann und bietet Spielraum für die Zukunft, sobald zusätzliche Kanäle, eine höhere Auflösung oder mehr Speicher erforderlich sind, um ein größeres Datenvolumen zu verarbeiten. Ändern sich die technischen Anforderungen bei der Datenerfassung, lässt sich das gemietete Gerät einfach und schnell austauschen beziehungsweise aufrüsten.

Der Markt für Datenerfassungsgeräte ist sehr vielfältig. Zahlreiche Hersteller bieten ein großes Angebot verschiedener Modelle mit unterschiedlichsten Funktionen. Die Spezifizierung und Beschaffung dieser Geräte sollte daher nicht auf die Schnelle erfolgen. Ein gut durchdachter Auswahlprozess, wie hier beschrieben, hilft dabei, das geeignete Modell auf die kostengünstigste Weise zu finden.

Über den Autor:

Oliver Lanz ist Sales Director Central Europe bei Livingston Deutschland.