MEMS-Baustein auf Kontaktlinse Augeninnendruck überwachen

60 Millionen Glaukompatienten soll es bis 2012 geben. Der standardmäßige Test besteht in der Messung des Augeninnendrucks durch den Augenarzt mithilfe eines so genannten Tonometers. Doch eine solche Momentaufnahme hat ihre Schwachstellen. Eine »intelligente« Kontaktlinse mit MEMS-Sensor kann den Augeninnendruck über 24 Stunden kontinuierlich überwachen.

Ein Glaukom, landläufig auch »grüner Star« genannt, ist eine irreversibel fortschreitende Erkrankung des Sehnervs. Sie kann langfristig zum Verlust der Sehfähigkeit führen und ist weltweit die zweithäufigste Ursache für Erblindung. Schätzungen besagen, dass es bis 2012 auf der Welt 60 Millionen diagnostizierte Glaukompatienten geben wird. Auch wenn eine Heilung nicht möglich ist, lässt sich das Fortschreiten der Krankheit kontrollieren, sobald eine Diagnose erfolgt und eine entsprechende Therapie eingeleitet ist. Der standardmäßige Test besteht in der Messung des Augeninnendrucks durch den Augenarzt mithilfe eines so genannten Tonometers.

Unter Umständen lässt sich ein erhöhter Augeninnendruck jedoch speziell bei Glaukompatienten nicht per Tonometer feststellen, da sich der Druck über den Tag hinweg verändert und seine Spitzenwerte häufig im Schlaf oder außerhalb der Sprechstunden erreicht. Demzufolge wird die Krankheit oft erst dann diagnostiziert, wenn der Sehnerv bereits erheblich geschädigt ist. Bei vielen Patienten schreitet die Krankheit außerdem infolge einer unzulänglichen Therapie weiter voran.

Um den Augeninnendruck kontinuierlich überwachen zu können, hat die Firma Sensimed »Triggerfish« entwickelt. Dieses System basiert auf einer »intelligenten« Kontaktlinse, die mithilfe eines eingebauten winzigen Dehnmessstreifens die Krümmung des Augapfels über einen Zeitraum von üblicherweise 24 Stunden misst. Für das Behandlungsprogramm liefert sie damit wertvolle Daten, die mit konventionellem augenärztlichem Equipment derzeit nicht verfügbar wären. Bei der Lösung von Sensimed handelt es sich um ein zweiteiliges System, bestehend aus der intelligenten Kontaktlinse und einem kleinen Empfänger, den der Patient um den Hals trägt.

Vom Dehnmessstreifen abgesehen, besteht die Kontaktlinse aus einer Antenne, einer winzigen speziellen Signalverarbeitungsschaltung und einem Funksender zur Übermittlung der Messwerte an die Empfangseinheit, entwickelt und geliefert von STMicroelectronics. Die Kontaktlinse bezieht ihre Energie aus den Funkwellen und benötigt somit keine Batterie. Die in die Linse eingebauten Bauteile sind außerdem so angeordnet, dass sie das Sehvermögen des Patienten nicht beeinträchtigen. Die Kontaktlinse wird vom Augenarzt appliziert. Wenn der Patient am nächsten Tag in die Praxis zurückkehrt, entfernt der Mediziner die Linse und den Empfänger und erhält eine komplette Aufzeichnung über den Verlauf des Augeninnendrucks über die zurückliegenden 24 Stunden.