Alternative zu Hausnotrufsystemen Lernfähiger Notruf

Alleinstehende ältere Menschen leben gefährlich: Nach einem Sturz liegen sie oft stundenlang am Boden, bevor ihre Situation bemerkt und ein Arzt gerufen wird. Ein neues System soll solche Notlagen automatisch erkennen und die Angehörigen informieren. Ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung kann somit auch im Alter möglich sein.

Frau K. ist sehbeeinträchtigt und nicht mehr so gut auf den Beinen. Dennoch möchte die alleinlebende Achtzigjährige auf gar keinen Fall ins Heim. Diesen Wunsch hegen die meisten alten Menschen. Sie wollen so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und ein selbstbestimmtes Leben führen. Allerdings nehmen mit dem Alter nicht nur Herz-Kreislaufprobleme zu, auch das Sturzrisiko steigt. Häufig dauert es Stunden, bis die Betroffenen Hilfe erhalten. Selbst Hausnotrufsysteme helfen nur bedingt, da die Senioren oftmals nicht in der Lage sind, ein Notrufsignal auszulösen, weil sie verletzt oder desorientiert sind oder einfach den Druckknopf nicht bei sich tragen.

Abhilfe schaffen könnte ein »intelligentes« System, das derartige Notlagen automatisch erkennt und darauf reagiert. Eine solche Lösung entwickeln die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering IESE im Projekt »ProAssist4Life«. Die Wissenschaftler arbeiten an einem unaufdringlichen System, das ältere Personen im Eigen- oder im Altenheim permanent »begleitet«. An der Zimmerdecke montierte Multisensorknoten erfassen die Bewegungsabläufe des Bewohners. Diese Lösung erfasst, wie lange und wo sich jemand aufhält. Die Daten werden per Funk an einen Computer übermittelt.

Eine Software dokumentiert die täglichen Aktivitäten des Bewohners und lernt somit kontinuierlich sein »Normalverhalten«. Das Auswertungsprogramm vergleicht das aktuelle Handeln des Betroffenen permanent mit dem erstellten Modell. Auf diese Weise erkennt es abweichende Situationen, die darauf hindeuten können, dass die Person gestürzt ist, reglos am Boden liegt und sich in einer hilflosen Lage befindet. Hält sich jemand beispielsweise deutlich länger als sonst im Bad auf, wird das registriert.

Um einen Fehlalarm zu vermeiden, wird der Bewohner zunächst angesprochen. Dies kann etwa per Telefon oder über einen Touch-Bildschirm mit integriertem Lautsprecher geschehen. Der Betroffene antwortet durch Berühren des Monitors. Sollte der ältere Mensch tatsächlich nicht reagieren, informiert die Software per SMS eine Person des Vertrauens, etwa einen Angehörigen oder Pfleger.