Vereinbarkeit von Familie und Beruf Flexible Schichtsysteme sind möglich

Infineon-Reinraum in Villach

Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Schichtdienst? Das klingt auf den ersten Blick nur schwer umsetzbar. Am Beispiel Infineon wird jedoch klar: Flexible Schichtsysteme sind nicht nur möglich, sondern auch notwendig.

Flexibilität ist ein Thema, was Unternehmen und Beschäftigte in sämtlichen Bereichen des Arbeitsalltags bewegt. Für die Betriebe bedeutet Flexibilität vor dem Hintergrund der Globalisierung, der Digitalisierung und dem demografischen Wandel wettbewerbsfähig zu bleiben. »Unternehmen müssen flexibel und immer schneller auf Kundenbedürfnisse reagieren, um im Markt bestehen zu können«, fasst Corinna Jaeger, wissenschaftliche Expertin des Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa), die Situation zusammen. Gleichzeitig benötigen Beschäftigte Flexibilität, um auf die verschiedenen Lebensphasen, z.B. Eltern- oder Pflegezeit, reagieren zu können. Die gängige Meinung lautet: Im Büro ist Mobilität und Flexibilität sehr gut umsetzbar, im Schichtdienst in der Produktion funktioniert das nicht. »Natürlich kann man ein Förderband nicht vor die Haustür legen, trotzdem können flexible Schichtsysteme hier eine Stellschraube sein«, erläutert Jaeger.

Wie kann das konkret vor Ort aussehen? Ein Beispiel ist das flexible 3-Schichtsystem »Flexi 2000« von Infineon Technologies am Standort Warstein. Das System besteht aus vier Schichtgruppen, drei Auslastungsstufen und einem Arbeitszeitkonto. Mit diesem System kann das Unternehmen flexibel auf Kundenwünsche reagieren. Mitarbeiter können in jeder Auslastungsstufe ihre eigene Arbeitszeit beeinflussen. Konkret bedeutet das beispielsweise:

  • Wechsel von »teilkonti« 35 Stunden Wochenarbeitszeit mit freien Wochenenden zu »vollkonti« 39 Stunden Wochenarbeitszeit bei Hochauslastung,
  • Arbeitszeitkonto ±200 Stunden, Ausgleich gemäß TV M+E NRW innerhalb von 12 (+4) Monaten.

Zusätzliche Lösungsansätze bestehen in einem betrieblichen Arbeitszeitrahmen mit individuellem Gestaltungsspielraum (Flexibilitätsstufen, Teilzeit oder Wechsel in Fertigungslinie mit anderer Auslastungsstufe). In einer Mitarbeiterbefragung nach der Einführung waren rund 84 Prozent zufrieden bis sehr zufrieden mit dem System.

»Für Unternehmen und Beschäftigte ist eine Win-Win-Situation entstanden«, fasst Jaeger den Erfolg zusammen. »Am Ende bedeutet das Standortsicherung und Arbeitsplatzsicherung für den Betrieb.«