IoT-Gateway Dell Edge 3000 Sieben Fragen an Andreas Ertel

Andreas Ertel präsentiert das Dell Edge Gateway 3000 auf der embedded world 2017.
Andreas Ertel präsentiert das Dell Edge Gateway 3000 auf der embedded world 2017.

Im Interview mit Andreas Ertel, Client Technologist bei Dell EMC, beleuchtet DESIGN&ELEKTRONIK die Rolle des neuen Gateways in der IoT-Landschaft, insbesondere hinsichtlich Sicherheit und Flexibilität.

Das Dell Edge Gateway 3000 ersetzt das Gateway 5000. Wie groß war denn die Community, die das alte eingesetzt hat?

Andreas Ertel - Das muss ich richtigstellen: Das Dell Edge Gateway 3000 ersetzt keineswegs das Gateway 5000, sondern ergänzt vielmehr unser Dell-Gateway-Portfolio nach unten. Die verschiedenen Modelle der 3000er-Serie zielen auf unterschiedliche Industrien ab: Das Modell 3001 auf Industrial Automation, das 3002 auf den Bereich Transportation und das 3003 auf Media & Entertainment. Das größere Dell Edge Gateway 5000 bleibt selbstverständlich weiterhin verfügbar.

Obwohl es schier unendlich viele Proof-of-Concepts gab, ist die Zahl an IoT-Projekten, die umgesetzt wurden, doch eher überschaubar.

Jeder Proof-of-Concept kann prinzipiell ein IoT-Projekt beherbergen. Tatsächlich startet nahezu jedes IoT-Projekt zunächst als Proof-of-Concept. Daraus entstanden im letzten Jahr beispielsweise Projekte im Energiesektor wie etwa das Asset-Management von Windkraftanlagen, im Shop Floor die Echtzeitqualitätsüberwachung von Spritzguss-Ma­schinen oder auch im Transport- und Logistikbereich die Überwachung von Kühlketten.

Mit dem Gateway 3000 wird nun vieles besser?

Sagen wir mal, es wird anders. Den Kunden stehen nun dedizierte Geräte für ihre individuellen Anforderungen zur Verfügung. Beim Gateway 5000 war in dem einen oder anderen Projekt einfach die Funktionsvielfalt zu groß, so dass vieles von dem, was möglich war, gar nicht benötigt wurde. Jetzt kann sich zum Beispiel ein Spediteur gezielt auf ein Gateway mit den für ihn relevanten Funktionen konzentrieren – in diesem Fall wäre das ein CAN-Bus-Interface und integriertes ZigBee.

Mit der 3000er-Serie bieten wir den Anwendern nun eine kompaktere Lösung, die individuell auf die jeweiligen Märkte wie Automatisierung oder Retail-Kioske zugeschnitten werden kann. Die Gateways werden damit auch günstiger. Die Grenze zwischen Gateway und klassischer PLC sind hier an manchen Stellen fast schon nicht mehr zu erkennen.

Worin besteht dann eigentlich der Mehrwert für den Kunden?

Der Mehrwert für den Kunden besteht darin, dass wir als Plattform- bzw. Infrastruktur-Anbieter zusammen mit dem passenden Partner aus unserem IoT-Partner-Programm, für eine Vielzahl industrieller Anwendungsbereiche maßgeschneiderte Lösungen anbieten können. All unsere Partner haben ihre Lösungen auf der Dell-Edge-Gateway-Plattform zertifiziert. Damit entfallen langwierige Kompatibilitätstests, und man kann sich im Projekt sofort auf das Sammeln und noch wichtiger die Analyse der Daten konzentrieren.

Und das Sicherheitsthema?

Sicherheit ist natürlich ein ganz wichtiges Thema, das aber oftmals noch zu kurz kommt. Die Zeiten, in denen sich die OT (Operational Technology) aufgrund fehlender Internet-Anbin­dung sicher fühlen durfte, sind durch den End-to-End-Daten­transfer und -Verarbeitung leider vorbei. Eine umfassende IT-Security beginnt daher schon beim Sensor, der sich immer wieder aufs Neue bei seinem Host – dem Gateway – legitimieren muss, ob seine Daten „echt“ sind. Sicherheit ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil aller IT-Infrastrukturen, und das gilt natürlich auch für IoT.

Wie ist das Gateway aufgebaut, welche Software und Hardware läuft?

Die verschiedenen Gateway-Modelle unserer 3000er-Serie basieren auf Intels Atom CPUs der Baytrail-Generation. Sie unterscheiden sich Hardware-seitig je nach Einsatzgebiet und sind jeweils mit spezifischen Schnittstellen ausgestattet – so etwa mit einem Multifunction GPIO Port for Industrial Automation, einem CANbus-Anschluss für Fleet und Transportation oder auch mit Audio- oder Video-Ein- und -Ausgängen für Retail- oder Kiosk-Systeme.

Als Betriebssystem unterstützen alle Dell-EMC-Gateways Ubuntu Core Series 16 und Microsoft Windows 10 IoT LTSB2016. Durch die standardisierten Schnittstellen und weit verbreiteten Betriebssysteme stehen nahezu alle bekannten Industrieprotokolle wie etwa die Client-Server-Architektur OPC-UA oder das publish/subscriber Protokoll MQTT zur Verfügung.

Warum eben diese, welchen entscheidenden Vorteil hat das Setup gegenüber anderen?

Die große Flexibilität verhindert ein "Lock-in" in proprietäre Umgebungen. Die Anwender unserer Lösung erhalten auf diese Weise Wahlfreiheit nach allen Seiten. Sicherheit plus Flexibilität, das ist die Basis für erfolgreiche IoT-Projekte – vor allem, weil wir in der IoT-Welt noch am Anfang stehen und niemand genau weiß, in welche Richtung sich die Sache weiterentwickeln wird.

Andreas Ertel ist Client Technologist bei Dell EMC EMEA OEM Solutions.