Studie des ifaa zu Industrie 4.0 Mittelstand vom Fachkräftemangel besonders betroffen

Eine aktuelle Befragung des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) hat ergeben, dass große Unternehmen aufgrund ihrer Attraktivität meist einen Vorsprung haben, entsprechendes Personal zu gewinnen und an sich zu binden. Was können kleine und mittlere Unternehmen dagegen tun?

Vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Evolution der »Industrie 4.0« wird der Fachkräftemangel besonders für den Mittelstand deutlich. »Unsere aktuelle Befragung innerhalb der Metall- und Elektroindustrie zum Thema Industrie 4.0 unterstützt diesen Sachverhalt«, erläutert Dr. Tim Jeske, Studienleiter am Institut für angewandte Arbeitswissenschaft. Industrie 4.0 fordert beispielsweise höher qualifizierte Mitarbeiter. Große Unternehmen haben aufgrund ihrer Attraktivität meist einen Vorsprung in der Gewinnung und Bindung von entsprechendem Personal. Kleine und mittlere Unternehmen müssen attraktiver werden und sich die Frage stellen: Was unternehme ich in Richtung Fachkräftesicherung?

Das Ergebnis der Befragung zu dem Thema: In Richtung Industrie 4.0 unternehmen rund 40 Prozent der Betriebe noch gar nichts. Das wirkt sich auch auf die Gewinnung von Fachkräften aus. Unter diese 40 Prozent fallen schwerpunktmäßig kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). Dabei ist der Fachkräftemangel besonders hier allgegenwärtig. In den Betrieben werden die Beschäftigten immer älter, Firmen finden schwer neue Auszubildende. Mit dem Ergebnis, dass es immer weniger Menschen im Unternehmen gibt, die die gleiche Arbeit verrichten. Zusammenfassend sind Unternehmen hier besonders in der Qualifikation bzw. Qualifizierung der Mitarbeiter, der Verschlankung der Prozesse und in dem Sichern von Wissen in Unternehmen gefordert.

»Industrie 4.0 kann eine Stellschraube sein, die es auch kleinen und mittleren Unternehmen erlaubt, trotz der Entwicklung wettbewerbsfähig zu bleiben«, erklärt Jeske. Die Digitalisierung bietet Ansätze, den Fachkräftemangel zu kompensieren. Assistenzsysteme beispielsweise können den Einsatzbereich vorhandener Mitarbeiter erweitern (physische und mentale Entlastung, Training on the Job ...) oder die Arbeit attraktiver machen.

»Unglücklicherweise sind gerade die KMUs nach unserer Befragung bei der Umsetzung ganz hinten und nutzen deshalb diese Chancen nicht, obwohl es gerade für sie vorteilhaft wäre«, vertieft Jeske das Thema. Die Firmen sind sich der hohen Bedeutung des Themas Industrie 4.0 bewusst. »Sie schätzen allerdings über alle Unternehmensgrößen hinweg die Bedeutung allgemein höher ein als die Bedeutung für ihren Betrieb«, ergänzt der Experte zu den Ergebnissen der Studie.

Industrie 4.0 bietet darüber hinaus unter dem Stichwort Flexibilität zusätzliche Chancen Fachkräfte zu finden und zu binden. Es bieten sich erweiterte Möglichkeiten in Richtung inhaltlicher, zeitlicher und örtlicher Flexibilität von Tätigkeiten. Wobei sich Grenzen durch die jeweilige Tätigkeit ergeben. Betriebe brauchen Flexibilität von den Mitarbeitern hinsichtlich der Produktivitätsauslastung – Mitarbeiter brauchen mehr Freiraum um z.B. Familie und Beruf zu vereinbaren. »Die Digitalisierung beinhaltet auch noch eine weitere Chance: Sie ermöglicht Personen den Zugang zum Arbeitsmarkt, die bisher zeitlich und räumlich eingeschränkt waren«, fasst Jeske zusammen.