Interview mit TIs Deutschland-Chef »Investitionen hängen nicht nur an politischer Unterstützung«

TI hat sein Geschäft vom Mobilfunk erfolgreich in Richtung Analog und Embedded Processing verlagert. Im Exklusiv-Interview mit DESIGN&ELEKTRONIK sagte Geschäftsführer Andreas Schwaiger, man habe vor Intel keine Angst und glaube, von den Zukäufen der Konkurrenten sogar profitieren zu können.

DESIGN&ELEKTRONIK: Herr Schwaiger, vor wenigen Jahren dachte ich, dass sich TI komplett in Richtung Analog entwickelt mit hohem Wachstum, während das Umsatzwachstum im Bereich Embedded Processing nicht stattfand oder sehr überschaubar war. Doch in letzter Zeit hat Embedded sogar bei der Rendite Analog überholt, woran liegt das?

Andreas Schwaiger: Beide Bereiche haben in den letzten sechs Jahren Marktanteile gewonnen und zwar kontinuierlich. Fast 90 Prozent Umsatz kommt aus diesen beiden Kernbereichen, 64 Prozent aus dem 45 Mrd. großen Analog-Markt. Embedded ist sehr auf Automotive und Industrial fokussiert, unsere beiden wichtigsten Zielmärkte. TI ist ja eine vollkommen neue Firma geworden, nachdem wir proaktiv entschieden hatten, gewisse Märkte wie den Mobilfunk nicht mehr mit spezifischen Mobilfunk-SoCs bedienen zu wollen, worüber der eine oder andere auch den Kopf geschüttelt hatte. Der Cash-Flow hat sich mit unserer Fokussierung auf Analog und Embedded extrem gut entwickelt.

Wodurch sind die Margen im Bereich Embedded denn so gestiegen? Automotive ist ja ein sehr preissensitiver Markt …

Zum einen durch eine Optimierung der Kostenseite, zum anderen durch die Fokussierung auf die genannten Märkte, wo auch der Wachstumstreiber Connectivity eine Rolle spielt.

Mit Connectivity bringen Sie mich zum Thema Security. TI hat anders als NXP und Infineon keinen eigenen Chipkartenbereich, aus dem Sie Erfahrungen ziehen könnten. Wie gehen Sie das Thema an?

Das ist eine Herausforderung für die ganze Branche, ich sehe kein für uns nachteiliges Umfeld.

Die Kunden bitten Sie ja nicht um Produkte, sondern um die Lösung ihrer Probleme. TI hat jetzt einen Bauchladen von über 80.000 Produkten, ist das Ihr Schlüssel zum Erfolg?

» Unsere Website hat mehr Traffic als die Konkurrenz«

Natürlich, aber ich sehe noch weitere Fakto­ren: Zum einen unsere zahlreichen Referenzdesigns, dann unsere große Supportmannschaft für Field-Sales und last, but not least haben wir auf unsere Website einen deutlich höheren Traffic als bei unserem Wettbewerb, da scheint also auch Interesse zu bestehen.

Intel investiert neuerdings massiv in Ihren Zielmarkt. Tritt dieser Wettbewerber für Sie schon sichtbar in Erscheinung?

Es gibt in allen unseren Märkten neue Wettbewerber, weil dies die interessanten Wachstumsmärkte sind. Neben Intel gibt es auch noch viele weitere Hersteller, die daran partizipieren wollen. Es ist aber nicht so einfach, von heute auf morgen unser Produktportfolio abzubilden. Um zu Ihrer Frage zurückzukommen: Nein, derzeit sehen wir Intel noch nicht. Und mit 1,3 Mrd. Dollar jährliche Investition in Forschung und Entwicklung treten wir ja auch nicht auf der Stelle.