Doppelinterview mit ARMs Top-Management »Es wird Zeit, nicht nur Taktzyklen zu zählen«

Die Übernahme von ARM durch Softbank schlug in der Branche ein wie eine Bombe. Im Interview mit DESIGN&ELEKTRONIK erklären CEO Simon Segars und Firmengründer und CTO Mike Muller, warum der Deal für ARM vorteilhaft ist und wie man die unendlichen Weiten des Internet of Things (IoT) erschließen will.

DESIGN&ELEKTRONIK: Herr Segars, der Kauf von ARM durch den japanischen Telekommunikationsanbieter Softbank für einen Preis von 40 % über dem damaligen Aktienkurs kam sehr überraschend. Softbank verspricht sich hohe Rendite durch ein »explodierendes Internet der Dinge«, für das ARM-Technologie essentiell ist. Wo aber ist bei diesem Kauf der Sinn für ARM?

Simon Segars: Durch die massiven Investitionen von Softbank können wir unsere Roadmap beschleunigen und das Unternehmen in einer Weise nach oben skalieren, wie wir es noch nie zuvor konnten.

Nun, Sie haben ja schon bislang fast im 3-Monate-Rhythmus Firmen dazugekauft, es ist ja nicht so, daß ARM nicht gewachsen wäre in den letzten Jahren ...

Segars: Das ist richtig, aber die meisten Zukäufe waren doch vergleichsweise klein. Masayoshi Son (CEO von Softbank, Anm. Red.) hat mich hingegen gebeten, in den größtmöglichen Dimensionen weiterzudenken.

Sie wollen mit Softbank-Millionen ja auch massiv Mitarbeiter aufbauen, in welchen Bereichen bauen Sie denn konkret auf?

Segars: Cloud-Computing ist ein Schlüssel für den Erfolg des IoT, das ist ein Bereich.Natürlich auch die Building-Blocks auf den Chips und ganz wichtig Security-IP, wo wir letztes Jahr die israelische Firma Sansa Security gekauft haben, da werden wir auch ganz sicher Mitarbeiter aufbauen.

Aus meiner Sicht gibt es noch eine große Baustelle: Zunehmend mehr Open-Source-Software, die auf ARM-SoCs mal besser und mal schlechter läuft ...

Segars: Das ist richtig, auch da werden wir in zusätzliche Mitarbeiter investieren, um Produkte schneller auf den Markt bringen zu können.

Wie werden sich Ihre IoT-Investitionen auf die Umsatzanteile – Mobilgeräte und der Rest – auswirken? Mutiert ARM von einer Mobilgeräte-Chip-Firma zu einer IoT-Firma?

Segars: Wir weisen, wie Sie wissen, keine Umsatzanteile, sondern nur Chipvolumen aus. Nachdem Mobilchips bislang 50 % der ausgelieferten Menge entsprach, hat sich dieses Verhältnis verändert, Mobilgeräte-Chips liegen jetzt erstmals unter 50 %, u. a. infolge Milliarden von Cortex-M-Mikro­controllern. Da sie in der Regel jedoch höherwertige IP enthalten (Neben Multi-Core-Cortex-A-CPUs häufig auch Mali-GPUs, Anm. Red.), machen Sie rund 60 % unserer Royality-Einnahmen aus. Wir haben keine Ziele bezüglich Umsatzanteilen, wir versuchen einfach in jedem Segment soviel Umsatz wie möglich zu machen, d. h. wir investieren in alle Märkte, die uns lohnenswert erscheinen.

Seit Jahren wird in Ihrem Haus über künstliche Intelligenz diskutiert, bislang ohne konkrete Ergebnisse. Wann dürfen wir mit Ergebnissen rechnen?

Segars: Das Problem ist, dass sich die für KI-Anwendungen verwendeten Algorithmen ständig ändern und es noch zu früh ist, zu sagen, dieses oder jenes ist die richtige Prozessor-Architektur.

Kommen wir jetzt zu den Bereichen, wo ARM im Gegensatz zu Handys oder Mikrocontrollern noch großes Wachstums­potential hat: Fangen wir an mit der Kommunikationstechnologie beim Cloud-Computing ...

Segars: Da sehen wir 2017 großes Wachstumspotential. Warum? Es gibt in der Branche einen Trend bezüglich Virtualisierung, mehr Intelligenz in den Geräten für die Reduktion der Datenmengen sowie seitens der Networking-Equipment-Hersteller die Standardisierung zu weniger Architekturen und damit einhergehend den Wunsch, in Richtung ARM zu standardisieren.

Kommunikationstechnik braucht norma­lerweise 64-bit-Prozessoren. Doch was liefern Ihre Lizenznehmer derzeit? Mehrheitlich Kommunikations-SoCs mit 32-bit-ARM-Cores. Wie soll das funktionieren?

Segars: Immerhin haben wir schon rund 15 % Marktanteil und 2017 werden Sie viele Upgrades auf unsere 64-bit-CPUs sehen. Weil – wie Sie richtig festgestellt haben – der Markt 64-bit-CPUs nachfragt, rechnen wir mit steigenden Marktanteilen.