Patentstreit eskaliert WSJ: Apple will Qualcomm rauswerfen

Laut einem Bericht des Wall-Street-Journals will Apple die nächste Generation seiner iPhones und iPads ohne LTE-Funkchips und deren Companion-Chips von Qualcomm ausliefern. Hintergrund sind eskalierende Patentstreitigkeiten. Ersatz soll von Intel und MediaTek kommen. Qualcomms Aktienkurs brach ein.

Die Nachricht, dass Apple ab 2018 auf Chips des Halbleiterherstellers Qualcomm verzichten wolle, führte zu einem Aktienkursrückgang von 7 % auf 43,52 Dollar. Mittlerweile hat er sich wieder erholt und notiert bei über 45 Dollar.

Qualcomm lieferte für iPhones und iPads bislang neben dem Modem-LTE-Funkchip auch noch weitere Companion-Chips wie den HF-Transceiver und die zugehörige Stromversorgung. Sollte Apple tatsächlich die Zulieferung von Qualcomm beenden, würde sich hierdurch ein Umsatzrückgang in Milliardenhöhe darstellen, bei 212 Mio. verkauften iPhones (im Jahr 2016, für 2017 gibt es natürlich noch keine Zahlen) und einer Qualcomm-BOM von mindestens 25 Dollar pro iPhone 8 reden wir hier über 5,3 Mrd. Dollar.

Das Problem, das sich für Apple ergeben könnte, wäre, dass weder Intel noch der taiwanische Halbleiterhersteller MediaTek bislang vergleichbare Produkte mit einer maximalen Download-Geschwindigkeit von 1 Gbit/s anbieten können. Während dies in den meisten Ländern keine Rolle spielt, da die LTE-Funkinfrastruktur ohnehin nur deutlich geringere Datenraten erlaubt, wollen die Netzwerk-Provider in den USA in absehbarer Zukunft Gbit-LTE ausrollen. Man wird freilich abwarten müssen, welche Datenraten in der Praxis, wenn sich zahlreiche Smartphone-Nutzer eine Funkzelle teilen müssen, tatsächlich erzielbar sein werden und der Unterschied zwischen den maximalen Download-Raten Qualcomm vs. Intel/MediaTek aus Benutzersicht spürbar sein wird.

Angeblich soll Apple die Entscheidung gegen den Chiphersteller aus San Diego getroffen haben, da Qualcomm im Rahmen des eskalierenden Patentstreits die Zulieferung von Software für Testchips verweigert habe. Ohne diese wäre es für Apple de facto unmöglich, die notwendigen Systemtests der nächsten iPhone-Generation vorzunehmen.

Klagen und Gegenklagen

Apple und Qualcomm beschäftigen sich mit einem wahrscheinlich jahrelangen und epischen Kampf. Als Folge der Nachricht, dass Qualcomm höhere Lizenzgebühren für die Nutzung seiner Technologie erhoben hatte, sowie Berichte, denen zufolge Qualcomm von Apple verlangt hat, im Gegenzug für den Einsatz von Qualcomm-Patenten einen Prozentsatz des iPhone-Umsatzes zu zahlen, hat Apple Qualcomm in mittlerweile drei Ländern verklagt.

In den USA verklagte Apple Qualcomm auf 1 Mrd. Dollar, desweiteren in China auf 145 Mio. Dollar und auf ebenso viel in Großbritannien. Im Gegenzug weht sich Qualcomm mit einer Klage auf einen Einfuhrstopp von iPhones nach Deutschland vor Gerichten in München und Mannheim, einer Klage in China gegen die Herstellung und den Verkauf von iPhones ebenda sowie in den USA ebenfalls gegen die Einfuhr von iPhones.

Apples US-Klage

Apple ist in die Fußstapfen der Federal Trade Commission getreten und hat Qualcomm auf 1 Mrd. Dollar verklagt.

Das Unternehmen aus Cupertino behauptet, dass Qualcomm strenge Bedingungen für die Nutzung seiner patentierten Technologie fordere und sogar bestrebt sei, Apple für die Zusammenarbeit mit einer südkoreanischen Regulierungsbehörde zu bestrafen.

Die Dokumente von Apple erwähnten auch, dass Qualcomm von Apple einen Prozentsatz des Verkaufspreises des iPhones als Gegenleistung für den Einsatz von Qualcomm-Patenten verlangte und auch, dass Apple zwischen 2011 und 2016 ausschließlich Qualcomm-Chips verwenden solle. Während Apple im Rahmen der Vereinbarung sogenannte "vierteljährliche Rabatte“ erhalten solle, habe Qualcomm damit begonnen, diese Rabatte zurückzuhalten, als Apple sich bereit erklärte, mit der Korean Fair Trade Commission zusammenzuarbeiten. Dem Antrag zufolge habe Apple durch die Zusammenarbeit mit Regulierungsbehörden fast 1 Mrd. Dollar an Rabatten eingebüßt.

"Wir sind extrem enttäuscht über die Art und Weise, wie Qualcomm sein Geschäft mit uns führt, und leider haben wir nach jahrelangen Meinungsverschiedenheiten darüber, was eine faire und angemessene Lizenzgebühr darstellt, keine andere Wahl, als uns an die Gerichte zu wenden", sagte Apple in einer Erklärung.

Qualcomms Chefjurist Rosenberg sagte, Apple habe gegenüber den Regulierungsbehörden wichtige Informationen zurückgehalten. Der Chipsatzhersteller bezieht sich auf die koreanische Fair Trade Commission, die Qualcomm im Dezember 2016 wegen ihrer angeblichen wettbewerbswidrigen Praktiken eine Geldbuße in Höhe von 853 Mio. Dollar auferlegte. Wie bei der FTC-Klage sagte Qualcomm, dass es gegen Geldstrafe kämpfen würde.

Apples Patentklage gegen Qualcomm in China

Nur wenige Tage, nachdem Apple eine Klage gegen Qualcomm in den USA eingereicht hatte, kündigt Apple an, dass es Qualcomm auch in China verklagen wird - diesmal auf "nur" 145 Millionen Dollar.

Das Motiv hinter der Klage ähnelt dem Motiv hinter der US-Klage - Apple beschuldigt Qualcomm im Grunde, Patentversprechen nicht zu erbringen.

"Diese Einreichungen von Apples chinesischer Niederlassung sind nur ein Teil von Apples Bemühungen, Wege zu finden, um weniger für Qualcomms Technologie zu bezahlen", sagte Don Rosenberg. "Apple erhielt Konditionen, die mit denen von mehr als 100 anderen chinesischen Unternehmen akzeptierten Bedingungen übereinstimmten, und weigerte sich, sie überhaupt in Betracht zu ziehen. Diese Bedingungen stimmten mit unserem NDRC-Berichtigungsplan überein. "