Erfolgreiches Geschäftsjahr 2017: Renesas profitiert von gutem Industrie- und Automobilgeschäft

Ein starkes durch die Intersil-Akquisition getriebenes Umsatzwachstum und ein Gewinnsprung im Geschäftsjahr 2017 erfreut den japanischen Chip-Hersteller Renesas Electronics. Die Bilanz verrät jedoch noch mehr interessante, in der Öffentlichkeit weithin unbekannte Details.

Mit 780,3 Mrd. Yen Umsatz (6,97 Mrd. Dollar) stiegen die Verkäufe insgesamt gleich um 22,1 %, im Bereich Halbleiter sogar um 23,2 %. Der Gewinn legte um 41,9 % auf 77,2 Mrd. Yen (689 Mio. Dollar) zu, was Renesas eine lange Zeit undenkbare Umsatzrendite von fast 10 % beschert.

Sowohl der Bereich Automotive, der um 16,8 % auf 407,8 Mrd. Yen, als auch der Bereich Industrie, der um 15,7 % auf 217,7 Mrd. Yen Umsatz wuchs, erwiesen sich dabei als Wachstumstreiber, allerdings deutlich geringer als der dritte große Geschäftsbereich, das sogenannte „Broad-Based-Business“, in welchem Allzweck-MCUs und Allzweck-Analog-Chips zusammengefasst sind. Während das MCU-Geschäft fast unverändert blieb, konnte Renesas durch die Intersil-Akquisition hier um 75,1 % auf 134 Mrd. Yen Umsatz wachsen.

Was die Bilanz interessantes zeigt

Die Bilanz von Renesas verrät neben vielen Zahlen auch interessante Details, die bislang nicht groß in der Öffentlichkeit bekannt waren.

Zum einen wurde das Unternehmen in Kanada und Großbritannien wegen vermeintlicher Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht im Kontext mit Smartcard-Chips verklagt, wofür 79 Mio. Dollar zurückgestellt wurden. In Taiwan ist ein Verfahren wegen Entschädigungszahlungen auf Grund vermeintlicher Umweltverschmutzungen anhängig.

Erschreckende Zahlen wurden im Kontext des verheerenden Erdbebens von 2016 vermeldet: In Summe 7,915 Mrd. Yen (70,7 Mio. Dollar) musste Renesas für Reparaturen, Verluste von Lagerbeständen und anderen Gründen aufwenden.

Hinsichtlich der Intersil-Akquisition wurden bekannlich knapp 3,2 Mrd. Dollar (345,394 Mrd. Yen) bezahlt. Nach Abzug und Bewertung der tatsächlich erworbenen Assets wie Fabs, Lagerbeständen etc. bleibt ein sogenannter „Goodwill“-Betrag (immaterielle Vermögenswerte) von 189,637 Mrd. Yen (fast 1,7 Mrd. Dollar) stehen, ein enormer Wert. Dieser Betrag soll über 9 Jahre amortisiert werden, einerseits durch Synergien im Verkauf zwischen beiden Unternehmen, andererseits durch Kostenreduktionen.

Spannend sind auch die Verkäufe von Renesas über die Regionen und Kunden. Von den 780,261 Mrd. Yen Gesamtumsatz entfällt nicht einmal mehr die Hälfte auf das Geschäft in Japan, wo mit 329,450 Mrd. Yen 42,2 % der Verkäufe zu Buche stehen. Dieser Wert war vor Jahren noch deutlich höher, was für den Erfolg der Internationalisierungsstrategie von CEO Bunsei Kure spricht.

Platz 2 nimmt mit 150,556 Mrd. Yen Umsatz bereits China ein, was gerade für einen japanischen Lieferanten bemerkenswert ist, gefolgt von Rest-Asien (also alle Länger ohne Japan und China) mit 112,341 Mrd. Yen und Europa mit 109,394 Mrd. Yen. Amerika ist mit 74,607 Mrd. Yen Umsatz oder 9,5 % des Gesamtumsatzes trotz der US-Autoindustrie noch ausbaubar.

Renesas größter Kunde, der Halbleiter-Distributor Ryosan mit Firmensitz in Tokyo, steht alleine für 106,526 Mrd. Yen Umsatz oder 13,65 % Umsatzanteil, was fast soviel ist wie alle Renesas-Verkäufe in Europa zusammen darstellen.

Nachdem Renesas nach dem Zusammenschluß mit NEC einst noch fast 48.000 Mitarbeiter zählte, arbeiten laut aktuellem Firmenprofil nach der Übername von Intersil jetzt noch rund 20.000 Mitarbeiter für die Japaner.