Steht der NXP-Kauf auf der Kippe? Qualcomm: NXP-Kauf nach 2018 verschoben und teurer als geplant

Platz 1: Steve Mollenkopf (Qualcomm) Gesamteinkommen 60.740.592 Dollar sind 2,3 Promille vom Umsatz und 7 Promille vom Gewinn.
Steve Mollenkopf (CEO Qualcomm) muß weiter auf NXP warten.

Die Übernahme des Chipherstellers NXP durch Qualcomm wird sich laut EU-Kommission mindestens bis ins 1. Quartal 2018 verschieben, dazu wird der US-Chiphersteller mehr als die geplanten 39 Mrd. Dollar auf den Tischen legen müssen. Pessimisten sprechen jetzt schon davon, dass der Deal platzen wird.

Als ob die – möglichweise feindliche – Übernahme durch den in Singapore ansässigen Chiphersteller Broadcom, die bald unzähligen Prozesse gegen Elektronik-Riese Apple und Strafzahlungen an chinesische Regulierungsbehörden nicht schon genug wären, Halbleiter-Gigant Qualcomm droht weiterer Stress im Kontext der geplanten Übernahme des europäischen Konkurrenten NXP.

Die Wettbewerbsdirektion der Europäischen Kommission hat ihre Prüfung des Angebots von Qualcomm in Höhe von 39 Milliarden US-Dollar zum Kauf der NXP Semiconductors NV laut der EU-Website am 17. August ausgesetzt und wartet auf die Lieferung weiterer Informationen durch die Unternehmen. Der Stopp ist bereits der Dritte in dem Prüfverfahren.

Obwohl der Qualcomm-NXP-Deal schon Ende 2016 angekündigt wurde, wurde die Europäische Kommission erst am 28. April 2017 benachrichtigt. Die Kommission beschloss daraufhin, den Kauf eingehend zu untersuchen und hatte laut ihren eigenen Regularien 90 Arbeitstage, also bis zum 17. Oktober 2017, Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Die erste Unterbrechung der Überprüfung hat jedoch den Entscheidungstermin bereits bis zum 6. Dezember 2017 verschoben, die neuerliche Unterbrechung wird den Entscheidungstermin ins Jahr 2018 verschieben, obwohl laut EU-Quellen Qualcomm schon diverse Zugeständnisse (welche auch immer) gemacht haben soll. Grund sind laut EU fehlende Informationen, die nachgeliefert werden müssen. Nach deren Eingang wird die Uhr neu gestartet und die Frist für die Entscheidung der Kommission dann entsprechend angepasst.

Die Wettbewerbsdirektion der Europäischen Kommission hat die Aufgabe, zu prüfen, ob der Kauf die Preise für bestimmte Arten von Bauteilen und damit für Systeme erhöhen würde und ob er Innovationen in der europäischen Halbleiterindustrie erheblich reduzieren würde. In einer neuen Ära der Politik nach der Wahl von Präsident Trump hat sich in Brüssel das strategische Denken in Bezug auf Halbleiter, Automobilbau und andere Schlüsseltechnologien verändert.

Je länger die Transaktion dauert, desto größer ist die Chance, dass sich Umstände und Annahmen hinter dem Deal ändern. Hier ist vor allen Dingen der Kaufpreis zu nennen.

Qualcomm unterbreitete sein Angebot von 110 Dollar pro NXP-Aktie Ende 2016. Damals lag der NXP-Kurs bei unter 100 Dollar, im September 2016, als erste Informationen über den Deal nach draußen drangen, sogar bei knapp über 80 Dollar. Mittlerweile wird die Aktie von NXP  bei fast 117 Dollar gehandelt, weshalb die Aktionäre das Angebot von Qualcomm in Höhe von 110 Dollar nicht annehmen dürften. Nachdem mittlerweile bei Zukäufen in der Halbleiterindustrie „Premium-Aufschläge“ von bis zu 40 Prozent üblich sind, kann man sich ausrechnen, welche Aktionärs-Forderungen auf dem Tisch von Qualcomm-CEO Steve Mollenkopf landen dürften, wenn es denn mal nach einer positiven EU-Entscheidung richtig ernst werden sollte.

Wenn man nun davon ausgehen muss, dass ein weiteres Quartal ins Land gehen wird, dürfte der Aktienkurs von NXP derweil weiter steigen. Dies gibt NXPs CEO Rick Clemmer und den Private Equity-Firmen, die einen wesentlichen Teil von NXP besitzen, mehr Zeit, um Alternativszenarien zu entwickeln bzw. noch mehr Geld von Qualcomm zu fordern.

Es gibt viele Analysten, welche schon heute behaupten, dass der Deal bereits zu lange dauert und zum Scheitern verurteilt ist. Andere empfehlen freilich NXP-Aktien zu kaufen, denn sobald die Zustimmung der Europäischen Kommission vorliegt, wird Qualcomm aus ihrer Sicht sein Angebot erhöhen.

Inwieweit die mögliche Übernahme durch Broadcom in die Überlegungen des Qualcomm-Managements hineinspielt, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Klar ist wohl nur Eines: Es bleibt spannend, und je mehr Zeit ins Land geht, desto schlechter werden die Karten für Qualcomm.