Dr. Necip Sayiner, Chef von Renesas USA »Plattform-Anbieter zerstören alte Ökosysteme und schaffen Neue«

Renesas-USA-CEO Dr. Necip Sayiner traf DESIGN&ELEKTRONIK-Redakteur Frank Riemenschneider in seinem Büro in Milpitas, Kalifornien.
Renesas-USA-CEO Dr. Necip Sayiner traf DESIGN&ELEKTRONIK-Redakteur Frank Riemenschneider in seinem Büro in Milpitas, Kalifornien.

Mit dem Kauf durch Renesas wurde Intersils CEO Dr. Necip Sayiner zur neuen Nr. 1 von Renesas Amerika. Im Exklusiv-Interview mit der DESIGN&ELEKTRONIK erklärt er, warum Synergy ein für den Kunden wertvolleres Ökosystem schafft und die Lizenz-Modelle der Wettbewerber Auslaufmodelle sind.

Herr Dr. Sayiner, als Chef von Renesas USA sind Sie nun auch für die Synergy-Mikrocontroller verantwortlich. Zahlreiche potentielle Kunden kritisieren, dass Sie kein offenes Ökosystem unterstützen, sondern sich abschotten. So können z.B. Entwicklungssysteme von SEGGER, PLS oder Lauterbach nicht genutzt werden, da sie Ihren verschlüsselten Code nicht verarbeiten können. Renesas zwingt seine Kunden, die von IAR lizensierte Software zu nutzen. Desweiteren können Low-Level-Treiber nicht verändert werden, da es keine BSD-Lizenz gibt. Warum glauben Sie, dass dies der richtige Ansatz ist?

Die Anforderungen der Kunden an ein Embedded-MCU-Ökosystem ändern sich. Während die von Ihnen beschriebene Art eines Ökosystems kollabiert, kommt eine neue Art hoch, durch welche die Kunden sich besser von ihren Wettbewerbern differenzieren können und ihre Produkte schneller auf den Markt bringen können. Kunden sehen keinen großen Mehrwert mehr in einer großen Auswahl von RTOS, Protokoll-Stacks und Low-Level-Treibern. Sie sind ein Mittel zum Zweck, um ein Produkt zu entwickeln. Sie wollen ihre Anwendung differenzieren und keine Zeit mit den darunterliegenden Ebenen verbringen. Unser neues Ökosystem bringt dem Kunden Mehrwert durch Cloud-Analyse oder Produkt-Lebenszyklus-Management.

Nochmal: Sie schränken die Auswahl-Freiheit des Kunden ein….

Sehen Sie es doch mal pragmatisch, es gibt ja auch einen ganz praktischen Grund, die Anzahl der möglichen Kombinationen von Low-Level-Komponenten in einer Plattform zu reduzieren. Um die höchstmögliche Qualität von integrierter Software und Tools zu erreichen, müssen Sie die Auswahl einschränken. Mehr Permutationen von Kombinationen von Tools, RTOS, Stacks und Middleware von unterschiedlichen Herstellern bedeuten einen exponentiell steigenden Aufwand für Integration, Test, Wartung, Dokumentation und die Gewährleistung, dass die Software die Spezifikation erfüllt.

Ein anderes Problem ist doch, dass Ihre Plattform auch noch gar nicht vollständig ist, um alle Anforderungen z.B. einer vernetzten IoT-Anwendung zu erfüllen!

Sowohl die Softwarekomponenten basierend auf ThreadX und XWare als auch das Synergy-Software-Package (SSP) werden mit der Zeit organisch wachsen und neue Eigenschaften und Framework-Funktionalitäten für den Kunden kostenlos bereitstellen. Die letzten Beispiele sind die Ergänzung des SSP durch TLS, MQTT und Frameworks zur drahtlosen Datenübertragung, konkret WiFi, BLE und Modem. Weitere Ergänzungen werden Security, funktionale Sicherheit und Konnektivität betreffen.

Sie behaupten, dass Ihre Wettbewerber weder dieselbe Qualität noch dieselbe vollständige Plattform wie Synergy liefern können. Das ist ja starker Toback, möchten Sie das erläutern?

Einige Wettbewerber haben über 1000 MCU-Teilenummer für ihre Cortex-M-basierenden Controller mit zahlreichen nicht kompatiblen Peripherien und Funktionalitäten. Das ist eine Katastrophe, wenn Sie effiziente leicht zu wartende Software in hoher Qualität entwickeln wollen. Synergy wurde von einem leeren Blatt Papier entwickelt mit dem Fokus auf kompatible Cortex-M-MCUs mit identischen Peripherien und Architektur. Damit können die Kunden von Projekt zu Projekt einen hohen Grad der Software wiederverwenden.