Erstes Intel-Smartphone nicht vor 2012 Otellini stellt neue Atom-Prozessor-Roadmap vor

Intel-CEO Paul Otellini (links) mit Elektronik-Redakteur Frank Riemenschneider.
Intel-CEO Paul Otellini (links) mit DESIGN&ELEKTRONIK-Chefredakteur Frank Riemenschneider.

Auf einem Analysten-Day in Santa Clara stellte Intel-CEO Paul Otellini eine Roadmap für den Atom-Prozessor vor. Bis 2014 soll es eine 14-nm-Version geben, die zeitgleich mit den PC-Prozessoren erscheinen und x86-Chips in Smartphones und Tablets bringen soll.

Die Kernaussage von Intel war, dass das Unternehmen in kürzeren Abständen neue Atom-Designs herausbringen will (dies hatte man auch schon auf dem IDF 2011 in Peking verkündet), die Leistungsaufnahme für Notebooks dramatisch senken und den zulässigen Temperaturbereich für SoCs erweitern will.

Otellini musste eingestehen, dass die alte Roadmap "unzulänglich" ist, vermutlich eine Folge der Tatsache, dass es Intel bis heute nicht geschafft hat, den Atom in irgendein Smartphone einzudesignen und ARM Marktanteile abzunehmen. Die neue Roadmap soll laut Ottelini dieselbe Bedeutung haben wie seinerzeit "das Debut von Pentium und Centrino".

Konkret will Intel einen 14-nm-Atom mit dem Codenamen Airmont im Jahr 2014 vorstellen, was erstmals zeitgleich mit den PC-Prozessoren wäre. Bislang hinkt der Atom hinter diesen eine Prozessgeneration hinterher (45 nm Atom, 32 nm Core-i-Prozessoren), vermutlich weil Intel seine renditeträchtigen Chips nicht selbst mit dem Low-Cost-Atom kannibalisieren möchte. Jetzt musste man in Santa Clara einsehen, dass das Ziel, Marktanteile in Mobilgeräten zu gewinnen, mit dieser Strategie nicht zu erreichen war.

Bereits im Jahr 2013 wird ein 22-nm-Atom mit dem Codenamen Silvermont vorgestellt werden, der dann nur noch 1 Jahr (eine halbe Prozessgeneration) hinter den PC-Prozessoren hinterherhinken wird. 2012 gibt es den 32-nm-Atom (Medfield), der bereits für Smartphones und Tablets zum Einsatz kommen soll.

Unabhängig vom Atom wird es mit der 22-nm-Generation auch Notebook-Prozessoren und -Chipsätze geben, welche das heute Leistungsbudget von 40 W auf 15 W drücken sollen. Zusätzlich kündigte Otellini SoCs für diverse Einsatzgebiete an, deren Leistungsaufnahme unterhalb einem W bis 10 W betragen soll. Dadi Perlmutter, General Manager der Intel Architecture Group, erklärte dazu, dass man dazu nicht nur die Mikroarchitektur und Schaltkreise verändern werde (Intel hatte ja vor wenigen Wochen FinFET-Transistoren vorgestellt), sondern auch das Power-Management, Parallelverarbeitung im Grafikbereich und Medienverarbeitung signifikant verbessern werde.

Otellini betonte, dass in der ersten Jahreshälfte 2012 das erste Smartphone mit 32-nm-Atom erscheinen werde. Nach dem Rückzug von Nokia, dass ja nunmehr auf Windows 7 Phone setzt und alle Medfield-Aktivitäten eingestellt hat, bedeutet dies für Intel eine erhebliche Verzögerung beim Markteintritt. Otellini erklärte dazu, dass man die Mitarbeiter, die bis zu dem Startegiewechsel fast exklusiv für Nokia gearbeitet hatten, abgezogen und im Anschluß daran beauftragt hat, ein Referenz-Design für Smartphones zu entwickeln, dass man an eine Reihe anderer Hersteller verkaufen wolle.

Perlmutter hatte neben einem Smartphone-Prototypen auch ein ein Tablet mit 7-Inch-Bildschirm dabei, auf dem Android lief. Bis Ende des Jahres will man ein Referenz-Design und eine Entwickler-Plattform für 10-Inch-Tablets fertig haben.

Laut Perlmutter wird sich die Leistungsaufnahme von Medfield im "Milliwatt-Bereich" und damit in Regionen bewegen, die man von heutigen 40-nm-ARM-basierten Smarpthone-SoCs kennt. Während die Konkurrenz aktuell auf Dual-Core-Chips auf Basis des Cortex-A9-Cores setzt, arbeitet der Medfield-Atom mit nur einem Core. Perlmutter behauptete dennoch, dass dieser eine höhere Rechenleistung erziele.

Otellini ergänzte, dass Intel bis heute 2000 Design-Wins für den Atom-Prozessor erzielen konnte, wovon 21 Prozent zuvor andere Architekturen, meistens ARM, eingesetzt hätten. Für Tablets soll es 35 Design-Wins geben, inklusive Geräten von Fujitsu und Viewsonic.

Als letzten Punkt erklärte der Intel-CEO, dass man auch den PC "anwenderfreundlicher" gestalten wolle. In den nächsten 24 Monaten soll es bereits PCs - also vermutlich Notebooks - geben, die dünn wie ein Tablet sind, auf denen mehrere Betriebssysteme laufen werden und deren Batterie den ganzen Tag durchhält - letztere Aussage klingt wenig verwunderlich, wenn die Leistungsaufnahme tatsächlich von 40 W auf 15 W sinken sollte. "Der PC wird neu erfunden, er wird mehr zu einem Konsumer-Gerät", so Otellini abschließend.