Kommentar MIPS: Ein Dead-End für Microchips PIC32-MCUs – dank Apple

Microchips CEO Steve Sanghi mit DESIGN&ELEKTRONIK-Chefredakteur Frank Riemenschneider.
Microchips CEO Steve Sanghi mit DESIGN&ELEKTRONIK-Chefredakteur Frank Riemenschneider.

Anders als die Konkurrenz setzte Microchip für seine 32-bit-MCUs PIC32 nicht auf ARMs Cortex-M-Cores, sondern auf MIPS. Ausgerechnet Apple dürfte sich zum Totengräber dieser Strategie entwickeln,denn MIPS-CPU-Hersteller Imagination steht nach der Abkündigung der GPUs für iPhone und iPad vor dem Aus.

Microchips CEO Steve Sanghi ist zweifelsfrei ein schlaues Kerlchen und hat in den beiden letzten Dekaden vieles anders und vieles richtiger gemacht als so mancher großer Wettbewerber. Zu der für viele Marktbeobachter seinerzeit überraschenden Lizensierung von MIPS-CPUs für die 32-bit-MCUs PIC32 sagte Sanghi, der Kunde wolle nicht auf ARM fixiert werden und eine Alternative haben.

So richtig diese Aussage im Prinzip ist, war der Move zu MIPS wohl eine der wenigen falschen strategischen Entscheidungen, die Sanghi in seiner Amtszeit bei Microchip getroffen hat. Nicht, weil die MIPS-CPU technisch schlecht wäre, das Gegenteil ist der Fall – in manchen Punkten ist sie Cortex-M3/-M4 sogar nachweislich überlegen. ARMs größte Stärke, das riesige Ecosystem, war schon immer MIPS Schwäche, an dieser sensiblen Stelle – der Tools – hat der ARM-Kunde die Qual der Wahl, während der PIC32-Entwickler de facto auf Microchips-In-House-Tools festgenagelt ist. Die Folge ist, daß der Markterfolg der PIC32 überschaubar ist – ST Microelectronics mit seinem STM32, NXP und andere ARM-Lizenznehmer dominieren den 32-bit-MCU-Markt.

Dies alles wusste Sanghi vorher. Was er allerdings nicht wissen konnte, ist das absehbare Ende von MIPS-Hersteller Imagination im 3. Quartal 2018. Dessen größter Kunde Apple, der alleine für 60 % des IP-Umsatzes von Imagination steht, wird nämlich keine weiteren PowerVR-GPUs in seinen iPhones und iPads verbauen. Damit fehlt das Geld für Weiterentwicklungen auf der GPU- als auch auf der MIPS-CPU-Seite.

Schon im aktuellen A10-SoC, das sich im iPhone 7 findet, hat Apple die Power-VR-GPU-IP mit eigenen Spezialisten – die meisten sind nach den dortigen Massenentlassungen ehemalige Imagination-Mitarbeiter – modifiziert. Gleiches wird beim A11 der Fall sein, bevor dann beim A12 endgültig ein vollkommen eigenes GPU-Design verbaut werden wird und Imagination auf der Strecke bleibt. Die Abhängigkeit von Apple ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden, da Imagination vor allen Dingen gegen ARMs Mali-GPUs rund 50 % seines ehemaligen Marktanteils verloren hat.

Natürlich kann man argumentieren, daß Imagination noch lange Lizenzgebühren für ausgelieferte Chips von Apple wird kassieren können – einschließlich der neuen Designs ab dem A12, da davon auszugehen ist, daß Apple nicht auf der grünen Wiese anfängt, sondern zahlreiche Imagination-Patente berührt werden. Dieses Geld tatsächlich zu bekommen, ist eine andere Sache. Wenn der Zwerg Imagination Apple verklagen sollte, werden – der Fall Qualcomm zeigt es auf – erst einmal alle Zahlungen komplett gestoppt. Was folgt, ist ein jahrelanger kostspieliger Prozess mit unklarem Ausgang. Bis dahin wird Imagination Geschichte sein.

Die beste Lösung aus Imagination-Sicht wäre ein Kauf des GPU-Geschäftes von Apple gewesen, was nach dem Absturz des Aktienkurses eigentlich logisch erschienen wäre. Apple hätte alle Rechte an der IP incl. der Patente und könnte zudem den Wettbewerb komplett aussperren. Allerdings haben solche Gespräche offenbar zu keinem Erfolg geführt, sonst gäbe es schon entsprechende Börsenmitteilungen.

Um überhaupt Geld für neue GPU-Entwicklungen und die Suche nach Neukunden zu bekommen, muss Imagination MIPS verkaufen. Hier gibt es wenigstens einen Kaufanreiz von noch jahrelangen Royality-Einnahmen durch derzeitige Lizenzverträge. Das Geld für weitere kostspielige CPU-Neuentwicklungen hat Imagination im Gegensatz zu ARM ohnehin nicht mehr – während ein neues Cortex-M-Design dem nächsten folgt, wurde die CPU-MIPS-Roadmap schon längere Zeit immer mehr ausgedünnt. Die Massenentlassungen im Jahr 2016 taten ihr Übriges.

Dazu kommt, daß mit Mobileye auch noch ein großer MIPS-Kunde weggebrochen ist, da Käufer Intel mit Sicherheit eigene x86-CPUs eindesignen wird. Daß mit Sequans noch ein kleiner MIPS-IoT-Chipset-Hersteller zu Gunsten von super-energiesparenden Andes-Cores weggebrochen ist, ist dabei fast schon eine Randnotiz.

Ich sehe als Käufer von MIPS lediglich einen Finanzinvestor, der die nächsten Jahre noch die Lizenzeinnahmen abgraben möchte, bis der Geldstrom versiegt. Neuentwicklungen stehen bei diesem Geschäftsmodell natürlich nicht zur Debatte. Theoretisch wäre auch ein Kauf von IP-Herstellern wie z.B. VeriSilicon denkbar, der eigene GPU-IP u.a. an NXP lizensiert. ViriSilicon’s wichtigste Kunden setzen allerdings auf ARM und diese zu MIPS zu bewegen, wäre wohl eher Wunsch als Realität.

Bleibt die Frage: Quo vadis, Microchip? Die Erkenntnis, daß der PIC32 mit MIPS-CPU ein Dead-End ist, wird Steve Sanghi schon viele Monate vor mir und anderen Marktbeobachtern bekommen haben. Natürlich wird es zu keiner kurzfristigen Abkündigung kommen und PIC32 noch lange erhältlich sein. Was die zukünftige Roadmap von leistungsstärkeren 32-bit-MCUs angeht, darf man jedoch erwarten, daß Microchip – der Kauf von Atmel machte es möglich – wie die Konkurrenz auf ARM setzen wird. Der von Atmel geerbte Cortex-M7 stellt schon heute die Speerspitze im Microchip-Universum dar.

Am Ende des Tages muß man Steve Sanghi dann doch wieder für seine weise Entscheidung loben, sich mit Atmel nicht nur die führende Touch-Technologie, sondern auch das ARM-Ecosystem nebst Cortex-M0+ bis Cortex-M7 eingekauft zu haben. Damit gibt es ein Dead-End für MIPS und Imagination selbst, nicht aber für den größten MIPS-CPU-Lizenznehmer Microchip.