Kommentar zu den Top-20 MediaTek und NVIDIA sind die großen Gewinner

Marktübersicht Halbleiter
Marktübersicht Halbleiter

Die beiden SoC-Hersteller MediaTek und NVIDIA werden laut einer Prognose des Marktanalysten ICInsights 2016 die großen Gewinner in einer nur noch moderat wachsenden Halbleiterindustrie sein. Chip-Gigant Intel konnte ebenfalls überdurchschnittlich zulegen, während andere Hersteller abstürzten. Warum?

Auch wenn der Smartphone-Markt 2016 nur noch um 4 % wachsen wird, trifft dies den taiwanischen Handy-SoC-Hersteller MediaTek kaum: Seine Low-Cost-Chips werden in fast alle Geräte der extrem schnell wachsenden chinesischen Hersteller wie Oppo oder Vivo eingesignt, insgesamt sorgen +29 % Umsatz gegenüber 2015 für einen Sprung auf Platz 11, womit nebenbei bemerkt die ebenfalls überdurchschnittlich wachsende deutsche Nr. 1 Infineon trotz großer Erfolge vor allem im Bereich der Leistungselektronik auf Platz 12 zurückfällt. Ein schnell wachsender Consumer-Markt generiert eben doch ganz andere Stückzahlen, als ein Industrie- und Automotive-Markt.

NVIDIA, ebenfalls aus der Consumer-Elektronik kommend, wächst laut ICInsights dank seiner erfolgreichen Tegra-Chips sogar um 35 %, wobei hier allerdings das Geschäft in Rechenzentren um 193 % zulegt und im Automobil um 61 %. Das Produkt ist allerdings ebenfalls wie bei MediaTek ein Hochleistungs-SoC mit hochperformanten CPUs und GPUs auf einem Chip.

Auch Apple mit seinen AX-Prozessoren für iPhones und iPads kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken, zumindest als fabless Halbleiterhersteller. Plus 17 % Umsatz sorgen für einen Sprung um gleich 3 Plätze auf Rank 14.

Natürlich stellt sich dabei die Frage, warum ein Qualcomm mit seinen Sanpdragon-SoCs nicht an diesem Wachstum partizipieren konnte. Wenn nach Apple und Samsung jetzt auch noch Huawei (die Top-Smartphone-Hersteller seitens der verkauften Geräte) seine eigenen SoCs auf Basis einer ARMv8-Architekturlizenz baut, werden die Märkte für die Kalifornier nicht größer, ganz im Gegenteil. Huaweis Halbleiter-Tochter HiSilicon, welche die SoCs entwickelt, ist mit rund 3,7 Mrd. Dollar Jahresumsatz schon auf Platz 22 der Chip-Hersteller vorgerückt.

Was gibt es neben den SoCs?

Auch Toshiba (+16 %) und der taiwanische Auftragsfertiger TSMC (+11 %) dürfen Silvester auf ein erfolgreiches Jahr anstoßen. Marktführer und Chipgigant Intel sorgt bekanntlich intern für viel Bewegung: Das Mobilgeschäft wird beendet, neue Geschäftsbereiche aufgemacht, bei einem “normalen” Unternehmen brechen bei solch einem Umbau erst mal die Umsätze ein. Nicht so Intel: Mit +8% Umsatz wuchsen die Kalifornier fast 3x mehr als der Gesamtmarkt, dem Cloud-Computing und den hochpreisigen Server-Prozessoren sowie der Akquisition von Altera sei Dank.

Bei den Server-Chips hat Intel nicht erst seit gestern eine Monopolstellung. Nachdem ich schon 2012 erstmal in Zweifel gezogen hatte, ob AMD nochmals auf die Beine wird kommen können, endet auch 2016 bitter: Mit nur 4,2 Mrd. Dollar Umsatz ist man in den Top-20 auch 2016 nicht vertreten, bezogen auf Intel erwirtschaftet AMD gerade noch 7,5 % des Marktführer-Umsatzes – noch weniger als 2015. Immerhin ist der Umsatz gegenüber 2015 leicht gestiegen (4,0 Mrd. Dollar).

Was das Auftragsfertiger-Geschäft angeht, kann GlobalFoundries der Nr.1 TSMC nicht folgen: Mit -11 % Umsatz gehören die Amerikaner mit Fab in Dresden (trotz des Zukaufs von Teilen des IBM-Geschäftes) klar zu den Verlierern, ein Absturz von Platz 15 auf 18 ist die Folge. Auch die Speicherhersteller SKHynix und Micron müssen dank dem üblichen Preisverfall bei Commodity-Speichern Federn lassen (-15 bzw. -11 % Umsatz) und NXP verliert laut ICInsights nach dem Kauf von Freescale gleich 1 Mrd. Umsatz im Vergleich zu den letzten Umsätzen der Einzelfirmen – eine ernüchternde Erkenntnis nach dem ganzen Optimismus direkt nach dem Kauf. Platz 10 (nach 9 in 2015) ist die Folge.

Infineon ist 2016 die klare Nr. 1 in Europa (nachdem Qualcomm NXP gekauft hat, zähle ich die Ex-Holländer bereits als Kalifornier) und hat den 2015 noch minimalen Abstand zu ST Microelectronics deutlich vergrößert. Dabei hat eigentlich auch ST Grund zur Freude: Nach Jahren des Schrumpfens steht wenigstens 1 % Wachstum zu Buche, freilich immer noch unter dem Gesamtmarkt.Gleiches gilt für Renesas: Plus 1 % Umsatz wird man in der Konzernzentrale in Tokio nach der jahrelangen Schrumpfkur gerne zu Kenntnis nehmen, so schlecht wie 2016 (Platz 17) hat Renesas allerdings noch nie in den Top-20 dagestanden.

Last but not least zu den beiden Schlußlichtern in den Top-20: Sowohl ON Semiconductor (trotz Akquisition von Fairchild) als auch die 2. große taiwansiche Foundry UMC stagnieren 2016 umsatzmäßig. Das reicht aber immer noch locker, die Plätze 19 und 20 zu verteidigen und damit auch 2016 in den Top-20 vertreten zu sein. Nichtsdestotrotz kann man hier keine großen Glücksgefühle erwarten, zumal bei UMC die finanziellen Möglichkeiten, in neue Prozesstechnologien zu investieren, gegenüber TSMC extrem limitiert sind. Das Szenario TSMC/UMC erinnert ein wenig an Intel/AMD – der “Große” erzielt jeweils am High-End die Margen, welche der “Kleine” dringend bräuchte, um eine Chance zu haben, die technologische Lücke zum “Großen” zu schließen. Da dies nicht eintritt, braucht man wenig Phantasie, um auch in den nächsten Jahren die Marktführer vorauszusagen.