Klage bei x86-Emulation angekündigt Intels Chefsyndikus warnt Qualcomm

Entwicklung der Anzahl von Patenten im Kontext der x86-Mikroarchitektur. Quelle: Intel.
Entwicklung der Anzahl von Patenten im Kontext der x86-Mikroarchitektur. Quelle: Intel.

Der weltgrößte Halbleiterhersteller und Erfinder der x86-Prozessor-Mikroarchitektur Intel hat „Wettbewerber“ vor einer Emulation des x86-ISA gewarnt und rechtliche Schritte wegen möglicher Patentverletzungen angekündigt. Gemeint ist natürlich ganz genau eine Firma: Qualcomm.

Ende Mai hatte Qualcomm auf der Messe Computex in Taipeh angekündigt, daß mindestens drei PC-Hersteller, nämlich Asus, Hewlett Packard und Lenovo Geräte mit Snapdragon-835 herausbringen werden.

Vor einiger Zeit gab es ein Gerücht darüber, dass Microsoft an einem Emulator arbeitet, der es erlaubt, eine 32-Bit-Version von Windows 10 auf einem ARM-Prozessor lauffähig zu machen. Während der WinHEC in China hat Microsoft diese Gerüchte nicht nur bestätigt, sondern diesen Emulator auch gleich vorgeführt. Es sollen nicht nur einfache Apps funktionieren, sondern auch sehr umfangreiche Programme. Um das zu belegen, führte Microsoft bei der Präsentation nicht nur eigene Office-Programme vor, sondern ließ über den Emulator auch die unveränderte Desktop-Version von Adobe Photoshop laufen. Sogar das Windows-10-Spiel „World of Tanks“ läuft über die Emulation und das zumindest in der gezeigten Szene sehr flüssig. Normalerweise haben Emulatoren gerade bei der Umsetzung von schneller Grafik Probleme, doch das scheint bei der Windows-10-Emulation nicht der Fall zu sein.

Der Vorteil des Snapdragon-835 liegt natürlich in dem integrierten X16-LTE-Modem mit Gbit-Datenrate sowie den vergleichsweise energieeffizienten CPU-Cores Cortex-A73 und der starken GPU Adreno-540. Im Ergebnis wollen die drei genannten PC-Hersteller ultraflache und lüfterlose Notebooks mit Windows 10 noch in diesem Jahr herausbringen.

Qualcomm attackiert Intels Kern-Territorium

Nachdem Intel beim Thema Mobilgeräte bereits die Segel gestrichen hat, muß sich der Chipriese nun sozusagen auf seinem Heimatterritorium verteidigen. Wie dies geschehen wird, haben Chefsyndikus und VP Steven Rodgers sowie Richard A. Uhlig, ein Intel Fellow in den Intel Labs und Direktor der System- und Software-Forschung schon einmal dargelegt.

In Bild 1 sind die Anzahl der Patente im Zusammenhang mit dem x86-ISA dargestellt. Derzeit sind es über 1.600 Patente. Rodgers und Uhlig haben dann die Firmen veröffentlicht, gegen die Intel im Kontext mit diesen Patentverletzungen bereits erfolgreich geklagt hatte:  United Microelectronics Corporation (UMC, Foundry in Taiwan), Advanced Micro Devices (AMD), Cyrix Corporation, Chips and Technologies, Via Technologies und zuletzt und mit den bittersten Auswirkungen Transmeta Corporation. Transmeta hatte versucht, per Emulation einen x86-Prozessor nachzubauen, Intel klagte wegen Verletzung von Patenten bzgl. der SIMD-Vektorinstruktionen. Im Ergebnis beendete Transmeta das Prozessorgeschäft nach 10 Jahren ohne jemals Erfolg gehabt zu haben.

Der Abschluß klingt zunächst versöhnlich: Laut Intel waren in den letzten Jahren keine Klagen mehr notwendig, weil sich der Wettbewerb an Intels IP-Rechte gehalten hätten. Die Warnung (an Qualcomm) folgt jedoch auf dem Fuße: Man erwarte auch zukünftig eine „Respektierung von Intels IP-Rechten“, erst dieser „starke Schutz“ ermögliche weitere Investitionen um das x86-ISA weiterentwickeln zu können.

Qualcomms Antwort auf Intels mehr oder weniger deutliche Warnung war ein allgemeines Statement mit geringer Aussagekraft: Man fände Intels Ausführungen „ sehr interessant“, der „PC auf Basis der Snapdragon-835-Plattform ermögliche es, mit einer Batterieladung einen ganzen Tag zu arbeiten“  und würde „die Zukunft des Personal-Computings verändern“.

Sollten Qualcomm und seine Kunden Asus, Hewlett Packard und Lenovo mit den Snapdragon-835-Geräten erfolgreich sein, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, wann sich die beiden Kalifornier vor Gericht treffen. Für Intel geht es dabei nicht um Peanuts, sondern eines der wichtigsten Standbeine seines Prozessor-Geschäftes.  Die Toleranzschwelle bei x86-Patentverletzungen dürfte daher gleich Null sein.