3. Quartal bringt Rekorderlöse Infineon wächst weiter

Dr. Reinhard Ploss (Infineon): Dank seiner sachlichen Kommunikation und Fachkompetenz hat sich Ploss nach unserer Einschätzung zum DAX-CEO-Liebling von Bundeskanzlerin und Physikerin Angela Merkel entwickelt und sitzt bei allen deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen mit am Tisch. Infineons Leistungselektronik-Palette passt nach dem Kauf von International Rectifier zudem perfekt zu den Zielen in Chinas neuestem 5-Jahresplan – Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Man braucht kein Prophet zu sein, um Infineon weiterhin wachsende Umsätze im Reich der Mitte vorherzusagen.

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon konnte im abgelaufenen 3. Quartal seines Geschäftsjahres 2017 Wachstum bei Umsatz und Gewinn verbuchen. Dabei konnten erstmalig in einem 3. Quartal alle Geschäftsbereiche im Vergleich zum Vorjahr zulegen.

Mit 1,831 Mrd. Euro Umsatz konnten die Neubiberger das Ergebnis im Vergleich zum Vorquartal zwar nur um 4 % steigern, im Vergleich zum identischen Vorjahresquartal wuchs der Chip-Hersteller jedoch um 12 %, was umso bemerkenswerter ist, als dass relevante Mitbewerber im Vergleich zum Vorjahr Umsatzrückgänge zu verzeichnen hatten.

Der Gewinn stieg gegenüber dem letzten Quartal von 229 auf 298 Mio. Euro, was einem Anstieg von 30,13 % entspricht. Die sogenannte Segmentergebnis-Marge stieg von 15,6 % in Q3 2016 auf 18,5 %.

Der Bereich Automotive erzielte 766 Mio. Euro Umsatz (+13 % gegenüber Q3 2016). Industrial Power Control steigerte sich von 280 auf 321 Mio. Euro Umsatz (+15 %), während Power-Management&Multimarket 10 % gewann und jetzt 557 Mio. Euro Umsatz generierte. ChipCard & Security wuchs um 7 % auf 185 Mio. Euro.

Die regionale Verteilung des Umsatzes erklärt Infineons Erfolg. Während in Europa nur noch 33 % des Umsatzes erzielt wird (davon in Deutschland 16 %), kommt Asien auf 48 %, davon alleine 24 % in China. In China wird somit mittlerweile 50 % mehr Umsatz generiert als in Deutschland, zu Zeiten von Siemens Halbleiter ein seinerzeit undenkbares Szenario. Die Verkaufsanteile in Japan (7 %) und Amerika (12 %) sind seit langer Zeit nahezu konstant. Der Bereich Automotive profitiert von der steigenden Nachfrage nach Hybrid- und Elektrofahrzeugen in Asien (hohe Nachfrage nach Infienons IGBTs, wo Design-Wins über 1,5 Mrd. Module zu Buche stehen), Power Management u.a. von der stiegenden Nachfrage nach Handys in diesen Märkten (neben Gleich- und Wechselspannungswandlern). Ebenso wird in China eine signifikante Ladeinfrastruktur für E-Autos aufgebaut. Industrial Power Control konnte mit seinen Leistungshalbleitern von stiegender Nachfrage nach Photovoltaik, Windenergie als auch Zügen und unterbrechungsfreien Stromversorgungen profitieren. Insbesondere die neuen SiC-MOSFETs sind sehr erfolgreich, z.B. in Wechselrichter-Anwendungen. Wer den Plan der chinesischen Regierung „China 2025“.(hinter der Abkürzung versteckt sich Chinas Masterplan für die industrielle Modernisierung des Landes) gelesen hat – bis 2025 soll der Anteil chinesischer Hersteller an fortschrittlicher Produktionstechnik und wichtigen Werkstoffen auf dem einheimischen Markt auf 70 Prozent ansteigen – kann Infineon dank der “Umsetzungsstärke” in diesem Land im Grunde genommen nur noch bessere Zeiten prognostizieren.

Auch was die Anzahl der Mitarbeiter angeht, hat Infineon einen weiteren Meilenstein überschritten: Mit 37.129 Angestellten wurde Ende Juni 2017 erstmals die Marke von 37.000 überschritten, davon arbeiten 6.205 Personen in Forschung & Entwicklung.

Die Investitionen in Forschung&Entwicklung mit 10,6 % vom Umsatz liegen auf den ersten Blick deutlich hinter den Werten anderer Halbleiterhersteller. CFO Dominik Asam hatte hierzu bereits 2016 erklärt, daß die Aktivierungspflicht eines Teils der F&E-Kosten einen “Apfel-mit-Apfel-Vergleich” mit den nach US-GAAP bilanzierenden Wettbewerbern erschwere. Ohne die Aktivierungspflicht würde Infineon laut Asam rund 15 % des Umsatzes in Forschung&Entwicklung investieren. CEO Dr. Ploss ergänzte, daß man durch verschiedene Optimierungsprogramme nochmals effizienter in der Entwicklung geworden ist, daß man hier keine Abstriche machen wird.

Aktie gewinnt

Infineons Aktie konnte diesmal von den guten Zahlen profitieren, sie gewann über 1,5% gegenüber dem Vortag.

Für das gesamte Geschäftsjahr erwartet CEO Dr. Ploss einen um 8-11 Prozent höheren Umsatz gegenüber dem Vorjahr, und das trotz des schwächeren Dollars (1,15 Dollar/Euro statt bisher 1,1 Dollar/Euro).