Fast 6 Mrd. Umsatz und 11 Prozent Umsatzrendite Infineon straft Analysten Lügen

Der Infineon-Vorstand präsentierte erfolgreiche Zahlen.
Der Infineon-Vorstand präsentierte erfolgreiche Zahlen.

Noch vor Tagen stürzte Infineons Aktienkurs ab, weil Analysten »Bedenken« hinsichtlich der Jahresbilanz hatten. Heute wurden die Zahlen präsentiert und diese geben wenig Anlass zu Pessimismus.

Nach der erfolgreichen Integration von International Rectifier stieg Infineons Umsatz im am 30.9.2015 abgelaufenen Geschäftsjahr um 34 % auf 5,795 Mrd. Euro, das sogenannte Segmentergebnis (Gewinn ohne Berücksichtigung von Grichtskosten, Verkäufe von Vermögenswerten u.v.m.) auf 897 Mio. Euro, d.h. 15,5 % vom Umsatz. Der Netto-Gewinn stieg von 535 auf 634 Mio. Euro, d.h. die Umsatzrendite kletterte auf fast 11 %. CEO Dr. Reinhard Ploss zeigte sich daher mit dem Verlauf des abgelaufenen Geschäftsjahres sehr zufrieden.

Mit dem Wachstum von 20 % im Automotive-Geschäft auf 2,351 Mrd. Euro konnte im Kalenderjahr sogar der bisherige Marktführer Renesas überholt werden. Im Juli 2015 wurde der zehnmillionste Radarchip verkauft, in den nächsten 12 Monaten sollen weitere 10 Mio. Radarchips verkauft werden.

Der Bereich Industrial Power Control erzielte 971 Mio. Umsatz, 24 % mehr als im Vorjahr. Hier trugen die Käufe von IRF aber auch von LS Power Semitech bei, letzteres ist eine koreanische Firma, die Infineon den Zugang zum für Haushaltsgeräte wichtigen koreanischen Markt erleichterte.

Der Geschäftsbereich Power Management und Multimarket wuchs gleich um 69 % von 1,061 Mrd. auf 1,794 Mrd. Euro. Dies ist wenig verwunderlich, da alleine 70 % des Umsatzes von IRF in dieses Segment einfließt. Aber auch die Einführung von LTE der 4. Generation in China erzeugte eine hohe Nachfrage nach Leistungstransistoren für Basisstationen. Dazu kommen Stromversorgungen für den wachsenden Server-Markt im Bereich Cloud-Computing.

Der Geschäftsbereich Chip Card & Security wuchs rein organisch um 35 % auf 666 Mio. Euro. Alleine 50 % Zuwachs gab es bei Bezahlkarten, dazu gab es Design-Wins für Sicherheitschips bei Samsungs Glaxy S6 und S6 Edge. Dieses Wachstum wäre laut Ploss ohne Outsourcing der Fertigung nicht zu stemmen gewesen, da die eigenen Kapazitäten nicht gereicht hätten.

Ploss: Integration von International Rectifier gelungen

Erste Erfolge bezüglich Skaleneffekten sieht Ploss beim Einkauf, beim Vertrieb und bei der Forschung und Entwicklung.

Mithilfe der 300mm Dünnwafer-Fertigung werden eine Reihe von International Rectifier-Produkten zu niedrigeren Kosten produziert. Mittelfristig wird das die Auslastung der 300mm-Standorte erhöhen.

Bei der Zukunftstechnologie Galliumnitrid sieht man besonderen Wert bezüglich der Kompetenz für die Erzeugung von einkristallinen Galliumnitrid-Schichten auf Silizium-Wafern. Durch diese neue Expertise in Kombination mit dem Infineon-Portfolio und der Partnerschaft mit Panasonic hat man sich laut Ploss als Technologieführer positioniert.

Last but not least kommt eine stärkere Präsenz in Regionen und bei Distributoren zur Geltung: In Asien hat Infineon durch die Akquisition die Position gestärkt, auch in den USA erreicht man noch mehr wichtige Kunden, beispielsweise Technologiekonzerne im Silicon Valley und Unternehmen der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Zudem wurde der Zugang zu Distributoren verbessert. Infineon hatte bisher sehr viel Geschäft mit Großkunden gemacht. Hier profitiert man von flexiblen Geschäftsmodellen, die bei International Rectifier üblich waren.

Im abgelaufenen Quartal konnte IRF auf eine Rendite von 15 % gehoben werden, nachdem vor dem Kauf 7-8 % Rendite erzielt wurden. Damit wurde das Renditeziel von 2017 viel früher als erwartet erreicht.

China neue Nr. 1

Mit 53 % Umsatzanteil in Asien (davon 7 % Japan, aber 23 % in China) wurde erstmal über die Hälfte des Gesamtumsatzes in dieser Region erzielt. Deutschland steht nach 20 % im Vorjahr nur noch für 16 % des Umsatzes, Europa insgesamt nach 39 % nur noch für 35 %. In den USA wuchs der Anteil dank des IRF-Kaufes von 8 auf 10 %.

Mit 35.424 Mitarbeitern konnte man erstmals zum Ende eines Geschäftsjahres mehr als 30.000 Mitarbeiter vermelden, am 30.9.2014 waren es 29.807. Die neuen Mitarbeiter wurden dabei primär in Asien eingestellt, in Summe arbeiten damit jetzt 5.778 Mitarbeiter in Forschung & Entwicklung. Hierein investierte Infineon im abgelaufen Geschäftsjahr 717 Mio. Euro, das sind knapp 12,4 %. Während bei IRF durch die Integration diverse Stellen abgebaut wurden, wurde in anderen Bereichen z.B. bei der 300-mm-Dünnschicht-Fertigung eingestellt.

Die Fab in Dresden bezeichnete Ploss als "Industrie-4.0.-kompatibel", so dass eine höhere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber asiatischen Mitarbeitern erzielt werden konnte.

Weitere Zukäufe?

CFO Dominik Asam erklärte, dass man ohne Kapitalerhöhung bis zu 2 Mrd. Euro verkraften könnte, bei der Kapitalerhöhung müsse ein Mehrwert für den Aktionär ersichtlich sein. Klar ist damit, dass die gerüchteweise in diversen Medien andiskutierte Akquisition von Renesas "einfach so" nicht zu stemmen wäre, allerdings erzielte Renesas nach dem "Gesundschrumpfen" im 2. Quartal seines aktuellen Geschäftsjahres eine Umsatzrendite von 15,15 % - also höher als bei Infineon. Ein Mehrwert für den Aktionär wäre somit sicher vermittelbar.

Nachdem Infineon als mögliches Kaufziel genannt wurde, erteilte Ploss möglichen Zukäufen nur, um potentielle Angreifer abzuwehren, eine Absage. "Es muss strategisch passen, sonst mache ich gar nichts", sagte Ploss.