Geschäftsjahr 2017 Infineon mit Umsatz- und Gewinnwachstum

Infineons CEO Dr. Reinhard Ploss erläutert das Ergebnis des Geschäftsjahres 2017.
Infineons CEO Dr. Reinhard Ploss erläutert das Ergebnis des Geschäftsjahres 2017.

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon kann auf ein erfreuliches Geschäftsjahr 2017 zurückblicken. Sowohl Umsatz als auch Gewinn stiegen, dazu arbeiten jetzt mehr als 37.000 Mitarbeiter für den Chip-Hersteller.

Infineon konnte seinen Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2017 auf 7,06 Mrd. Euro steigern, fast 600 Mio. oder 9 % mehr als im Vorjahr. Der Gewinn stieg von 760 auf 790 Mio. Euro an. 

Betrachtet man die Umsatzentwicklung der Geschäftsfelder Automotive (ATV), Industrial Power Control (IPC), Power Management und Multimarket (PMM) und Chip Card & Security (CSS), ergab sich kein einheitliches Bild.

ATV konnte um 13 % auf 2,99 Mrd. Euro Umsatz zulegen, IPC ebenfalls um 13 % auf 1,2 Mrd. Euro, PMM um 5 % auf 2,15 Mrd. Euro sowie CSS um 1 % auf 708 Mio. Euro Umsatz.

Insgesamt steht die Leistungselektronik mittlerweile für 60 % von Infineons Gesamtumsatz. Mit einem Marktanteil von 18,5 % bei den Leistungsmodulen und diskreten Leistungshalbleitern liegt man Welten vor der Nr. 2, ON Semiconductor, das auf 9,2 % kommt und der Nr. 3 ST Microelectronics mit 5,3 % Marktanteil.

Im Bereich Automotive konnte Infineon, getrieben von der überlegenen Stellung im Bereich Automotive-Leistungselektronik mit einem Marktanteil von 25,6 %, mit 10,7 % Marktanteil (10,4 % im Vorjahr) Platz 2 hinter NXP (14 %) verteidigen, die Nr. 3 Renesas kommt nur auf 9,8 %. Während bei der Sensorik Platz 2 mit 12,5 % Marktanteil hinter Marktführer Bosch mit 16,3 % zu Buche steht (+0,6 % Marktanteil), treten die Automotive Mikrocontroller mit 8,7 % Marktanteil und Platz 4 hinter Renesas, NXP und Texas Instruments mehr oder weniger auf der Stelle. 

Im Gegensatz zum Vorjahr stellte sich bis auf den Geschäftsbereich CSS auch die Entwicklung der Gewinnmargen erfreulich dar.  Die sogenannten Segmentergebnisse (also das Betriebsergebnis in den einzelnen Geschäftsbereichen ohne diverse Kosten wie Gerichtskosten, Wertminderungen von Vermögenswerten, Beteiligungen an Tochtergesellschaften u.v.m.) stiegen wie folgt: ATV erzielte mit 474 Mio. Euro 31 % mehr als im Vorjahr, IPC mit 183 Mio. Euro sogar 38 %  mehr als 2016, PMM mit 427 Mio. Euro 21 % mehr, lediglich CSS verlor 8 % auf 124 Mio. Euro.

In Forschung & Entwicklung investierte Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr 776 Mio. Euro, was nur 6 Mio. Euro mehr als im Vorjahr sind und nur noch 11 % des Umsatzes darstellt. Es gab noch Zeiten, wo 13 % des Umsatzes in F&E reinvestiert wurde.

Einen Verlust von 13 Mio. Euro erfuhr die Bilanz im Kontext des Verkaufes der ehemaligen International-Rectifier-Fab in Newport, Wales, welche bekanntlich im September 2017 an die Firma Neptune 6 Ltd. verkauft wurde.

Asien baut Führung aus

Interessant ist ein Blick auf die regionale Umsatzverteilung: Mit insgesamt 56 % (25 % China, 7 % Japan, 24 % restliches Asien) wurde Europa (zusammen mit Afrika und nahem Osten 32 %, davon 15 % Deutschland) einmal mehr abgehängt. 2012 lag der Umsatzanteil in Deutschland noch bei 23 %. China steht dagegen nunmehr alleine für ein Viertel des Umsatzes von Infineon, ein Ergebnis u.a. aus der “Umsetzungsstärke” des Landes in den Bereichen erneuerbare Energien und Elektromobilität.

Neue PV- und Windkraftanlagen in China, die bekanntlich von Regierungsmaßnahmen unterstützt werden, führte für den Bereich IPC zu guten Geschäften. Alleine im Bereich PV wurden 2017 neue Solaranlagen mit einer Leistung von mehr als 40 GW installiert, zum Vergleich: 1 Atomkraftwerk durchschnittlicher Größe liefert gerade mal 1 GW.

Kerngesund sieht nachwievor die Konzernbilanz aus, im Vergleich zu 2017 hat sich Infineons Finanzlage sogar noch verbessert. Vermögenswerten in Höhe von 9,945 Mrd. Euro (inklusive 860 Mio. Euro Geldmittel, 1,592 Mrd. Euro Finanzinvestitionen und 2,659 Mrd. Euro für Anlagen und Gebäuden) stehen nur Verbindlichkeiten in Höhe von 4,309 Mrd. Euro gegenüber. Damit ergibt sich ein Eigenkapital in Höhe von 5,636 Mrd. Euro, rund 600 Mio. Euro mehr als noch im Vorjahr.

Mit 37.479 Mitarbeitern zum Ende des Geschäftsjahres bewegt sich Infineon weiterhin auf die 40.000-MA-Marke zu und wuchs in 12 Monaten um 1.180 Mitarbeiter (davon 483 in Deutschland), davon arbeiten 6.362 in Forschung und Entwicklung.

Der Vorstand hat eine Dividendenausschüttung in Höhe von 0,25 Euro pro Aktie vorgeschlagen - was 9 Cent oder 14 % mehr als im Vorjahr bedeutet. Für das am 1. Oktober begonnene Geschäftsjahr 2018 erwartet Infineon einen weiteren Umsatzanstieg um 9 %, der natürlich von der Entwicklung des Wechselkurses Euro/Dollar abhängt (Annahme hierfür 1,15). Dabei wird laut CEO Dr. Ploss überdurchschnittlich wachsen, während IPC und PMM unterdurchschnittlich wachsen werden. Die Fertigung insbesondere auf 300-mm-Dünnschicht-Wafern in Dresden soll schneller ausgebaut werden, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Insgesamt sollen 2018 zwischen 1,1 und 1,2 Mrd. investiert werden.

Langfristig sieht Infineon insbesondere durch Wachstum im Automobil-Bereich gute Aussichten. EIne Präsentation des Bereiches “Investor Relation” zeigt das Wachstum von Halbleitern im Automobil getrieben durch Elektrifizierung und autonomes Fahren bis zum Jahr 2030 recht detailliert auf.