Erfolgreiches erstes Quartal Halbleiterhersteller Infineon wächst weiter

Dr. Reinhard Ploss (Infineon): Dank seiner sachlichen Kommunikation und Fachkompetenz hat sich Ploss nach unserer Einschätzung zum DAX-CEO-Liebling von Bundeskanzlerin und Physikerin Angela Merkel entwickelt und sitzt bei allen deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen mit am Tisch. Infineons Leistungselektronik-Palette passt nach dem Kauf von International Rectifier zudem perfekt zu den Zielen in Chinas neuestem 5-Jahresplan – Energieeffizienz, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Man braucht kein Prophet zu sein, um Infineon weiterhin wachsende Umsätze im Reich der Mitte vorherzusagen.
CEO Dr. Reinhard Ploss hat weiterhin gut lachen: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2017 gab es gegenüber dem Vorjahr erneutes Wachstum.

Der Chip-Hersteller Infineon konnte im 1. Quartal seines Geschäftsjahres 2017 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum ein Umsatzwachstum von 6 Prozent verbuchen. Auch der Gewinn stieg an, dazu arbeiten jetzt fast 36.500 Menschen für Infineon.

Mit 1,645 Mrd. Euro Umsatz konnte der Vorjahreswert von 1.556 Mio. Euro um 6 % übertroffen werden. Der Gewinn stieg von 152 auf 161 Mio. Euro an.

Der Geschäftsbereich Automotive wuchs von 614 auf 705 Mio. Euro und konnte seinen Gewinn um gleich 58 % von 58 auf 114 Mio. Euro vergrößern. Ursächlich war neben der weiterhin guten Nachfrage nach Fahrerassistenzsystemen auch der Markt für Elektro- und insbesondere Hybridfahrzeugen, in denen ja bekanntlich der höchste Wert an Halbleitern aller Fahrzeugarten verbaut wird. In China wurden 2016 507.000 Elektroautos incl. Hybrids verkauf, 200.000 mehr als im Vorjahr.

Der Geschäftsbereich Industrial Power Control legte um 6 % beim Umsatz (von 249 auf 264 Mio. Euro) zu, musste jedoch bei der Profitabilität Federn lassen: Statt 25 stehen beim Ergebnis nur noch 24 Mio. Euro zu Buche, was die Marge unter 10 % gedrückt hat. Ursächlich sind Rückgänge bei elektrischen Antrieben und PV-Anlagen.

Chip-Card und Security stagnierte bei 174 Mio. Euro Umsatz (gegenüber 175 Mio. in Q1 2016) und musste ebenfalls einen Gewinnrückgang von 35 auf 29 Mio. Euro hinnehmen.

Der Geschäftsberiech Power Management musste einen leichten Umsatzrückgang von 508 auf 497 Mio. Euro und einen gewinnrückgang von 86 auf 81 Mio. Euro hinnehmen. Hier litt Infineon unter einem Rückgang der Nachfrage für Smartphones.

Mit 36.447 Mitarbeitern hat Infineon gegenüber dem gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr nochmal fast 1.000 Mitarbeiter mehr, in Forschung und Entwicklung arbeiten davon 6.104.

Schaut man sich die regionale Umsatzverteilung an, stellt man fest, daß erstmals seit längerer Zeit nicht alleine China das Umsatzwachstum getrieben hat. Dort konnte Infineon mit 408 Mio. Euro “nur” 12 Mio, Euro mehr einnehmen als 1 Jahr zuvor, dafür stiegen die Umsätze in den restlichen Staaten des Raumes Asien-Pazifik von 366 auf 407 Mio. Euro. Damit steht die Region Asien-Pazifik, in der Japan nicht inkludiert ist, jetzt für 50 % von Infineons Gesamtumsatz. Außerhalb Chinas nannte Vorstandsvorsitzender Dr. Ploss u.a. in Korea wachsender Umsatz mit dem Autohersteller Hyundai, mit dem der Zusammenarbeitsvertrag verlängert werden konnte.

Die zweite Wachstumsregion war Amerika, wo der Umsatz um 30 Mio. gegenüber Q1 2016 anstieg, davon alleine 24 Mio. in den USA. Insgesamt wurden mit 218 Mio. Euro 13 % des Gesamtumsatzes erzielt.

Das Geschäft in Europa wuchs um 16 Mio. Euro auf 506 Mio. Euro, in Deutschland steht jedoch ein Rückgang von 234 auf 232 Mio. Euro zu Buche, was 14 % des Gesamtumsatzes ausmacht – der geringste Umsatzanteil in Deutschland, der jemals in einem 1. Quartal vom Unternehmen verzeichnet wurde. 2002 betrug der Umsatzanteil in Deutschland noch 30 %, in Europa gesamt 52 %. Für den Rückgang in Deutschland ist laut CEO Dr. Ploss ein schwächelnder Markt in der Automatisierungstechnik und in geringerem Umfang das Chipkartengeschäft verantwortlich.

Kein Trump-Problem in den USA

Gefragt nach etwaigen Auswirkungen auf Infineons USA-Geschäft durch protektionistische Maßnahmen von US-Präsident Trump erklärte Ploss, daß er keine signifikanten Veränderungen bei den Kunden spüre, auch die Zusammenarbeit mit den US-Automobilherstellern laufe normal. Lediglich zwei US-Mitarbeiter seien “in weiser Voraussicht” nicht in den Flieger gestiegen, auch hier erwartet Ploss allerdings wieder eine Normalisierung.