Neues von der Übernahmefront Ex-CEO Jacobs will Qualcomm kaufen und fliegt aus Aufsichtsrat

Qualcomms Dr. Paul Jacobs, hier mit DESIGN&ELEKTRONIK-Chefredakteur Frank Riemenshcneider in Qualcomms Firmenzentrale in San Diego, will den Chiphersteller von der Börse nehmen.
Qualcomms Dr. Paul Jacobs, hier mit DESIGN&ELEKTRONIK-Chefredakteur Frank Riemenshcneider in Qualcomms Firmenzentrale in San Diego, will den Chiphersteller von der Börse nehmen.

Paul Jacobs, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Qualcomm, hat sich an mehrere Investoren gewandt, um den von seinem Vater Irwin gegründeten Chiphersteller zu erwerben. Es wäre der größte Buy-Out in der Halbleitergeschichte. Als Konsequenz wurde Jacbos aus dem Aufsichtsrat geworfen.

Jacobs hat den Vorstand von Qualcomm bereits über seine Pläne informiert (siehe Statement im O-Ton) und sich unter anderem an die japanische SoftBank-Gruppe gewandt, um einer der Investoren zu werden. Ein Buyout von Qualcomm mit einer Marktkapitalisierung von 88,7 Milliarden US-Dollar wäre einer der größten in der Geschichte überhaupt und der größte in der Halbleiterbranche.

Als Konsequenz muss Jacobs, der Qualcomm von 2005 bis 2014 führte, den Aufsichtsrat verlassen. Er wollte dort bleiben, hat aber eine Abstimmung unter den Mitgliedern verloren. Qualcomm teilte mit, dass Jacobs bei der anstehenden Hauptversammlung nicht mehr nominiert wird (siehe Statement im O-Ton).

Der Versuch, den Handy-Chiphersteller zu privatisieren, könnte ein letzter Versuch sein, den Einfluss der Jacobs-Familie auf das von ihr gegründete Unternehmen aus San Diego zu bewahren und mehr Zeit für das aktuelle Managementteam und seine Strategie zu gewinnen, welche die Unterstützung der Aktionäre offensichtlich mehrheitlich verloren hat.

US-Präsident Donald Trump blockierte das Angebot von Broadcom für Qualcomm in Höhe von 117 Milliarden US-Dollar. Die Kombination würde zu geringeren Ausgaben für Forschung und Entwicklung führen, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der USA und die nationale Sicherheit beeinträchtigen würde, so Trump in seiner Präsidialorder.

Als Vorsitzender des Aufsichtsrates widersprach Jacobs dem Angebot von Broadcom, ebenso wie der Rest des derzeitigen Vorstands von Qualcomm. Bevor der Deal zum Erliegen kam, war der Versuch von Broadcom, mehrere Aufsichtsräte abzulösen, auf einem erfolgreichen Weg, was für viele der Vorstandsmitglieder von Qualcomm ein Verlust an Investorenunterstützung bedeutete, darunter CEO Steve Mollenkopf und Jacobs, der schon damals vom Vorsitzenden zum einfachen Aufsichtsratsmitglied degradiert wurde.

Ob Softbank ein Angebot von Jacobs unterstützen wird, ist zweifelhaft, da es unter anderem riskieren würde, Softbanks eigenen Chip-Designer ARM Holdings zu untergraben und die Bilanz des japanischen Unternehmens mit noch mehr Schulden zu belasten. Laut Daten von Bloomberg besitzt Jacobs weniger als 1 Prozent an Qualcomm. Obwohl der Aktienkurs des Chipherstellers zurückgegangen ist, wird er wahrscheinlich immer noch das Angebot von Broadcom übertreffen müssen - eines, das er öffentlich als zu niedrig abgelehnt hat. Für eine natürliche Person wäre die Einsammlung von zig Milliarden Dollar, die erforderlich sind, um einen Buyout von mehr als 120 Milliarden Dollar zu initiieren, beispiellos, insbesondere wenn er auf US-amerikanische Finanzquellen beschränkt wäre.

Wenn Jacobs schließlich einen solchen Deal anstrebt, wäre der Vorstand unter treuhänderischer Verantwortung, andere mögliche Käufer zu prüfen und das Unternehmen im Wesentlichen direkt nach dem Entkommen von Broadcom wieder auf den Markt zu bringen.

Dennoch kann die private Übernahme des Unternehmens dazu beitragen, eines der größten Probleme des aktuellen Managementteams zu lösen. Qualcomm ist einzigartig in der Chip-Industrie, indem es den größten Teil seines Gewinns aus Technologie-Lizenzen zieht. Diese Goldmine - die letztes Jahr einen Umsatz von mehr als 6 Milliarden Dollar hatte - wurde durch Regulierungen und Geldstrafen untergraben. Apple verklagte Qzualcomm und hörte auf, Lizenzgebühren zu zahlen, rund 2 Milliarden Dollar pro Jahr fehlen in Qualcomms Kasse, unabhängig von ausbleibeneden Umätzen, nachdem Apple begann, Intel-LTE-Modem-ICs in seine Geräte zu verbauen.

Das Management von Qualcomm hat argumentiert, dass es vor Gericht gewinnen wird, die Bußgelder rückgängig gemacht werden und der iPhone-Hersteller wieder zahlen wird müssen. Es war jedoch nicht in der Lage zu sagen wann. Das hat Gespräche mit Anlegern belastet, die von einem Aktienkurs frustriert sind, der hinter dem Halbleiter-Markt insgesamt zurückgeblieben ist. Ihr Unmut wurde durch Broadcoms Vorstoß quasi an die Oberfläche gespült.

Broadcom hat den Druck auf Qualcomms Management währenddessen erneut erhöht. Die Aktionäre von Broadcom und Qualcomm haben den Deal unterstützt, sagte der Finanzvorstand von Broadcom, Tom Krause. Qualcomms Board-Kandidaten würden angeblich nur 16 Prozent der abgegebenen Stimmen auf der bevorstehenden Aktionärsversammlung erhalten, auch wenn sie jetzt ohne Gegenkandidaten antreten, erklärte Krause weiter.

Nachdem die CFIUS die nationale Sicherheit schon durch ein Unternehmen bedroht sah, dass im Wesentliche amerikanische Wurzeln hat und von einem US-geprägten Management-Team geführt wird, stellt sich die Frage, wie sie reagieren wird, wenn Jacobs tatsächlich das Geld bei ausländischen Investoren wie Softbank einsammeln könnte. Es wäre in Hohn, wenn nicht auch in diesem Fall die nationale Sicherheit bedroht wäre.