Exklusiv-Interview »Eine IoT-Fabrik sorgt für Null-Fehler-Chips«

Die Philosophie des japanischen Chipherstellers Rohm ist simpel: Qualität und nochmals Qualität. Der DESIGN&ELEKTRONIK erklärte CEO Satoshi Sawamura die Wachstumsstrategie des SiC-Pioniers, die Vorteile einer IoT-Fabrik und warum ihm die SiC-Aktivitäten von Infineon gar nicht ungelegen kommen.

DESIGN&ELEKTRONIK: Im Ver­gleich zu Rohms vorangegangenem Geschäftsjahr 2016 mussten Sie im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2017 einen Umsatz- und Gewinnrückgang hinnehmen. Einige Gründe sind Fehleinschätzungen im Smartphone-Geschäft, weniger LCD-Treiber und schrumpfende Märkte für Kamera- und Business-Equipment. Gibt es noch Hoffnung auf Besserung und welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus dieser Situation für Ihre Produktstrategie?

Satoshi Sawamura: Unser Fokus liegt ja mittlerweile im Automotive- und Indus­triegeschäft, die beide sehr gut wachsen. Das LCD-Treiber-Geschäft haben wir wie das Lighting-Geschäft wegen schlechter Margen und hohem Wettbewerbsdruck freiwillig zurückgefahren. Und bei den Wearables wie der iWatch gibt es immer einen saisonal bedingten Rückgang. Der Smartphone-Markt allerdings hat sich im Ganzen schlechter entwickelt als erwartet, da erwarten wir wieder bessere Geschäfte. Beim Digitalkamera- und Business-Equipmentgeschäft wird die Nachfrage auch zukünftig weiter sinken, da geben wir uns keinen Illusionen hin. Insbesondere der Kameramarkt ist dramatisch eingebrochen, seitdem jedes Smartphone eine Kamera hat.

Ihre Strategie sagt aus, dass Sie in den Feldern Automotive und Industrie einen Umsatzanteil von mehr als 50 % anstreben, um Ihre Abhängigkeit vom Consumergeschäft zu reduzieren. Fürs Ge­schäftsjahr 2017 streben Sie jetzt 42,5 % an nach 39,7 % im Vorjahr 2016 und 38,2 % im Jahr 2015. Wann soll es denn soweit sein mit 50 % und welchen Anteil haben dann Automotive und Industriegeschäft?

Wir erwarten 2 % Wachstum pro Jahr, d. h. wir werden die 50 % im Jahr 2020 erreichen. Automotive wird dann 35 % des Gesamtumsatzes ausmachen und das Industriegeschäft 15 %.

»Für Verkäufe außerhalb Japans spüren wir starken Rückenwind «

Um Rohms Abhängigkeit vom Inlandsmarkt zu reduzieren, streben Sie einen Umsatzanteil von 50 % für Kunden außerhalb Japans an. Doch nach zuletzt 40,2 % im Geschäftsjahr 2016 wird es 2017 wegen der Umsatzeinbußen bei LCD-Treibern und Wearables einen Rückschlag auf 38,5 % geben. Welche Anwendungen sollen denn künftig die Lücke schließen, wann wollen Sie bei 50 % sein und welchen Anteil wird ­Europa dabei haben?

Wir hatten das Jahr 2020 geplant, durch das Zurückfahren des LCD-Treibergeschäftes wird es aber wohl zu Verzögerungen kommen. Das Industrie- und Smartphone-Geschäft außerhalb Japans wächst ebenso wie die weiße Ware in China, wo es durch aktuelle Energieeinsparvorgaben viele neue Märkte gibt. Gleiches gilt für die Smart Meter. Am Ende spüren wir für unsere Verkäufe außerhalb Japans starken Rückenwind. Dass der Umsatzanteil nicht schneller ansteigt, liegt auch daran, dass wir zuletzt im Automotive- und Industriegeschäft in Japan so erfolgreich sind – dies reduziert zwangsläufig den Umsatzanteil außerhalb Japans. Wenn wir die 50 % erreicht haben werden, sehen wir Europa bei 10 % unseres Gesamtumsatzes, China bei 20 %, die USA bei 12 % und den Rest bei 8 %.

Welche Anwendungen treiben Ihr Wachstum im Industriegeschäft und welche Produkte und Technologien helfen Ihnen, in diesen Anwendungen erfolgreich zu sein?

Wir sehen unser Wachstum insbesondere in der Fabrikautomatisierung, in der Infra­struktur etwa bei elektronischen Zählern (Smart Meter), Basisstationen durch die Umrüstung auf 5G und die Umrüstung von Makro- auf Mikrozellen, Solarumrichtern sowie Windgeneratoren. Für alle Anwendungen gilt es, energieeffiziente Chips mit hohem Wirkungsgrad zu liefern.