Kommentar Das Leid der beiden »Bobs«

Linear Technologys Gründer und CTO Bob Dobkin empfing D&E-Chefredakteur Frank Riemenschneider zum Lunch.
Linear Technologys Gründer und CTO Bob Dobkin empfing D&E-Chefredakteur Frank Riemenschneider zum Lunch.

Wie würden Sie sich als Vater oder Mutter eines Kindes fühlen, wenn Ihnen dies gegen Ihren Willen weggenommen wird? Vielleicht nicht ganz so drastisch aber ähnlich dürften gerade die Mitarbeiter des Chip-Herstellers Linear Technology fühlen, mit den Gründern Bob Swanson und Bob Dobkin an der Spitze.

Die Binsenweisheit »Geld regiert die Welt« bekamen kürzlich zwei von mir hochgeschätzte Manager zu spüren: Robert Swanson und Robert Dobkin, ihres Zeichens Gründer der Analogschmiede Linear Technology. Ober-Technokrat Dobkin als CTO und der smarte Businessman Swanson als Vorsitzender des Aufsichtsrats mussten live und in Farbe miterleben, wie – meinen Infos aus den USA zufolge – gegen ihren Willen im Aufsichtsrat fünf »Independent Directors«, dort hingesetzt von den Anteilseignern wie State Farm Investment Management Corp. oder First Eagle Investment Management, beschlossen, ihr »Baby« an Analog Devices zu verkaufen.

Aus Sicht von Bankern ist der Deal nachvollziehbar: Der angebotene Aufschlag auf den Aktienpreis war, wenn man Dollar-Zeichen in den Augen hat, zu verlockend und technologisch sind die Direktoren im Alter zwischen 64 und 79 Jahren sowieso – bitte gestatten Sie mir die Ausdrucksweise – mehr oder weniger planlos. Ich habe große Zweifel, dass Analog Devices von der amerikanischen Ostküste mit seinen 9 (!) Führungsebenen den »Linear Spirit«, der zu innovativsten Produkten und einer langjährigen Umsatzrendite von über 40 % geführt hat, bewahren wird können. Ob die Entwickler-Gurus dieser sehr speziellen Firma mit nur 3 Hierarchieebenen dann noch Lust haben auf Analog/Linear? Headhunter scharren schon mit den Füßen.

Ein Modell könnte die lockere Anbindung wie im Fall Texas Instruments/National Semiconductor sein. Als »Silicon Valley Analog« darf die ehemalige National-Truppe vergleichsweise autark agieren, hier hat TI wohl aus alten Sündenfällen wie der Chipcon-Akquise gelernt. Auch Infineon hat nach dem Kauf von IRF vieles richtig gemacht, um den Amerikanern die Wertschätzung deutlich zu machen. Die beiden »Bobs« Swanson und Dobkin sollen nach meinen Informationen völlig frustriert sein, Swanson wurde seit dem Verkauf im HQ angeblich nur noch selten gesehen, Dobkin will nach eigenem Bekunden versuchen, das beste aus der Situation zu machen. CEO Lothar Maier, für die Abwicklung der »alten« Erfolgsfirma verantwortlich, dürfte alles egal sein: Er hat sich vor Jahren ein Weingut gekauft und wird vermutlich seinen Lebensabend als Winzer verbringen, es sei ihm von Herzen gegönnt.

Klar ist, das im Power-Bereiche schwache Analog Devices wollte Linears „Kronjuwelen“, das Power-Geschäft haben. In diesem Bereich wird der Brand „Linear Technology“ (mit oder ohne Zusatz „an Analog Devices Company“) bestehen bleiben und die langjährigen Power-Manager wie Tony Armstrong werden sich vergleichsweise wenig Sorgen um ihre Zukunft machen müssen. Wie es allerdings bei den Datenwandlern und Mixed-Signal-Produkten aussieht, ist eine ganz andere Frage.

Die Kunden bitten das Linear-Management darum, daß sich im operativen Geschäft bitte nichts ändern möge – innovative Produkte, ein excellenter Support bis hinunter zum Chip-Designer, langjährige Produktverfügbarkeit, konservative Datenblätter, auf die man sich verlassen kann und eine gute Website haben ihre Spuren im positiven Sinn hinterlassen. Der Hoffnungsschimmer für Linear heißt Vincent Roche, ist CEO von Analog Devices und im Gegensatz zu seinem beratungsresistenten Vorgänger Jerry Fishman kein egozentrischer Besserwisser gemäß des Mottos „hier komme ich und alle machen was ich sage“.

Möglicherweise sollten sich die beiden gebürtigen Iren Roche und Armstrong bei einem Glas Guinness Bier an einen Tisch setzen und eine gemeinsame Basis für Linears weitere Zukunft finden. Oft haben menschliche Brücken ja schon geholfen, Interessenskonflikte beizulegen, um zumindest einen Teil des „Linear Spirits“ bewahren zu können.