Ist der Deal doch noch nicht tot? China nimmt Prüfung von NXP-Übernahme durch Qualcomm wieder auf

Qualcomm Headquarter im kalifornischen San Diego.
Qualcomm Headquarter im kalifornischen San Diego.

Qualcomm kann bei der stockenden Übernahme des Halbleiterherstellers NXP offenbar doch noch auf eine Erlaubnis chinesischer Behörden hoffen. Die Kartellwächter in Peking hätten die Prüfung der 44 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme wieder aufgenommen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Im Zuge des Handelsstreits mit den USA hatten die chinesischen Aufseher die Prüfung auf Eis gelegt. Die in New York notierten NXP-Aktien legten vorbörslich um mehr als 10 Prozent zu, Qualcomm-Papiere gewannen 3 Prozent. Die im Oktober 2016 angekündigte Übernahme zieht sich schon lange hin, mehrfach verlängerte Qualcomm bereits die Angebotsfrist. Ursprünglich wollte Qualcomm den Zukauf bis Ende 2017 durchziehen, derzeit läuft die Frist bis zum 25. Mai.

Die Eiszeit in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und den USA scheint mit den Zugeständnissen von US-Präsident Donald Trump zur Rettung des chinesischen Netzwerkausrüster ZTE vorerst vorbei. Trump war den Chinesen am Sonntag entgegengekommen, weil ZTE wegen Handelsbeschränkungen mit den USA der Kollaps drohte. Seit längerem streiten sich die beiden größten Volkswirtschaften der Welt um das Ungleichgewicht im bilateralen Handel und drohen sich gegenseitig höhere Importzölle an.

Eine Zustimmung Chinas zu dem Deal zwischen dem US-Konzern Qualcomm und den Niederländern von NXP gilt als entscheidend für den Erfolg der Übernahme. Chinesische Konkurrenten hatten Sorgen angemeldet, dass die beiden Konzerne zusammen etwa auf dem Feld von Lizenzen für bestimmte Technologien übermächtig werden könnten.

Händler wetten, dass die NXP-Übernahme von Qualcomm fehlschlägt

Händler von Aktienoptionen wetten dageben, dass die anstehende Übernahme von NXP durch Qualcomm scheitern wird. In einer Pressemitteilung von Qualcomm wird darauf hingewiesen, dass der ursprünglich am 25. April ausgelaufene Kaufvertrag bis zum 25. Juli verlängert wurde. Falls bis dahin die Genehmigung nicht erteilt sei, werde bis spätestens zum 26. Juli um 9 Uhr morgens die vereinbarte Kündigungsgebühr in Höhe von 2 Mrd. Dollar an NXP gezahlt. Händler von Aktienoptionen scheinen stark darauf zu wetten, dass die Zulassung nicht erfolgt, was für beide Unternehmen ein schwerer Schlag wäre.

Die Optionen, die am 20. Juli auslaufen, zeigen ein enormes Interesse auf der Put-Seite, mit fast 50.000 offenen Kontrakten zum Ausübungspreis von 110 Dollar, fast 33.000 offenen Kontrakten zum Ausübungspreis von 105 Dollar und 23.000 offenen Kontrakten zum Ausübungspreis von 100 Dollar. Mit dem Wert der Optionen, die in einer Spanne von 4,5 bis 10 Dollar pro Kontrakt gehandelt werden, entspricht dies einem Wert von mehr als 76 Millionen Dollar.

Für Qualcomm könnte der Verlust von NXP an zwei Fronten verheerend sein. Erstens muss sie NXP eine Terminierungsgebühr von 2 Milliarden Dollar zahlen.  Die Transaktion wird auch ein großer Schlag für die Fähigkeit von Qualcomm sein, sein Produktangebot weiter zu diversifizieren und zu stärken und den zukünftigen Umsatz zu steigern. Qualcomm verzeichnete seit seinem Höhepunkt im Jahr 2015 einen Umsatzeinbruch, und die Übernahme von NXP war für Qualcomm ein Weg, das Wachstum wieder anzukurbeln. Für die Aktionäre von Qualcomm könnte ein gescheiterter NXP-Deal die zweite große Enttäuschung des Jahres 2018 sein: Die geplante Übernahme von Qualcomm durch Broadcom Inc. wurde von der Trump-Administration blockiert, wodurch die Aktien von Qualcomm von ihren Höchstständen im Jahr 2018 deutlich zurückgingen, zeitweise lagen sie fast 30 % unter dem Höchstwert in 2018.

Auch die NXP-Aktien haben gelitten. Die Aktie ist um fast 16,6% von ihren Höchstständen im Jahr 2018 gefallen und notiert derzeit bei 108,50 Dollar pro Aktie, deutlich unter dem Erwerbspreis von 127,50 Dollar durch Qualcomm. Während NXP kurzfristig weiter unter den Folgen der Transaktion leiden könnte, dürfte das Unternehmen in den kommenden Jahren angesichts seiner einflussreichen Position im Bereich der Automobilchips und der Nahfeldkommunikation florieren.

In der anhaltenden Qualcomm-NXP-Saga gibt es noch viele Fragezeichen, aber Options-Händler wetten, dass die Fusion zwischen diesen beiden Unternehmen niemals vollzogen wird.