Mikroelektronik-Trendanalyse bis 2021 China ist seit 2016 größtes Abnehmerland für Halbleiter

Die Mitglieder des AMA Verband zeigen sich zufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung 2016 und blicken optimistisch auf das kommende Jahr.

Einmal im Jahr präsentiert der ZVEI-Fachverband »Electronic Components and Systems« die Mikroelektronik-Trendanalyse für den gloablen Halbleitermarkt. Diesmal reicht der Ausblick bis ins Jahr 2021.

Vier langfristige Trends, die auch schon 2016 feststellbar waren, bestimmten laut ZVEI die Halbleiterindustrie. Erstens ist sie eine sogenannte “reife Industrie” geworden, deren mittleres jährliches Wachstum von 15 % bis 2000 nach einer Übergangsphase bis 2010 auf 6 % und seit 2015 auf nur noch 4 % gesunken ist. Immerhin wurden pro Weltbewohner 2016 46 Dollar Halbleiter umgesetzt, 1995 waren es noch 25 Dollar.

Innerhalb der Halbleiterarten gab es große Verschiebungen in den letzten 20 Jahren. Die Logik hat mit 27 % Anteil die langjährigen Marktführer Mikroprozessoren/controller und Speicher als größtes Segment abgelöst, das größte Wachstum hatten von 1996 bis 2016 Sensoren und Optoelektronische Komponenten zu verzeichnen.

Interessant ist die Konsolidierung in der Speicherindustrie zu beobachten: Gab es 1990 noch 31 Hersteller aus 4 Ländern (Südkorea, Japan, Europa und USA), gab es 2016 nur noch 4: Samsung und Hynix aus Korea, Toshiba aus Japan und Micron aus den USA. Das zwischenzeitliche Intermezzo von taiwanischen Herstellern, die 2010 immerhin noch mit 7 Firmen vertreten waren, fand ein jähes Ende.

Der zweite Trend betrifft die Entwicklung der Halbleiter-Stückzahlen. Diese stiegen seit den 1980er Jahren im Durchschnitt um 9 % pro Jahr, wobei seit 2012 die Stückzahlentwicklung einen leichten Versatz der Kurve nach unten verkraften musste, ohne daß der generelle Trend verändert würde. Von 1995 auf 2016 erhöhte sich der IC-Verbrauch pro Kopf der Weltbevölkerung von 8 ICs auf 33 ICs.

Der dritte Trend betrifft den Zusammenhang zwischen dem weltweiten Bruttoinlangsprodukt (BIP) und der Mikroelektronik-Industrie. Diese eilt mit der  Korrelation 0,65 dem BIP um ein halbes Quartal voraus.

Der vierte und letzte Trend betrifft die regionale Verschiebung der Marktanteile. War die Region Asien/Pazifik ohne China mit 30,6 % im Jahr 2015 noch Marktführer, wurde sie 2016 von China überholt, das nun seinerseits auf 31,8 % kommt. Amerika liegt jetzt mit 19,3 % wieder unter 20 % und musste 2016 nach einigen Wachstumsjahren wieder Federn lassen, während Japan den stetigen Abwärtstrend stoppen konnte (9,5 % nach 9,3 % in 2015) und Europa mit 9,6 % erstmals unter 10 % fällt. Deutschland trägt nach 4,4 % in 2014 und 4,0 % in 2015 nur noch mit 3,7 % zum Welthalbleitermarkt bei.

Bedauerliche Entwicklung in Deutschland und Europa

Die größten Halbleitermärkte, also die Märkte, wohin Halbleiter verkauft werden, waren 2016 China mit 107,6 Mrd. Dollar (+9,2 %), die USA mit 59,8 Mrd. Dollar (-5,7 %) und Korea mit 45,6 Mrd. Dollar (-10,4 %). Nach Japan, Taiwan und Singapur folgt Deutschland auf Platz 7 mit nur noch 12,4 Mrd. Dollar oder -6,7 % gegenüber 2015. Der prozentuale Rückgang liegt dabei sogar noch hinter der gesamt-EU, die “nur” 4,8 % auf 31,3 Mrd. Dollar verlor.

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Trends in der Halbleiterindustrie

Die vier wichtigsten Trends hinsichtlich der Entwicklung der Halbleiter-Industrie.

Bis 2021 prognostiziert der ZVEI einen Welthalbleitermarkt von 389 Mrd. Dollar, von dem alleine China 127 Mrd. Dollar hält gefolgt von dem Rest Asiens mit 113 Mrd. Dollar und Amerika mit 75 Mrd. Dollar. Asien insgesamt kommt damit auf einen Anteil von 62 %, China alleine auf 33 %. Europa und Japan werden sich bei 10 % einpendeln, also 37 Mrd. Dollar. Die gute Nachricht daran ist, daß der stetige Abwärtstrend Europas von 2016 bis 2021 nach der ZVEI-Prognose umgekehrt wird, wenn auch das jährliche Wachstum mit 2,5 % unter dem von China (3,4 %) bleiben wird und dazu auf deutlich niedrigerem Niveau.

Beim Pro-Kopf-Verbrauch von Halbleitern liegt Japan deutlich an der Spitze. 335 Dollar investierte 2011 jeder Japaner, 2016 waren es “nur” noch 256 Dollar, 2021 sollen es wieder 293 Dollar werden. Im Vergleich dazu sind sind die USA mit prognostizierten 202 Dollar in 2021 deutlich abgeschlagen, Deutschland folgt mit 180 Dollar noch vor China. Jeder Chinese wird nämlich 2021 laut ZVEI nur 91 Dollar  in halbleiter investieren nach 59 und 78 Dollar in 2011 bzw. 2016. Die EU insgesamt hat übrigens die rote Laterne aller westlichen Elektronikproduzenten übernommen: Nur noch 62 Dollar investierte ein EU-Bürger im Schnitt 2016, 2021 werden es mit 69 Dollar nicht viel mehr sein.

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Halbleiter-Verbrauch nach Regionen

Der weltweite Halbleiter-Vertrauch nach Regionen