Interview mit Skip Ashton, Silicon Labs Was braucht ein IoT-Gerät zum Erfolg?

DESIGN&ELEKTRONIK-Redakteur Ralf Higgelke im Gespräch mit Skip Ashton, Vice President of Engineering für den Bereich Software.
DESIGN&ELEKTRONIK-Redakteur Ralf Higgelke im Gespräch mit Skip Ashton, Vice President of Engineering für den Bereich Software.

Silicon Labs gilt als einer der Technologietreiber fürs IoT. DESIGN&ELEKTRONIK konnte exklusiv mit Skip Ashton sprechen, SiLabs Vice President of Software Engineering und einer der Vordenker im Bereich Wireless. Wir fragten, was eine IoT-Komponente braucht, um am Markt Erfolg zu haben.

DESIGN&ELEKTRONIK: Skip, Sie beschäftigen sich viel mit dem Internet der Dinge. Was sind aus Ihrer Sicht die Schlüsselfaktoren für dessen Erfolg?

Skip Ashton: Ich sehe den Preis, die Benutzerfreundlichkeit, die Interoperabilität und die Sicherheit als die Schlüsselfaktoren für den Erfolg des IoT.

Warum ist der Preis für vernetzte IoT-Geräte so wichtig für deren kommerziellen Erfolg?

Als ich für meine Präsentation einige Daten zusammensuchte, wie viel ein typisches IoT-Gerät heute kostet, kamen mir die Thermostate bei mir zuhause in den Sinn. Deren Preis liegt zwischen 20 und 40 Dollar; für 40 Dollar bekomme ich also ein richtig gutes Gerät mit allerlei nützlichen Funktionen wie Scheduling. Ein vernetztes Thermostat kostet derzeit jedoch etwa 200 Dollar – das Fünffache von einem richtig guten Thermostat mit grafischer Oberfläche und mehr! Das ist schon ein sehr hoher Preisaufschlag.

In einem typischen US-amerikanischen Haushalt finden sich durchschnittlich vielleicht zwei bis vier Thermostate. Und vielleicht bin ich bereit, für zwei Thermostate diesen Preisaufschlag für die Vernetzbarkeit zu zahlen. Beim Thema Beleuchtung sieht die Sache allerdings ganz anders aus: Niemand wird bereit sein, für seine vielleicht 40 Leuchten einen derartigen Preisaufschlag zu zahlen! Der Preisunterschied muss kleiner werden, damit die Leute vernetzte Komponenten kaufen.

Ich kann mich erinnern, dass LEDs für die Wohnbeleuchtung anfangs irre teuer waren. Aber die Preise kamen schnell runter, und heute habe ich fast nur LED-Leuchten zuhause.

Und genau das muss auch mit IoT-Geräten passieren, damit sie gekauft werden. Sehen Sie, wenn eine Lampe beispielsweise 50 Dollar kostet, dann ist es kein Problem, wenn für die Vernetzbarkeit noch ein paar Dollars draufkommen. Kostet das Leuchtmittel aber 5 Dollar, dann sind die zusätzlichen vielleicht zwei Dollars für diese Funktion einfach zu viel. Sowohl die Leuchtmittelhersteller als auch wir als Lösungsanbieter müssen diesen Preisunterschied angehen.

Der zweite Aspekt, den Sie nannten, war Benutzerfreundlichkeit. Können Sie uns das näher erklären?

Einfache Benutzbarkeit umfasst verschiedene Aspekte. Denken Sie wieder an das Beispiel mit der Glühlampe. Diese zu wechseln ist ganz einfach: Die kaputte rausdrehen, die neue reindrehen, fertig! Und ich habe keinerlei Bedenken, ich könnte diese Lampe mit dem Wandschalter nicht wunschgemäß ein- und wieder ausschalten. Bei einem vernetzten Leuchtmittel wird das wesentlich komplizierter. Ein funkgesteuertes Leuchtmittel muss ich mit dem Schalter »pairen« und vielleicht mit anderen Leuchtmitteln in einer Leuchte gruppieren und synchronisieren. Und so entsteht auf einmal ein neuer Level von Komplexität, wenn ich ein Leuchtmittel tauschen möchte.

Die Leuchtmittel- und Lampenhersteller denken viel über dieses Thema nach, weil das Tauschen einer Funkleuchte genauso einfach bleiben muss wie das Tauschen einer herkömmlichen Glühlampe. Die Unternehmen wollen unbedingt vermeiden, dass die Käufer ein Leuchtmittel zurückbringen und reklamieren, es funktioniere nicht, wenn sie in Wirklichkeit nur zu doof waren, das Setup richtig durchzuführen.

Einfache Benutzbarkeit beinhaltet aber wie schon gesagt verschiedene Aspekte. Es geht noch um Zuverlässigkeit und Interoperabilität. Ich möchte nicht ein paar Mal den Lichtschalter betätigen müssen, bis endlich das Licht angeht. Ich möchte nicht ständig darüber nachdenken müssen, ob mein Thermostat auch wirklich korrekt und zuverlässig arbeitet. So sehen die Erwartungen der Benutzer eben aus, aber dieses Maß an Zuverlässigkeit sind wir vom Internet nicht gewohnt. Läuft unser Rechner mal etwas langsamer, rebooten wir ihn einfach mal. Das ist mit vernetzen Komponenten einfach nicht machbar. Die einfache Benutzbarkeit muss von Anfang an in diese Komponenten hineindesignt werden, und das ist nicht trivial.

Sie erwähnten auch das Thema Interoperabilität. Es gibt derzeit so viele Funkstandards, wie Bluetooth, Wi-Fi, ZigBee …

Aber der Anwender erwartet Interoperabilität. Heute gibt es eine Smartphone-App für meine Thermostate. Dann gibt es eine Smartphone-App für meine Beleuchtung. Und es gibt eine Smartphone-App für meine Haushaltsgeräte. Spätestens in diesem Moment würde meine Frau aufschreien und sagen: »Halt! Ich will nur EINE App für alle diese Funktionen!« Und sie hat Recht. Aber das erreichen wir nur durch Interoperabilität. Es muss möglich sein, verschiedene physikalische Layer zu nutzen, aber die müssen sich miteinander verbinden lassen und unter einer einzigen App laufen.

Die momentane Situation mit diesen unterschiedlichen Apps für verschiedene Smart-Home-Anwendungen gleicht der Anfangszeit der Smartphones. Damals gab es beispielsweise eine App, die Restaurants bewertete. Dann gab es eine andere App, mit der man Restaurants finden konnte. Und schließlich gab es wiederum noch eine andere App, mit der man einen Tisch in einem Restaurant reservieren konnte. Heute gibt es integrierte Apps, die alles das gleichzeitig erledigen. In diese Richtung werden sich auch die Smart-Home- und IoT-Apps bewegen, aber so weit sind wir heute noch nicht.

Daraus erwächst die nächste Anforderung an IoT-Geräte: Zukunftsfähigkeit.

Das ist natürlich sehr schwierig, denn keiner kann absolut sicher die Zukunft vorhersagen. Bis noch vor nicht allzu vielen Jahren hatte ich häufig die Diskussion mit Kunden, sie müssten in ihre Produkte die Möglichkeit von Softwareupdates integrieren. Damals kamen immer wieder die Argumente: zu teuer und zu zeitintensiv. Heute muss ich diese Diskussionen nicht mehr führen. Heute sehen die meisten Unternehmen die Vorteile von Softwareupdates. Über die Zeit können sie dadurch neue Features und Funktionen aufspielen, Bugs beheben oder die Fähigkeiten der Anwendung erweitern. Aber die Unternehmen müssen ihr vernetztes Gerät mit dieser Möglichkeit der Softwareupdates ausstatten. Sie müssen sich überlegen, wie sie ihre Komponente erreichen und wie sie Updates sicher aufspielen können. Und sie müssen die entsprechende Lernkurve durchschreiten.

Zunehmend mehr Anbieter beginnen jetzt zu denken: »Wie groß ist der minimale Aufwand, um ein Produkt mit minimalem Funktionsumfang auf den Markt zu bringen?« Und über die Zeit kann er dann die Funktionen per Softwareupdate erweitern. Dadurch werden die Anwender von seinem System wachsend begeistert sein, und er bekommt immer mehr positives Feedback und ein gute Presse.