Embedded World Conference 2018 Problemlösung statt Produktvorstellung

Der Vorsitzende des Steering-Boards erläutert, welche Kriterien ein guter Vortrag erfüllen muß, um bei der EWC berücksichtigt werden zu können. Desweiteren werden zwei Kernthemen in der Embedded-Entwicklung behandelt: Safety and Security und Management of Engineering Processes.

Die »embedded world – Exhibition & Conference« ist seit Jahren der international anerkannte Treffpunkt für Ingenieure und Entwickler im Bereich Embedded-Systementwicklung. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Veranstaltung ist die Kombination aus Messe und Konferenz. Während sich die Besucher in der Ausstellung über Produkte und Dienstleistungen informieren können, ergänzt die Konferenz das Messegeschehen um Weiterbildung und Zukunftstechnologien. Hier können sich die Teilnehmer einerseits praxisbezogene Präsentationen anhören, die ihnen bei der Bewältigung der täglichen Aufgaben helfen, andererseits aber auch Anregungen und Ideen für zukünftige Projekte aufgreifen. 

»Embedded« ist eine Querschnittstechnologie, die immer mehr Anwendungsbereiche erobert. Deshalb fokussiert sich die Conference auf Basis-Technologien und wenige Schlüsselapplikationen, die branchenübergreifende Bedeutung haben und in besonderen Maße aktuelle Prozesse berühren und zudem Einfluss auf zukünftige Entwicklungen haben. 

Hierunter fallen die Enabling Technologies (Connectivity, Embedded OS und Safety & Security), Engineering and Design of Hardware, Software and System (vom Hardware Engineering über Software Engineering und Systems Engineering bis hin zu Management of Engineering Processes) sowie Applications (das Internet of Things, Embedded Vision und Autonomous Systems). 

Regeln für einen guten Vortrag 

Die Konferenz richtet sich an Ingenieure, Entwickler und Manager der Embedded-Branche und wird von diesen auch inhaltlich getragen. Auch Sie sind aufgerufen, Ihr Wissen im Rahmen einer Präsentation einzubringen und zur Diskussion zu stellen. Dazu stellt die Conference-Website www.embedded-world.eu ein Upload-Formular für die Einreichung von Vorträgen zur Verfügung. 

Doch was passiert nun, wenn Sie Ihren Vortrag dort hochgeladen haben?

Das Steering Board hat einen Auswahlprozess eingerichtet, um die Qualität und Neutralität der Konferenz sicherzustellen. Die Bewertung der eingereichten Vorträge erfolgt durch ein Programmkomitee aus mehr als 40 internationalen Experten, die die Einreichungen in ihrem jeweiligen Kompetenzfeld beurteilen. Die Chancen auf eine positive Bewertung verbessern sich, wenn Sie ein paar einfache Regeln beachten.

Wichtigste Regel: Nur technisch fundierte beziehungsweise für Entwickler relevante Beiträge finden den Weg ins Programm. Ein Fehler, der häufig gemacht wird, ist: Die Einreichenden versuchen, ihr neues Produkt vorzustellen. Die Titel lauten oft: »Unser neues XY2000 – die Innovation beim Debugging«. Besser ist es, das Problem zu beschreiben, das der Entwickler lösen muss, und mit welcher technischen Herangehensweise und welchen neuen Ideen, Verfahren oder Algorithmen das Problem gelöst werden könnte und wie diese Lösung umgesetzt wurde.

Dieses Vorgehen eröffnet den Konferenzteilnehmern die Chance, basierend auf eigenen Erfahrungen die vorgestellte Lösung zu bewerten und einzuschätzen. Aus dem Abstract, das mit der Einreichung hochgeladen wird, sollte demzufolge der technische Tiefgang, der Neuheitsgrad sowie die Kreativität der Lösung hervorgehen.

Ist die Einreichung vom Programmkomitee positiv bewertet worden, landet sie im Pool der Beiträge, aus denen das Steering Board das Programm der ewC zusammen stellt. Am 7. September 2017 endet die Einreichungsfrist für die embedded world Conference 2018. Noch ist Zeit und mit den gegebenen Hinweisen sollte es gelingen, einen eigenen Beitrag erfolgreich zu platzieren.

Safety and Security 
 
Nachdem in der jüngsten Vergangenheit immer wieder Probleme mit der Internetsicherheit aufgetreten sind, ist inzwischen wohl jedem klar geworden, dass dieses Thema auch und vor allem im Bereich, der kritisch für den Erfolg von embedded Systemen ist, essentiell für einen Erfolg der eigenen Entwicklung. Häufig wird jedoch die Frage der Sicherheit an das Ende einer Entwicklung gesetzt, frei nach dem Motto: »..und jetzt zum Schluss noch etwas Sicherheit dazu«. So eine Herangehensweise muss scheitern.


Aufgrund mangelnder Kompetenz im eigenen Unternehmen greifen zahlreiche Firmen gern auf fertige Module zurück, die dem Vernehmen nach zuverlässig sind und wähnen sich so auf der sicheren Seite. Ich war fassungslos, als ich auf dem Forum Safety & Security im Juli in München erfahren musste, dass Modulhersteller ihre Debugschnittstelle als Audioausgang tarnen und so »sichern«. Der Lifehack eines Referenten verdeutlichte eindrucksvoll, wie dadurch ein ganzes System attackiert werden konnten.

Daraus lässt sich nur ein Fazit ziehen: Die Embedded-Systementwickler müssen in die Lage versetzt werden, bis zu einem gewissen Grad eigene Kompetenzen im Bereich Safety & Security aufzubauen, dieses Wissen konsequent vom Beginn der Entwicklung an in das Design einzubeziehen.Gegebenenfalls muss er die zugekauften Komponenten auch hinsichtlich der Security bewerten können. Wenn Sie beitragen möchten, die Entwickler und Ingenieure dazu zu befähigen, so zögern sie nicht ihren Beitrag einzureichen.


Management of Engineering Processes 

Der Prozess des Produktdesigns ist auch im Embedded-Bereich eine Ingenieursdisziplin und ist sehr iterativ. Er zielt auf eine wie auch immer geartete technische Lösung ab, der Kreativität und Innovationsgeist zugrunde liegt. 

Der Designprozess gliedert sich in verschiedene Schritte, beginnend bei der Problemdefinition beziehungsweise der Anforderungsanalyse und läuft über eine Machbarkeitsbetrachtung zu einer Konzeptphase. Hier werden unter anderem Potentiale und Risiken abgeschätzt. Es folgt ein vorläufiges Produktdesign, in dessen Verlauf Schaltungen, Diagramme und Layouts erarbeitet werden.

Schließlich folgt die ständige Verfeinerung der Lösung, immer mit dem Ziel, die Anforderungen optimal zu erreichen. Abschließend erfolgt die Überarbeitung mit Blick auf eine bestmögliche Fertigung des Produktes.

Begleitet wird der gesamte Designprozess von zahlreichen, zu beachtenden gesetzlichen Vorgaben, von Qualitätsmanagement- und Berichtsprozessen und vielen weiteren Vorgaben. Es schließen sich die Produktbetreuung über deren Lebenszeit und abschließend deren Entsorgung an.

Das Management von Ingenieursprozessen ist eine echte Herausforderung. Zum Glück gibt es in den letzten Jahren vermehrt Verfahren und Tools, die dabei unterstützend wirken, Teilprozesse automatisieren, genannt seien beispielhaft Simulations- und Testprozesse sowie Nachweisprozesse im Qualitätsmanagement, und so für mehr Sicherheit sorgen. Der wachsenden Bedeutung der Managementprozesse bei der embedded Systementwicklung trägt die Konferenz mit dem Schwerpunktthema »Management of Engineering Processes« Rechnung, denn sie sind ein wichtiger Faktor für eine erfolgreiche Produktentwicklung.(fr)

embedded world Conference 2018