Embedded World Conference 2018 Embedded goes autonomous

Autonomie ist einer der Schlüsselbegriffe der embedded world Conference 2018. Neben dem autonomen Fahren werden embedded Systeme in vielen Situationen eigenständig Entscheidungen treffen, allen voran in der Smart Factory der Zukunft. Von Dr. Bernd Hense, Mitglied im Steering-Committee.

Es ist soweit. Und um es mit Herbert Grönemeyer zu sagen: »...der erste Stein fehlt in der Mauer, der Durchbruch ist nah...«. Die embedded Systeme werden mehr und mehr selbstständig. Und dem trägt die embedded world Conference 2018 im besonderen Maße Rechnung. In diesen Tagen wird der Begriff Autonomie im Zusammenhang mit Technik gern auf das autonome Fahren reduziert. Erste Beispiele belegen, dass es in naher Zukunft, selbstfahrende Autos geben wird. Nach der Schweiz gibt es nun auch in Deutschland eine erste Fahrschule, die ein Training mit selbstfahrenden Elektroautos anbietet. Und wieder ist es ein Tesla. 

Doch der Ansatz autonomer embedded Systeme reicht viel weiter und genau hierauf möchte die embedded world Conference 2018 hinweisen. Der in Deutschland gepuschte Begriff Industrie 4.0, der international mit smart factory übersetzt wird, zielt auf eine automatisierte Fertigung ab der Losgröße 1. Dabei treffen die Maschinen und Roboter eigene Entscheidungen – wohlgemerkt keine vorprogrammierten, sondern Entscheidungen auf kognitiver Grundlage. Waren bis etwa 1970 heuristische Such- und Schlussfolgerungsverfahren Ziel wissenschaftlicher Auseinandersetzungen, so folgten bis circa 1990 maschinelle Wissensverarbeitung mit manuell erstellten Wissensbasen. Bis etwa 2010 wurden die Systeme so weiterentwickelt, dass maschinelles Lernen über Massendaten möglich wurde. Und seither arbeiten die Wissenschaftler auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz an der Kombination von Lernverfahren und wissensbasierten Methoden, oder kurz gesagt an kognitiven Systemen.

Die »denkende« Maschine ist zum Greifen nah. Noch wird über AI-Systeme gewitzelt, die bei einem Experiment in den Facebook-Laboren eine ›eigene Sprache‹ entwickelt haben. Letztlich haben die Systeme das, was wir anstreben, nämlich eine hohe Effizienz, umgesetzt und zwar selbstständig. Das Experiment wurde abgebrochen, weil die Entwickler befürchteten, die kommenden Prozessschritte nicht mehr zu verstehen, dem Eigenleben der Systeme nicht mehr folgen zu können. Yvonne Hostetter, eine ausgewiesene Expertin im Bereich Analysesoftware und Big Data, schrieb bereits 2014 in ihrem Buch »Sie wissen alles«, dass ab Mitte dieses Jahrhunderts eine neue Spezies neben uns Menschen diesen Planeten bewohnen wird. Es sind die autonomen Systeme, mit denen wir uns arrangieren müssen und werden.

Waren wir bis vor 15 Jahren noch der Meinung, dass eine riesige Datenmenge die digitalen Systeme überfluten und verstopfen wird, so ist inzwischen deutlich geworden, dass die Algorithmen durch eine immer größere Datenmenge immer schärfere Ergebnisse generieren. Wir erleben gegenwärtig den Übergang von rein logikbasierten Lösungen hin zu statistischen Methoden, die eine gewisse Wahrscheinlichkeit als Grundlage ihrer Entscheidungen nutzen. Für einen am Bitzustand haftenden Entwickler sicher kein gutes Gefühl und eine neue Erfahrung. Doch der Weg zeigt eindeutig in diese Richtung. Im Bereich der digitalen Bilderkennung ist dies bereits Alltag. ›Die erkannte Person ist zu 98,2 % eine Frau‹ oder ›bei dem erkannten Verkehrszeichen handelt es sich zu 83,2% um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h‹.

Wir Embedded Systementwickler werden uns also in nächster Zeit intensiv mit maschinellem Lernen und, auch wenn der Begriff altbacken klingt, mit künstlicher Intelligenz befassen müssen. Die embedded world Conference, die bewusst kein Forum für wissenschaftlichen Disput ist, sondern lösungsorientierte Inhalte für Entwickler und Ingenieure präsentiert, stellt sich dieser neuen Herausforderung.

Und wenn man diese Entwicklung konsequent weiter denkt, stellt sich irgendwann die Frage, nicht ob sondern wann und in welchen Bereichen der Zeitpunkt gekommen sein wird, an dem der Mensch seine finale Entscheidungskompetenz den kognitiven Systemen übertragen wird.