Besser als sein Ruf Das Internet der Dinge

Noch Utopie: Ressourcenmanagement in Großstädten mit IoT-Methoden.
Noch Utopie: Ressourcenmanagement in Großstädten mit IoT-Methoden.

Während Großkonzerne dieses Jahr allmählich damit beginnen, ihre IoT-Innovationen ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, sind die Stimmungen im Mittelstand bezüglich des Internet der Dinge noch ambivalent verteilt.

Siemens setzt mit der Vision 2020 auf Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Mit dem ersten Quartalsbericht 2017 sieht sich das Unternehmen voll auf Kurs.

Im Kollegenkreis wie auf Fachtagungen fällt der Begriff IoT selten ohne Vorbehalt: Mitunter streiten die Experten über Schnittstellenunordnung, Netzwerksicherheit und Skalierbarkeit. Großkonzerne hielten lange still.

Am Zenit des deutschen Baubooms zog ein prominenter Baukonzern aus den Münchner Highlight Towers aus, das Areal war zu teuer, lag lange brach und verlor die öffentliche Aufmerksamkeit, als es in ein Wohngebiet überführt werden sollte. Fünf Jahre später sind dort IBM und Fujitsu am Start, umgeben vom Logistikriesen Amazon und einer gut unterfütterten Elektroindustrie. Dieses sogenannte Schwabing-Valley zieht sich über Ismaning hinweg in den Vorhof des Münchner Flughafens, wo Messgerätehersteller die internationale Anbindung nutzen. 

Die Entwicklung stimmt also gar nicht mit der allgemeinen IoT-Skepsis überein.

Die Branche beantwortet die Frage "Das Internet der Dinge hat bei mittelständischen deutschen Unternehmen ja eher einen schlechten Ruf. – Woran liegt‘s?" vorwiegend so:

 

"Ich denke, gar so schlecht ist der Ruf von IoT auch im Mittelstand nicht – nicht zuletzt, weil viele Unternehmen ja schon seit 20 Jahren mit diesen Technologien arbeiten. Durch die Einbindung von Geräten ins Netz stellen sich nun natürlich vermehrt Sicherheitsfragen; und viele Unternehmen wollen, bevor sie in neue Infrastrukturen investieren, genau wissen, wie denn der konkrete ROI des IoT aussieht. Solange es hier nur eher vage Antworten gibt, wird mancher dann doch zögern."

– Andreas Ertel, Dell EMC.

„Das Internet der Dinge hat derzeit einen eher schwierigen Ruf wegen der Sicherheit in den Cloudanwendungen, der Komplexität mancher Clouds sowie der Tatsache, dass beim Wechsel der Intelligenz von der eigenen Applikation in die Cloud das Applikationswissen verloren gehen könnte.

Mittelständische Unternehmen haben im Gegensatz zu den Riesen der Branchen nicht die Möglichkeit, eigene Cloudsysteme aufzusetzen und sind deshalb auf vorhandene Systeme etwa von Google oder Microsoft angewiesen. Professionelle Lösungen wie z. B. IBM Bluemix sind derzeit noch nicht stark verbreitet.“ – Stefan Koltes, Endrich Bauelemente.

"Die meisten deutschen Mittelständler stellen sich den Herausforderungen der digitalen Transformation und befassen sich in diesem Zusammenhang intensiv mit dem Internet der Dinge. Viele Verantwortliche betrachten das IoT jedoch insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit mit einer gewissen Zurückhaltung, da die damit verbundenen Sicherheitsanforderungen viele IT-Abteilungen in kleineren Unternehmen derzeit überfordern." – Dr. Bernd Kosch, Fujitsu.

 

 

"Mittelständische Unternehmen haben die Möglichkeiten, die sich mit dem Internet der Dinge ergeben, bereits erkannt. Es fehlt derzeit noch an entsprechenden verfügbaren technischen Lösungen, welche auch die Faktoren Kosten und IT-Sicherheit (sowohl Vertraulichkeit als auch Schutz vor Cyber-Attacken) sowie die Vielzahl unterschiedlichster Protokolle derart adressieren, dass sich die Ideen der Mittelstandsunternehmen zeitnah umsetzen lassen." – Dr. Günter Rohmer, Fraunhofer IIS.