Qualcomm Snapdragon Technology Summit 17 1. Always-On-PC mit vollständigem Windows 10 auf ARM vorgestellt

Für Intel war heute zumindest was das PC-Client-Geschäft angeht, kein guter Tag. Auf dem Snapdragon Technology Summit 2017 des Konkurrenten Qualcomm auf der US-Insel Maui wurden die ersten Windows-10-Laptops mit Snapdragon-835-ARMv8-Prozessoren vorgestellt. Sie sollen im Betrieb 20 Stunden halten.

Am ersten Tag des vom Chipriesen Qualcomm veranstalteten Snapdragon Technology Summit 2017 ging es noch nicht um Chip-Technologie, sondern eine große Produktankündigung: Die ersten PCs mit vollständigem Windows 10, das auf Qualcomms SoC Snapdragon-835 läuft. Alles technischen Details über den Chip finden sich in einer Analyse der DESIGN&ELEKTRONIK an dieser Stelle.

Die beiden von Asus und HP vorgestellten Geräte sollen eine Videowiedergabe bis zu 20 Stunden ermöglichen, ein gerne genommener Workload vom Marketing, da die Dekodierung des Datenstroms in dedizierten Hardware-Beschleunigern ohne CPU erfolgt und damit natürlich viel Energie gespart wird. Aber auch in realen Workloads wie z.B. PowerPoint habe ich es im Test mit dem Asus nicht geschafft, in 1 Stunde den Akku signifikant zu leeren, geschätzt ging die Anzeige um weniger als 10 % zurück.

Im Benchmark WebXPRT, den ich auf einem Testgerät betreiben konnte, stellte sich heraus, dass der Snapdragon-835 in dem Testgerät mit nur 2,2 GHz getaktet wird, was weniger ist, als in manchem Smartphone. Die Adreno-540-GPU wird mit 710 MHz getaktet. Entsprechend fiel der Gesamtscore mit 166 Punkten nicht wirklich großartig aus. Zum Vergleich: Ein Lenovo ThinkPad P51 mit Intels Core-i7 kommt auf 572 Punkte . Offiziell soll das SoC in den Seriengeräten jedoch mit 2,6 GHz getaktet werden. Zudem werden offensichtlich zwei Videoformate Ogg und WebM nicht unterstützt.

Ogg ist ein Container-Dateiformat für Multimedia-Dateien, kann also gleichzeitig Audio-, Video- sowie Textdaten enthalten. Ogg wurde mit dem Ziel konzipiert, eine freie und von Softwarepatenten unbeschränkte Alternative zu proprietären Formaten zu bieten, um Multimedia-Inhalte effizient zu speichern und zu streamen. Die Streamingfähigkeit ist dabei das entscheidende Designmerkmal: Alles, was in einem Ogg-Container verpackt ist, kann ohne zusätzliche Anpassungen gestreamt werden. Dies unterscheidet Ogg von Formaten, die entweder nur in bestimmten Ausprägungen streamingfähig sind (wie z. B. Matroska) oder überhaupt nicht live-streaming-fähig sind (wie z. B. MP4). Ogg-Streams können dabei gebündelt und verkettet werden, ohne dass dazu eine Anpassung des einzelnen Streams notwendig ist.

Die Entwicklung des Container-Formats wird von der Xiph.Org Foundation geleitet, die auch für einige Codecs verantwortlich ist, welche die Inhalte in einem Ogg-Container komprimieren.

Der bekannteste Codec ist dabei der Audio-Codec Vorbis, welcher oft vereinfachend (oder auch irrtümlich) als Ogg bezeichnet wird, obwohl Ogg tatsächlich nur das Containerformat für die Vorbis-kodierten Inhalte ist. In jüngerer Vergangenheit setzt sich auch das Vorbis-Nachfolgeformat Opus langsam durch, insbesondere auch im professionellen Broadcast-Umfeld in Hardware-Audio-Codecs.

WebM ist ein Containerformat für Audio- und Videodaten, eingesetzt für die von Google propagierten Videocodecs VP8 und VP9, welche Alternativen zum bekannten Codec H.264 darstellen. Es wurde für Webseiten im HTML5-Standard entwickelt, wo es als Alternative des MP4-Formats Verwendung findet. Der WebM-Codec wurde im Mai 2010 von Google Inc. vorgestellt und wird unter anderem von der Mozilla Foundation und von Opera Software unterstützt. Für den Internet Explorer ab Version 9 stellt Google eine Browser-Erweiterung zum Download bereit.

Im April 2011 führte Google den WebM-Codec auch auf YouTube ein, wo es seither als alternative Wiedergabemöglichkeit über den Video-Tag in HTML5, ohne Browser-Plugins wie den bisher benötigten Flashplayer, in die Seite eingebunden wird. Eine weitere Beispielimplementierung – die im Fall des Videoformates VP8 auch die Beschreibung des Standards darstellt – wurde als freie Software unter den Bedingungen einer BSD-Lizenz veröffentlicht. Ein Schwesterprojekt von WebM ist das auf der Intra-Frame-Kodierung von VP8 basierende Grafikformat WebP.

Aber: Der  Lenovo ThinkPad P51 ist eine High-End-Maschine für Videoschnitt, Gamer u.s.w. Tatsächlich lief MS-Office auf dem Asus absolut flüssig und schnell. Für Büroarbeiter und dank seiner LTE-Verbindung insbesondere Außendienstler scheint das Gerät mehr als tauglich zu sein. Diese Zielgruppen werden auch die fehlenden Videoformate nicht vermissen.

Viele Zahlen in der Keynote

Wie üblich wurden in der Keynote viele Zahlen genannt und in diesem Fall reichlich Prominenz präsentiert, von Microsoft über Asus, HP, dem chinesischen Smartphone-Hersteller Xiaomi bis zu dem Chef von Samsungs Foundry-Geschäft gaben sich EVPs und CEOs die Klinke in die Hand.

So erfuhren die ca. 300 Analysten und technischen Journalisten aus aller Welt (davon 5 aus Deutschland, 4 aus dem Bereich IT und aus dem Bereich B2B die DESIGN&ELEKTRONIK), dass 30 % des chinesischen Bruttosozialproduktes mittlerweile mit der Digitalisierung erwirtschaft werden. 2020 werden 58 % aller Menschen ein Smartphone besitzen und der Mobilgeräte-Markt dann auf 80 Mrd. Dollar anwachsen.

2019 wird endlich 5G ausgerollt, Qualcomm ist mit dem ersten Modem mit der Bezeichnung x50 schon heute dafür vorbereitet. Dazu wurde verkündet, dass bis heute 120 Snapdragon-835-Designs angeboten werden oder in der Entwicklung sind.

Laut Microsoft führen die Always-On-PCs dazu, dass die Menschheit keine Tablets mehr braucht. EIne Umfrage aus China und den USA dürfte tatsächlich den Tablet-Herstellern Kopfzerbrechen bereiten: 65 % bzw. 50 % der befragten Personen erklärten, dass sie für einen PC mit schnellerer Konnektivität und längerer Batterielaufzeit Geld bezahlen würden.

Ein PC alleine reicht in einem solchen Szenario natürlich nicht, die eingebaute eSIM-Karte will ja auch aktiviert und gefüttert werden. Hierzu hat Qualcomm den Netzwerkbetreiber Sprint, den kürzlich ja T-Mobile USA erwerben wollte, ins Boot geholt. Dieser besitzt nach eigenen Angaben das notwendige Frequenzspektrum, um überhaupt die zu erwartenden Datenmengen von 48 GB/Monat und Benutzer im 5G-Netz transportieren zu können. Es wird einen unlimitierten Datenplan für die Always-On-PCs geben. Auch in anderen Ländern u.a. Deutschland wird es ähnliche Agreements geben, im Detail äußerte sich Qualcomm dazu (noch) nicht.

In einer Panel-Diskussion am Ende des 1. Tages stellten sich die bei Qualcomm und Microsoft verantwortlichen Personen für das Projekt Windows 10 auf Snapdragon-835 den Fragen. Ich wollte wissen, was mit WIN32-Anwendungen ist hinsichtlich der ARM-Emulation für x86-Code. Hierzu wurde gesagt, dass die Emulation nicht auf API-Schicht, sondern darunter erfolgen würde, also auf System-DLL-Ebene. Der generierte ARM-Code wird dabei gecacht, so daß eine Anwendung, wenn sie das 2. Mal gestartet wird, schneller bereit ist als beim 1. Aufruf. 64-bit-x86-Apps laufen nicht. Zum Thema Sicherheit wurde geantwortet, dass Windows 10 ARMs Sicherheitstechnologie TrustZone unterstützt, so dass gegenüber Intel-CPUs keine Abstriche zu befürchten seien.

Zum Thema Rechenleistung wurde hervorgehoben, dass diese bei den Snapdragon-PCs durchgängig ohne Throttle zur Verfügung steht, da keine wärmebedingte zeitweise Heruntertaktung erforderlich sei.

 In der Bilderstrecke sehen Sie, wer alles in der Keynote aufgetreten ist und welche Statements abgegeben wurden.

Bilder: 20

Qualcomm Snapdragon Technology Summit 2017

Qualcomm fuhr in seiner Keynote reichlich Prominenz auf, um die ersten Always-On-PCs mit vollständigem Windows 10 auf Snapdragon-SoCs anzukündigen. Schauen Sie, wer alles auf die Bühne kam.