Interview mit Per Loof, CEO von Kemet Slogan unter der Dusche kreiert

Auf dem 2. Anwenderforum Passive Bauelemente hielt KEMETs CEO Per Loof (rechts neben unserem Redakteur Ralf Higgelke) die Keynote zum Thema »Sozial verantwortlicher Abbau von Tantalerz«.
Auf dem 2. Anwenderforum Passive Bauelemente hielt KEMETs CEO Per Loof (rechts neben unserem Redakteur Ralf Higgelke) die Keynote zum Thema »Sozial verantwortlicher Abbau von Tantalerz«.

Seit April 2005 ist Per Loof der CEO von Kemet, einem führenden Hersteller von Kondensatoren. Wir befragten ihn zu der lange schwebenden und schließlich doch noch vollzogenen Übernahme von NEC Tokin, den Trump-Effekt auf die Fertigungsstätten in Mexiko und wie er einen neuen Firmenspruch kreierte.

DESIGN&ELEKTRONIK: Im April dieses Jahres wurde die Übernahme von NEC Tokin schließlich abgeschlossen. Diese war bereits im Jahr 2012 angekündigt worden. Warum diese Übernahme so lange gedauert hat? 

Per Loof: Erstens war es eine komplexe, globale Transaktion, und zweitens gab es ein kartellrechtliches Problem. Nach all diesen Jahren musste wegen der verbesserten wirtschaftlichen Situation von NEC Tokin der Deal umstrukturiert werden. Beispielsweise hatte das Unternehmen ursprünglich 40 Millionen Dollar auf der Bank, jetzt sind es 150 Millionen. Auch ihr operativer Gewinn stieg von einem unteren 20-Millionen- auf einen oberen 70-Millionen-Wert. Der ursprüngliche Verkaufspreis bezog sich auf das Sechsfache des operativen Jahresgewinns. Die verbesserte Performance aufgrund unseres Managements machte die Kosten der Akquisition zu hoch, und ich war nicht bereit, mehr als 400 Millionen Dollar Schulden unserer Bilanz hinzuzufügen.

Warum haben Sie NEC Tokin überhaupt erworben? Was macht das Unternehmen so interessant für Sie? 

Es gibt zwei wichtige Punkte: Produkte und Technologien einerseits, die Geografie andererseits. In Bezug auf Produkte und Technologien erweitern wir damit unser Portfolio auf Polymer-Tantalkondensatoren, Superkondensatoren, Leistungsinduktivitäten, EMI-Unterdrückung und Kompatibilität, Thermo- und Stromsensoren sowie auf Piezoaktoren. Wie bereits erwähnt, haben wir unsere globale Präsenz mit dieser Akquisition erweitert. Dies eröffnet für alle unsere Produkte neue Möglichkeiten in Japan, Südkorea und in ganz Asien. 

Früher wurde Kemet als Hersteller von »Me-too-Produkten« angesehen. Warum ist das heute anders? 

Wir haben erkannt, dass ein es nicht genügt, Me-too-Kondensatoren herzustellen und als Unterscheidungsmerkmal »Easy-to-Buy-from« vorzuweisen. Mittlerweile bieten wir entsprechend gute Softwarewerkzeuge, Weiterbildung und Informationen, die Ingenieure benötigen, damit unsere Produkte leicht einzudesignen sind.

Wir konzentrieren uns mittlerweile auf Spezialkondensatoren und auf die Bedürfnisse von Schwellenländern. Wir bieten zum Beispiel Produkte für den Einsatz mit Halbleitern mit großer Bandlücke an, und wir haben bei uns im Haus Spezialisten für alle wichtigen Dielektrika wie Tantal, Aluminium, Keramik und Folie. Und durch den Erwerb von NEC Tokin können wir in anderen Bereichen und Anwendungen mit elektronischen Komponenten wie EMV-Komponenten, Induktivitäten, Sensoren und Aktoren expandieren. 

Die neue US-Regierung unter Präsident Trump will nicht, dass Arbeitsplätze das Land verlassen, vor allem nicht nach Mexiko. Allerdings hat Kemet dort zwei große Standorte. Ist das jetzt ein Problem für Sie? 

Wir sind seit fast fünfzig Jahren in Mexiko und haben sehr starke Teams in Matamoros, Monterrey und Victoria. Wir verfolgen die Aktivitäten der neuen Regierung genau und schauen mal, was passiert. 

Ich mag einige Ihrer Blog-Einträge auf der Kemet-Website. Ihr Eintrag von Januar 2017 hieß »Fragen Sie uns«. Was heißt das?

Easy-to-Design-in bedeutet für uns, schnell auf Fragen der Kunden zu reagieren. Unsere FAEs (Field Application Engineer, Anm. d . Red.) sind eine fantastische Ressource, aber sie können pro Tag nur eine begrenzte Zahl an Kunden betreuen. Da unser Kundenengagement wächst, suchen wir kontinuierlich innovative Wege, um unsere Interaktion mit unseren Kunden zu erhöhen. Die Videoserie »Ask an FAE« liefert eine digitale Verbindung zu den Ingenieuren beim Kunden, während wir die Informationen bereit stellen, welche die Kunden benötigen, damit unsere Produkte für sie einfach einzudesignen sind.

In einem anderen Blog-Eintrag haben Sie erwähnt, dass Sie einige Ihrer besten Gedankengänge und Ideen im Urlaub hatten. Haben Sie da ein Beispiel?

Urlaub ist ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Work-Life-Balance. Ich rate meinen Mitarbeitern davon ab, ihren Urlaub ins nächste Jahr zu verschieben, denn ich möchte, dass sie ihn nehmen. Um produktiv zu sein, müssen sie sich entspannen, ausruhen, auftanken und außerhalb ihrer normalen Umgebung nachdenken.

Früher habe ich für eine Firma gearbeitet, die Geldautomaten fertigte. Alle diese Maschinen waren grau. Einmal im Urlaub dachte ich mir: »Wäre es nicht schön, wenn sie verschiedenen Farben hätten und sich dadurch farblich absetzten, sodass die Leute sie leichter finden könnten?« Aus dem Urlaub zurück beschloss ich, das Konzept auf einer Fachmesse vorstellen. Meiner Firma gefiel diese Idee gar nicht, vor allem der Herstellung. Sie konzentrierten sich mehr darauf, wie wir für unsere Geldautomaten mehrere Farben anbieten könnten, anstatt warum wir es sollten. Ich wusste, dass unsere Kunden die Idee lieben würden, aber sie würden immer noch die traditionellen grauen Maschinen bestellen. Die Begeisterung für diese Idee verdoppelte unseren Umsatz in diesem Jahr, von 25.000 Einheiten auf 50.000 Einheiten.

Zwei Lektionen lassen sich aus dieser Geschichte ziehen: Erstens können tolle Ideen während des Urlaubs kommen, denn Urlaub stört die Routine und man interagiert mit Menschen, Situationen und Dingen, die man normalerweise nicht hätte. Zweitens sollte man Ideen, die auf Menschen abstoßend wirken, weiterverfolgen.

Ein anderes Mal im Urlaub, während ich duschte, dachte ich über das Leistungsversprechen unserer Firma nach. Dies war noch vor NEC Tokin, als Kemet nur Kondensatoren herstellte. Dort kreierte ich den neuen Firmenspruch: »Kemet – The Capacitance Company«.

Sie sind seit dem 4. April 2005 der CEO von Kemet. Was hat sich seither in der Welt der passiven Komponenten und der Elektronik im Allgemeinen verändert?

Allgemein betrachtet werden die meisten elektronischen Geräte immer kleiner, schneller, effizienter und ihr Funktionsumfang steigt stetig. Vor zehn Jahren wussten wir, dass mobile Anwendungen wichtig würden, aber ihr Wachstum ist geradezu explodiert. Entwickler designen heute mit webbasierten Werkzeugen und Informationen, ohne jemals mit einem Hersteller zusammengewirkt zu haben. Unsere Kunden verschicken oder faxen uns keine Bestellungen mehr. Alles wird digital und sofort gemacht.

Herr Loof, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ralf Higgelke.