Schalter und Taster Kräne sicher steuern

Auch beim Bedienen von Kränen ist aufgrund der neuen Maschinenrichtlinien eine Tendenz zur Folientastatur zu beobachten. Es gibt aber auch Bereiche, wo weiterhin einzelne Taster eingesetzt werden können oder sollen. Worauf kommt es dann dabei an?

Mit modernen Konstruktionsmethoden entwickelt das Unternehmen Liebherr seine Kräne permanent weiter und stellt sie durch Simulationen und Tests intensiv auf den Prüfstand. Das Kabinendesign berücksichtigt moderne ergonomische Gesichtspunkte und soll mit aufeinander abgestimmten Bedienelementen und Displays eine angenehme Arbeitsumgebung bereitstellen. Zwar ist generell aufgrund der neuen Maschinenrichtlinien eine Tendenz zur Folientastatur zu bemerken, da sich bei einer solchermaßen aufgebauten Bedien-Kontroll-Einheit die Schaltzustände der einzelnen Tasten mit geringerem Aufwand durch eine SPS überwachen lassen.

Wo jedoch weiterhin einzelne Taster eingesetzt werden können oder sollen, kommen bei Liebherr die Betätiger der Firma Schlegel ins Spiel. Diese Befehlsgeräte zeichnen sich laut Hersteller durchweg durch einen hohen Funktionsumfang, Ergonomie und Qualität, aber auch durch ihr eigenständiges Design mit einem hohen Wiedererkennungswert aus.

Die Betätiger bestehen aus einer Art modularem System, bei dem sich Hülse, Bezeichnungsschildchen und Tasterkappe je nach Anforderung kombinieren lassen. Beschriftung und Farbgebung der Taster sind somit flexibel. Die Bedienpaneele der Kräne lassen sich frühzeitig vorbereiten und erst kurzfristig, je nach Konfiguration, mit den erforderlichen Tastern, Meldeleuchten, Schlüsselschaltern und Not-Aus-Tastern in der gewünschten Anordnung ausstatten.

Wählt ein Kunde nicht die Maximalausstattung eines Kranes, wird ihm die Bedienung nicht durch eine Anzahl funktionsloser Taster erschwert, da diese dann einfach durch optisch angepasste Blindverschlüsse ersetzt werden. Damit kann Liebherr jede Konfiguration des Funktionsumfangs problemlos im Bedienpaneel abbilden, und trotzdem hält sich die Lagerhaltung an Einzelteilen in Grenzen.

Eine nicht unerhebliche Rolle bei der Entscheidungsfindung spielte auch der Service von Schlegel. So liefert das Unternehmen, sofern es sich um Standardkomponenten handelt, auch kurzfristig kleinste Stückzahlen, wenn nötig einzelne Teile. Ebenfalls sehr positiv wurde im Laufe der Zusammenarbeit vermerkt, dass Kundenwünsche nicht nur bei der Produktneuentwicklung im Auge behalten, sondern auch in Bezug auf existierende Produkte soweit möglich umgesetzt werden. So hat Schlegel für die verwendeten Wahlschalter modifizierte Knebel entwickelt, die wüstensandtauglich sind. Ein weiteres Beispiel sind die neuen USB-Buchsen, die zukünftig in den Kränen eingesetzt werden sollen und auf Wunsch von Liebherr rückseitig vergossen werden.

Befehlsgeräte im Einsatz

Die in den Krankabinen verwendeten Betätiger gehören zur Baureihe »Oktron-Juwel« von Schlegel (Bild 1). Diese Baureihe zeichnet sich durch eine Höhe von nur 2 mm sowie die nahtlos nebeneinander montierbaren, quadratischen Betätiger aus. Damit ist das bestückte Paneel von Optik und Platzbedarf her einer Folientastatur ähnlich, weist jedoch eine größere Flexibilität in Bezug auf Anordnung und Austausch der einzelnen Elemente sowie eine bessere Haptik auf.

Die Betätiger verfügen über eine Dichtigkeit nach IP65. Die Drucktasten können leuchten und lassen sich über die separaten Bezeichnungsschildchen auch kundenspezifisch beschriften. Die Knebel der bei Liebherr eingesetzten Leucht-Wahltasten haben ein in fünf verschiedenen Farben wählbares transluzentes Fenster, das auch eine Beleuchtung der Wahltasten ermöglicht. Weiterhin kommen in den Kranen Schlüsseltasten sowie Not-Aus-Tasten zum Einsatz.

Selbstüberwachende Kontaktblöcke

In naher Zukunft sollen auch die von der Firma Schlegel entwickelten selbstüberwachenden Kontaktblöcke für Not-Aus-Taster zum Einsatz kommen. Diese Kontaktblöcke eliminieren die Gefahr, die von einer fehlerhaften Verbindung des Not-Aus-Betätigers mit dem Kontaktblock ausgeht: Die Trennung eines Not-Aus-Kontaktgebers vom Betätiger kann zunächst völlig unbemerkt vonstattengehen. Dies kann durch eine fehlerhafte Montage geschehen, oder in seltenen Fällen könnte ein Abreißen des Kontaktgebers vom Betätiger durch massive mechanische Krafteinwirkung auftreten, zum Beispiel durch Kollisionen mit schweren Gegenständen.

Diese Trennung der beiden Bauteile führt dazu, dass die Funktion eines regulären Not-Aus nicht nur gestört, sondern gänzlich zerstört wird und der Not-Aus seine Sicherheitsfunktion nicht mehr erfüllen kann. Das kann schwerwiegende Konsequenzen haben. Der selbstüberwachende Sicherheits-Kontakt-geber sorgt dafür, dass die Verbindung von Not-Aus-Kontaktgeber und Betätiger permanent überwacht wird.

Im Fall der Trennung der beiden Bauteile voneinander löst er sofort automatisch das Not-Aus-Signal aus, sodass die Anlage abgeschaltet wird. Sie lässt sich erst nach vollständiger Behebung des Fehlers wieder in Betrieb nehmen. Die Kontaktelemente sind mit Schraub-, Flachsteck- und Käfigzugfederanschlüssen erhältlich. Sie sind zwangsöffnend nach IEC 60947-5-1, ein- oder zweikanalig verfügbar und in Kombination mit einem geeigneten Betätiger überlistsicher nach EN 60947-5-5 und EN 418.

Durch die hochwertigen Kontakte lassen sich sowohl niedrige als auch hohe Ströme und Spannungen, von 1 mA bei 20 mV (mit Goldkontakten) bis 16 A/250 V beziehungsweise 10 A/400 V, zuverlässig schalten. Es gibt sie sowohl als herkömmliche Kontaktgeber als auch für den AS-Interface-Bus. Der Anwender kann aus der Palette der TÜV-zertifizierten Not-Aus-Betätiger der Firma Schlegel mit Einbauöffnungen unterschiedlicher Geometrien und Abmessungen (16 mm, 22 mm, 30 mm, etc.) wählen.

Die Betätiger bieten beispielsweise auch Schutzkragen in verschiedenen Formen und Größen sowie eine Vielzahl an Beleuchtungs- und Beschriftungsmöglichkeiten, um sich an das Einsatzgebiet optisch anzupassen. Gleichzeitig sind sie mechanisch robust und bieten eine ganze Reihe von Funktionen, zum Beispiel eine deutlich sichtbare Schaltstellungsanzeige, die Dreh- oder Zug-Entriegelung und die Dichtigkeit, je nach Ausführung, von IP65 bis zu IP69K.

Kräne von Liebherr   
Die Produktpalette von Liebherr umfasst Mobilkräne für den Straßen- und Geländeeinsatz mit Traglasten von bis zu 1200 t, Teleskop-Aufbaukräne, die bis zu 60 t heben und je nach Kundenanforderung auf verschiedene Fahrgestelle aufgesetzt werden können, sowie einen mobilen Gittermastkran mit einer maximalen Höhe von fast 200 m. Die Kräne kommen im Baustellen- und Industriebereich genauso zum Einsatz wie auch in der Energie- und Verkehrstechnik oder im Industrie- und Anlagenbau.
Für den Schwerlastbereich, wie zum Beispiel die Montage von Kraftwerken und Raffinerien oder den Aufbau von Windkraftanlagen, stellt das Unternehmen Teleskop- und Gittermastkräne auf Raupenfahrwerken bereit.  Sie verfügen über variable Auslegersysteme, die  Traglasten bis zu 3000 t, Hubhöhen bis zu 245 m und Ausladungen bis 196 m ermöglichen. Daneben werden auch Spezialkräne für Bergungseinsätze hergestellt.