Glosse / Provertha Geschlechtsumwandlung bei M12-Steckverbindern

Der »M12 Gender-Changer« von Provertha.
Der »M12 Gender-Changer« von Provertha.

Wie bringe ich zwei »gleichgeschlechtliche« Steckverbinder (»männlich« bzw. »weiblich«) zusammen? Ich nehme einen »Gender-Changer«, zu Deutsch »Invertieradapter«. Ein Einblick in das geheime Liebesleben von Steckverbindern, wie es sich aus einer Produktmeldung von Provertha darstellt.

Willkommen zu einer neuen Folge von »Pimp my Pressemeldung«! Jede Woche bekommt ein Redakteur wie ich etwa einhundert Produktmeldungen, aber nur die wenigsten schaffen es, auch abgedruckt zu werden. »Wie also erregt unsere Meldung die Aufmerksamkeit des Redakteurs?«, fragt sich da natürlich das Marketing, noch dazu wenn es sich um etwas so Dröges wie Elektromechanik handelt. Eine bewährte Weisheit aus diesem Genre lautet: Sex sells!

Das zieht immer, wie die neueste Produktmeldung des Steckverbinderherstellers Provertha eindrucksvoll beweist. Im Grunde geht es um einen Invertieradapter, mit dem sich gleichartige Steckverbinder des Typs M12 – also zwei Stecker oder zwei Buchsen – zusammenstecken lassen. Eine feine Sache, aber langweilig. Wie sieht es also mit der Awareness aus? Was das Marketing in diesem Fall geleistet hat, ist phänomenal! Es gewährt einen tiefen Einblick in das Liebesleben von Steckverbindern.

So macht das Marketing aus einem unschuldigen Invertieradapter einen »Gender Changer«, also einen Transsexuellen. Jetzt hat diese Meldung meine Aufmerksam sicher. Den Köder, den das Marketing ausgelegt hat, habe ich geschluckt und verbeiße mich regelrecht in diese Meldung. Ich überlege: Wird im angelsächsischen Sprachraum der Stecker nicht als »Male Connector« und die entsprechende Buchse als »Female Connector« bezeichnet? Das hieße also, hier sollen zwei weibliche oder zwei männliche Partner zueinanderfinden. Sodom und Gomorra! Das läuft ja auf eine homosexuelle (Steck-)Verbindung hinaus! Und es kommt ja mit dem Invertieradapter noch dritter Partner hinzu! Im Grunde haben wir es also mit einem flotten Dreier bzw. einem Threesome zu tun. Fehlt eigentlich nur noch der Gangbang.

Aber kommen wir nun endlich zu den nackten Tatsachen: Zur Hannover Messe präsentiert Provertha einen »M12 Gender-Changer«, um wie schon gesagt M12-Kabeln mit gleichartigen Steckern (Buchse/Buchse oder Stift/Stift) einfach und sicher verbinden zu können. Dieser Invertieradapter ist in Ausführungen für Industrial Ethernet, Profinet, DeviceNet/CAN-Bus und Profibus verfügbar. Er ist B-, D- und A-kodiert (5- und 8-polig) verfügbar.

Dank der 360-Grad-Schirmung und dem voll geschirmten Gehäuse sowie der gedrehten Crimpkontakte wird laut Hersteller eine störsichere Datenübertragung und gute EMV gewährleistet. Da sich Stift und Buchse sowie Kodierung auf jeder Anschlussseite frei kombinieren lassen, ist das Stecksystem recht flexibel. Es sind acht verschiedene Kodierpositionen möglich.

Der Gender-Changer ist mit zwei Befestigungsoptionen zu haben. So kann er über eine Sechskant-M16-Mutter in Wanddurchführungen befestigt werden. Mittels Flansch und zwei Befestigungsbohrungen ist auch eine Wandbefestigung realisierbar. Durch die Verwendung von Kunststoffen mit HL3 nach EN 45545-2 ist höchster Brandschutz für den Einsatz in Bahn-Applikationen gegeben.

Was habe ich aus dieser Meldung gelernt? Sex sells eben immer noch. Außerdem bin ich in das geheime Liebesleben der Steckverbinder eingeführt worden. Zudem habe ich endlich einen politisch korrekten Terminus für Transsexuelle: Es sind schlicht Invertierte. Ich bin mal gespannt, was sich Provertha als Nächstes ausdenkt :-)