Engpässe bei passiven Bauelementen Lieferkette aufrechterhalten

Fischer & Tausche bietet vormontierte Kondensatorenbaugruppen für die direkte Anbindung an IGBTs an
Fischer & Tausche bietet vormontierte Kondensatorenbaugruppen für die direkte Anbindung an IGBTs an

Die Elektronikbranche boomt - deshalb ist die Nachfrage nach Folien- und Tantalkondensatoren derzeit groß. Doch das knappe Angebot reicht bei Weitem nicht aus, weil es bei Ausgangsmaterialien wie der Folie und dem Metallrohstoff Tantal massive Engpässe gibt. Die Lieferzeiten sind lang und bereiten Entwicklern ernsthafte Sorgen. Beratungsstarken Distributoren kommt in dieser Situation eine besondere Bedeutung zu, denn oft können sie Alternativen bieten.

Dreißig bis zweiundfünfzig Wochen - das sind momentan die Lieferzeiten bei Folienkondensatoren. Für die Knappheit gibt es laut Hans-Günter Senf, Prokurist und Produktmanager bei Henskes Electronic Components, folgende Gründe: »Diese Kondensatoren verwenden Folie als Dielektrikum. Dieselbe Folie kommt auch in vollkommen anderen Anwendungen zum Einsatz. Darüber hinaus sind Folien nur bedingt lagerfähig und weltweit gibt es nur wenige große Hersteller, die Folien in der Qualität fertigen, die sich für Kondensatoren eignet.« In vielen Fällen werden Folienkondensatoren aber kurzfristig gebraucht.

Welche Möglichkeiten gibt es dann? »Oft sprechen uns Kunden an, die innerhalb von vier bis sechs Wochen bestimmte Typen benötigen. Durch unsere weitreichenden Kontakte können wir manchmal Restlagerbestände generieren«, stellt Senf fest und ergänzt: »Erfolgversprechender ist allerdings meist die Suche nach Alternativen, die aber schwierig ist, weil jede Anwendung ganz spezielle Anforderungen hat.« Um solche Alternativen bieten zu können, hat Henskes inzwischen auf die schwierige Marktsituation reagiert und das Lieferprogramm neben Produkten von Kemet auch durch Kondensatoren von Fischer & Tausche und Electel erweitert.

»Das größere Produktvolumen und unser dadurch gewonnenes Know-how hat uns erheblich flexibler gemacht. Wir haben viel mehr Möglichkeiten. Es gibt oft Folienkondensatoren, die ähnliche Voraussetzungen erfüllen«, betont Senf. Um die Kunden bestmöglich zu versorgen, versucht der Distributor, aufgrund der Ursprungsdatenblätter Kondensatoren zu finden, die die entsprechenden Parameter erfüllen und erarbeitet Vorschläge. »Im Endeffekt entscheidet dann der Kunde, ob der Kondensator zu der Anforderung passt«, erklärt Hans-Günter Senf.

Tantal schwer zu beschaffen

Ähnlich verschärft hat sich die Liefersituation bereits seit geraumer Zeit bei Tantalkondensatoren, weil der metallische Rohstoff Tantal auf dem engen Markt für Produzenten nur schwer zu angemessenen Preisen zu beschaffen ist. Tantalkondensatoren werden derzeit händeringend gesucht, weil sie in Trendprodukten wie sehr kleinen Smartphones, in Laptops, Navigationsgeräten und Spielkonsolen eingesetzt werden. Entwickler schätzen sie wegen der langen Lebensdauer und des geringen Stromverbrauchs sowie der hohen Widerstandskraft gegen Temperaturschwankungen.

Derzeit gibt es auf dem Markt drei führende Hersteller von Tantalkondensatoren. Im Portfolio von Henskes befindet sich seit kurzem mit Kemet sogar der Produzent, der sich im zukunftsträchtigen Markt der Tantal-Polymer-Kondensatoren gut aufgestellt sieht. Schuld an der heutigen Knappheit des Rohstoffs Tantal ist die Krise in der Elektronikbranche vor etwa drei Jahren.

Die Nachfrage nach Unterhaltungselektronik brach damals schlagartig weg, gleichzeitig wurde der Markt mit billigem Tantal aus dem Kongo überschwemmt, wodurch die Rohstoffpreise fielen. Als Konsequenz schlossen zwei australische Tantalminen. Damit fiel der größte Anteil der weltweiten Produktion des Metalls weg. Dann erholte sich der Markt in nie da gewesener Geschwindigkeit. Die Bänder laufen inzwischen wieder auf Hochtouren, die derzeit vorhandenen Tantalvorkommen können den Bedarf nicht decken. Obwohl die Förderung in Australien gerade wieder aufgenommen wurde, ist noch nicht abzusehen, wann die Versorgung wieder ausreicht. Tatsache ist, dass es zurzeit keinen adäquaten Ersatzstoff für Tantal gibt.

Die Industrie arbeitet zwar an Kondensatoren, in denen Aluminium, Keramik oder Niob Tantal ersetzen - diese Varianten sind aber noch nicht ausgereift. Ein Umstieg von Tantalkondensatoren entweder auf Keramikkondensatoren (MLCCs) oder Elektrolytkondensatoren dürfte sich aus technischen Gründen nur in den wenigsten Fällen als sinnvoll und möglich erweisen. Weil der Ersatz also nicht ohne weiteres möglich ist, rät Henskes Entwicklern bei bestimmten Bautypen - zum Beispiel C oder D - zur rechtzeitigen Planung. Eines ist sicher: Die hohe Nachfrage nach Folien- und Tantalkondensatoren wird sich fortsetzen, solange der Aufschwung anhält. Dennoch gibt es keinen Grund, in Panik zu verfallen. Doch nur durch vorausschauendes Denken und rechtzeitiges Ordern können böse Überraschungen vermieden werden.

Nur noch RoHS-konforme Kondensatoren
Im Zuge der Strategie für eine ökologisch verantwortungsvolle Produktion, hat Kemet die Artikel der nicht RoHS-konformen »LDE«-Serie (PEN) abgekündigt. Damit wird die entsprechende Fertigungslinie somit vollständig RoHS-konform. Ab sofort lässt sich bei Henskes damit nur noch die RoHS-konforme Version bestellen.