Entwicklungswerkzeuge Der Tool-Vertrieb

Software-Distributoren haben es nicht leicht, denn zumeist existiert für derartige Produkte kein für die Marge bedeutsamer Preisunterschied und auch Mengenrabattierung spielt kaum eine Rolle. Das Geschäft läuft also zwangsläufig über Zusatznutzen für den Kunden (und für den Hersteller, der sich Support spart). Ideal sind erklärungs- und schulungsbedürftige Produkte wie etwa komplizierte und geschäftskritische EDA-Tools.

CAD- und EDA-Werkzeuge sind nicht nur erklärungsbedürftig, sie müssen stets auch möglichst nahtlos in den Rahmen einer Gesamtlösung passen, schließlich nützt das beste Tool zur Netzlistenerstellung nur wenig, wenn sein Output nicht problemlos weiterverarbeitet werden kann. Derartige Zusammenhänge erläutert der Distributor FlowCAD seinen Kunden und stellt auf Wunsch einen durchgängigen Designflow zusammen, der möglichst skalierbar sein soll.

Bei seiner Gründung im Jahr 2003 begann FlowCAD mit dem Vertrieb von FPGA- und PCB-Lösungen von Cadence. Dieses lokale Vertriebsmodell funktionierte, woraufhin die Produktpalette um IC-Lösungen auf das komplette Produktspektrum von Cadence erweitert wurde. Hinzu kamen Softwarepakete anderer Hersteller, die sich gut in den eCAD-Workflow einpassen ließen, und inzwischen auch ausgewählte Hardware.

Vom IC zum System

Beim IC-Entwurf orientiert sich der Distributor ganz an Cadences Produktlinien. Für die Entwicklung kundenspezifischer Analog-, Digital-, HF- und Mixed-Signal-Designs bietet man »Virtuoso« an. Diese Plattfom umfasst eine spezifikationsgesteuerte Entwicklungsumgebung, eine Multimode-Simulation, die Möglichkeit zur beschleunigten Layout-Erstellung, Halbleiteranalyse sowie eine Integrationsumgebung für vollständige Chips.

Durch die Unterstützung eines »Meet-in-the-Middle«-Vorgehens kann die Software die Geschwindigkeit von Top-down-Designs mit der Präzision von Bottom-up-Designs kombinieren. Zudem sind DFM-Verfahren (Design for Manufacturing) für die Parasitär-Extraktion und die physikalische Verifikation integriert. Der Verifikation von digitalen Schaltungen einschließlich FPGAs dient die »Incisive«-Plattform. Diese besteht, individuell wählbar, aus dem »HDL Simulator«, dem »Team Design Simulator« und dem »Enterprise Specman Simulator«. Bei Ersterem handelt es sich um die Basislösung für Entwicklungsteams, die heute noch mit dem elementaren Leistungsumfang für Simulation auskommen, sich jedoch die Möglichkeit offen halten wollen, einen Upgrade auf komplexere Verifikationslösungen durchzuführen, sobald Bedarf dafür besteht.

Der nächste Schritt besteht im »Team Design Simulator«, der für RTL-Designteams gedacht ist, die komplexere Aufgaben bewältigen müssen und daher eine leistungsfähigere Verifikations-umgebung benötigen, um ihre Ziele zu erreichen. Für den SoC-Entwurf ist der »Enterprise Specman Simulator« geeignet. Dieses umfangreichste Paket der Incisive-Familie erlaubt es spezialisierten Entwicklungsteams, den gesamten Entwurfsprozess von Block-Level über Chip-Level bis hin zur Systemebene abzudecken. Beim heutigen Stand der Integration spielt das Chipgehäuse eine entscheidende Rolle für die Funktionsweise von ICs. Modular zusammenstellbar bietet FlowCAD einen speziellen Flow für das Gehäusedesign an.

Für das Package-Design selbst stellt kein Hersteller von EDA-Tools eine übergreifende Lösung zur Verfügung, weshalb der Distributor das »SiP Methodology Kit« von Cadence mit seiner weitgehend offenen Datenschnittstelle als Basis benutzt. Der thermischen Simulation dient »6sigma ET« von Future Facilities, für die 3D-Berechnung elektromagnetischer Felder steht der »Field Solver« von Optimal bereit.

Das IC/Package-Codesign setzt auf dem Leiterplatten-Editor aus »Allegro« von Cadence auf. Damit ist dann auch schon die Leiterplattenebene erreicht, die hier wieder vollständig von Produkten des EDA-Riesen dominiert wird. Dazu zählt neben der »Allegro«-Plattform auch die Produktfamilie »PSpice« sowie verschiedene Point-Tools. Bei all diesen wurde Wert auf eine möglichst neutrale Datenhaltung gelegt, schließlich fließen zumeist Daten von und nach Matlab/Simulink, Valor-Datenbanken und Speziallösungen anderer Anbieter. Nicht umsonst gilt das Leiterplattendesign als heterogenste Entwurfsdiziplin.

Im Entwurf kompletter Systeme setzt FlowCAD wiederum auf eine Kombination von Tools unterschiedlicher Anbieter. Bei der Zuverlässigkeitsprüfung finden »CARE«, »CAME« und »CAFdE« des Spezialisten für Stresstests BQR Verwendung, während die Produktreihe »NEXTRA« von Mecadtron der dreidimensionalen CAD-Konstruktion elektronisch-mechanisch integrierter Produkte dient. Die Reihe »Simlab« von CST soll die elektromagnetische Verträglichkeit sicherstellen und das bereits erwähnte »6sigmaET« kann auch vollständige Systeme thermisch analysieren.

Test und Prüfung

Mit Simulationen lassen sich zwar viele Probleme aus der Welt schaffen, letztgültig sind jedoch stets die Ergebnisse der Implementierung in Hardware.

Für den Boundary-Scan-Test arbeitet FlowCAD mit Xjtag zusammen, deren Produkte die Standards IEEE 1149.1 und 1149.6 unterstützen und beispielsweise mit Hardware von National Instruments zusammenarbeiten. Über Prüfkarten hinaus geht die Zusammenarbeit mit LeCroy.

Der Distributor bietet verschiedene Protokollanalysatoren des Messtechnik-Unternehmens für das reibungslose Zusammenspiel mit den Software-Werkzeugen an (Bild 1).

Neben den eigentlichen Tools (ob Soft- oder Hardware) spielt die Entwicklungsunterstützung eine sehr große Rolle. Mit verschiedene Trainingseinheiten zu den einzelnen Produkten bietet der Distributor gezielte »Nachhilfe«, aber auch Designplanung und die Vermittlung von Entwurfs- und Fertigungsdienstleistern steht auf dem Programm.