Der Rote ist meiner

Schwein – Rind – Huhn. Nein, wir sind nicht bei den Montagsmalern, wir sind beim Fondue! Das klassische Event-Essen zu Silvester. „Machen wir Fondue, das geht ja so einfach.“ Letztlich steht die Hausfrau aber doch gefühlte zwei Manntage in der Küche – Soßen rühren, Fleisch zerstückeln, Baguette auftauen und-so-weiter-und-sofort.

Wir könnten natürlich auch Racklette machen, aber erstens weiß ich nicht so genau wie man das schreibt und zweitens geht mir´s beim Schmelzkäse wie einem armen Kissen – ich habe einfach keinen Bezug dazu.

Dieses Jahr sind wir dran mit Einladen. Ich bin nicht nachtragend. Aber dass mein Spezl (dessen Identität hier verschwiegen wird und dessen Nachname mit B anfängt und mit uchberger aufhört) vor acht Jahren den heißen Fonduetopf auf meinen Balkon fallen ließ, das vergesse ich ihm nie. Sie sehen, irgendwie sind alle Menschen, die Fondue machen, Spießer!

Bereits Tage zuvor haben wir klar abgesteckt, in was das rohe Fleisch „durch wird“. Der alte Fondue-Klassenkampf „Brüher gegen Fetter“ wurde klar zugunsten des guten alten Biskin entschieden. Wir machen Fondue mit Fett – raffiniert!

31.12. – alle Gäste sind da, auch der Dings, den irgendwer mitgebracht hat, den ich nicht kenne. So eine Überraschung. Ich werfe seinen vergilbten Anorak Modell „Mauerfall ´89“ über die Garderobe und setzte mich ans offene Tischfeuer.

Im Hintergrund (lautlos) läuft der Fernseher samt Silvester-Stadl, damit man den Jahreswechsel nicht verpasst. Da hüpft so eine dieser öffentlich-rechtlichen Volksmusik-Moderaturen-Frisuren herum und grinst grenzdebil aus dem LCD. Silbereisen – Hinterseer – Borg, also der Andi nicht der Björn: Ich frage mich gerade, wie lange die wohl täglich vor sich hinföhnen, als mir der ARD-Countdown verrät: noch elf Minuten bis Stunde Null.

Nichts gegen mich persönlich. Aber manchmal esse ich einfach zu viel.
Und deshalb gehöre ich auch zu den klassischen Fast-food-Fonduern – vier bis acht Stückchen Fleisch am Spieß auf einmal ins leichte Fett, das leicht fett macht.

Wer hat meinen Stecken? Der Rote ist meiner. Der Überraschungsgast, eine Mischung aus Dick und Doof mit deutlichem Schwerpunkt auf dem Erstgenannten, hält schon wieder meine Fonduegabel in den Fingern. Eine der größten kulturellen Errungenschaften unserer Zeit – Fondue-Spießchen mit Farbklecks hinten drauf – ist spurlos an ihm vorübergegangen. Er kann sich seine zwei Farben einfach nicht merken. Ups, ich habe noch einen Stecken beim Topfmikado übersehen. Das Fleisch sieht aus wie der Oberschenkel von Ramses dem Dritten – gut durch.
Jetzt bin ich fast satt. Geschafft. Die ersten Raketen starten. Zehn-neun-acht-sieben-sechs-undsoweiter.

Alles Gute in 2009 wünscht

Ihr Matthäus Hose
mhose@next-redaktion.de