Der abschließbare Chip

Ein Forscherteam der Universität Michigan hat eine Möglichkeit entwickelt, ICs mit einem »Zahlenschloss« zu versehen und so gegen Fälschungen zu schützen.

Produktpiraterie ist auch bei Mikrochips ein wachsendes Problem. Mit der Verlagerung der IC-Fertigung vieler namhafter Halbleiterhersteller nach Asien greift das Problem der Fälschungen auch auf den Halbleitermarkt über.

Das Forscherteam um Elektrotechnik-Professor Igor Markov von der Universität Michigan hat ein Prinzip entwickelt, mit dem ICs künftig davor geschützt werden sollen, als Vorlage für Fälscher zu dienen.
Die Entwicklung heißt EPIC - Ending Piracy of Integrated Circuits (Schluss mit der Produktpiratie bei ICs).

Dabei wird die Chip-Architektur jedes hergestellten ICs geringfügig verändert und mit einigen zusätzlichen Schaltungen versehen. Diese verhalten sich wie ein Kombinations-Zahlenschloss. Das Schloss erzeugt eine 64-Bit-Identifikatonsnummer, ohne die der IC nicht funktionsfähig ist. Er muss erst durch den Hersteller und Patentinhaber entsperrt werden. Der IC holt sich dabei seinen »Schlüssel« selbstständig über eine Internetverbindung.

»Der 64-Bit-Code ist nicht kopierbar«, erklärt Jarrod Roy, Doktorand an der Michigan Universität und Co-Autor des Papers. »Da der Code erst bei der Aktivierung des Bauteils im IC ›on the fly‹ erzeugt wird und jeder IC einen anderen Code generiert, ist es für Fälscher sinnlos, diesen zu speichern.«
Auch das Entfernen des Kombinationsschlosses aus der Chip-Architektur hilft Fälschern nicht weiter. »Das würde den Chip unbrauchbar machen«, so Roy weiter.

Der einzig verbleibende Weg, einen solchen Mikrochip zu kopieren, ist laut der beteiligten Forscher, den Entwicklungsprozess umzukehren und dabei das EPIC zu entfernen. »Doch die Kosten dafür sind für Fälscher zu hoch«, erklärt Markov. Damit hätte das Forscherteam ihr Ziel erreicht: »Unser Ziel ist es nicht, das Fälschen unmöglich zu machen. Wir wollen lediglich dafür sorgen, dass der legale Erwerb von Lizenzen mit weniger Kosten verbunden ist, als ICs illegal zu fälschen«, so Markov.

Jarrod Roy wird den aktuellen Stand der Forschung im Bereich EPIC am 13. März auf der DATE in München vorstellen.