Slobodan Puljarevic, President und CEO der EBV Elektronik im Interview Comeback für den Produktionsstandort Europa

Restriktive Umweltschutzrichtlinien und ein hoher Ölpreis, der die Frachtkosten in die Höhe treibt, werden dem Produktionsstandort Europa wieder zu deutlich mehr Attraktivität verhelfen. Slobodan Puljarevic, President und CEO der EBV Elektronik ist überzeugt...

Slobodan Puljarevic, President und CEO der EBV Elektronik im Interview

Restriktive Umweltschutzrichtlinien und ein hoher Ölpreis, der die Frachtkosten in die Höhe treibt, werden dem Produktionsstandort Europa wieder zu deutlich mehr Attraktivität verhelfen. Slobodan Puljarevic, President und CEO der EBV Elektronik ist überzeugt, dass der wachsende Konsum im EMEA-Raum – insbesondere in Osteuropa – die Distribution langfristig antreiben wird.

Markt&Technik: Liest man die DMASS-Zahlen, war 2007 ein relativ schwaches Jahr für die Distribution. Hat die EBV darunter gelitten?

Slobodan Puljarevic: In Summe hat die EBV hat das erfolgreichste Fiskaljahr (endet am 30. Juni) in ihrer Geschichte hinter sich gebracht. Mit einem Umsatz von rund 1,31 Mrd. Euro konnten wir ein ‚all time high’ in der Firmengeschichte erreichen und unseren Marktanteil um zwei Prozent vergrößern.

Aber das Kalenderjahr sieht natürlich etwas anders aus, da insbesondere die zweite Jahreshälfte schwach bis rückläufig war. Der Umsatz liegt auf dem gleichen Niveau wie 2006. Das gilt auch für das Ergebnis – obwohl wir kräftig investiert und europaweit über 40 neue Mitarbeiter eingestellt haben. Damit sind wir sehr zufrieden, bedeutet es doch, dass wir erneut Marktanteile gewonnen haben – fast 1,5 Prozent. Damit erreichen wir 2007 ein neues Rekordhoch in punkto Marktanteil von über 23 Prozent laut DMASS. Der DMASS repräsentiert ca. 75 Prozent des Halbleiterumsatzes in der europäischen Distribution.

Wie sieht es in den einzelnen Regionen aus? Insbesondere UK und Frankreich – zwei Länder, in denen sich die EBV deutliche Wachstumsziele gesetzt hatte – mussten mit 18,5 bzw. 13 Prozent herbe Verluste hinnehmen.

Wir haben in all diesen Märkten, genauso in Italien, Skandinavien, Frankreich, UK Marktanteile in 2007 gewonnen und mussten ergo weniger Umsatzverluste hinnehmen als unsere Konkurrenz. Wir sind zwar in all diesen Ländern noch nicht an unserem Ziel angelangt, befinden uns aber auf einem guten Weg. In Frankreich z.B. ist die EBV nicht mehr weit entfernt von den anvisierten 25 Prozent Marktanteil. Ähnlich sieht die Situation in Italien, in UK sowie in Skandinavien aus. Sehr erfreulich ist die Situation in Zentral- und Osteuropa. Insbesondere in Osteuropa konnten wir erneut stark zulegen und damit die Verluste in Skandinavien und UK kompensieren.

Wie wird sich der europäische Distributionsmarkt langfristig entwickeln? Während es in einigen der »traditionellen« europäischen Schlüsselmärkten wie UK und Frankreich stetig bergab geht, stehen die Zeichen in Osteuropa seit Jahren auf Wachstum. Wird sich langfristig eine Verschiebung innerhalb Europas abzeichnen?

Meine persönliche Meinung ist, dass es in den nächsten Jahren zu einer Assimilation kommen wird. China bzw. Asien werden verstärkt für ihre eigenen lokalen Märkte produzieren, das gleiche wird in Europa und Amerika geschehen.

Warum? Dafür gibt es etliche Gründe. Zum einen werden die vielen »grünen« Initiativen und Umweltschutzrichtlinien Exporte speziell von Low-Cost-Produkten nach Europa erschweren. Zum anderen belasten die steigenden Transportkosten für Fertig-Equipment die Kalkulationen. Auch chinesische Firmen bauen mittlerweile schon Fabriken in Osteuropa, in denen z.B. Plasma-Fernseher für ost- und westeuropäische Kunden produziert werden. Speziell was die Produktion von Low-Cost-Consumer-Gütern anbelangt, so genannte »Bulky-Products «, haben sich in Osteuropa bereits etliche Firmen angesiedelt, ein Trend der sich noch verstärken wird. Ich bin überzeugt, dass die Business-Transfers, die Frankreich und Italien derzeit sehr belasten, in den nächsten Monaten nachlassen.

Global werden sich die Märkte aufteilen: Die Amerikaner werden aus Kostengründen noch mehr in Lateinamerika produzieren, die Europäer in Osteuropa und die Asiaten in China. Alle großen Verbrauchermärkte werden verstärkt die Low-Cost-Regionen »vor ihrer Haustüre« nutzen.