CEO-Gehälter in der Halbleiterindustrie

Im vergangenen Jahr wurden die Gehälter der Top-Manager angeprangert; mit dem Beginn der Wirtschaftskrise wurde die »Gier« der Manager an den Pranger gestellt. Wie sieht dies in diesem Jahr aus? Sind die Manager heute eher Wert, was sie verdienen?

Eine erneute Untersuchung der Elektronik zeigt dramatische Veränderungen des Gewinnkoeffizienten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Gewinndollar/Gehaltsdollar-Verhältnis – also der errechnete Gewinn des Unternehmens pro Dollar Gehalt seines CEO – im Geschäftsjahr 2008 teilweise dramatisch verbessert: bei Intel-CEO Paul S. Otellini beispielsweise von 604,4 auf 1652,25 Dollar.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Umsätze oder die Erträge gestiegen sind, sondern die Einkommen sind teilweise extrem gesunken. Zehn CEOs schafften es 2008, mehr als 100 Dollar Gewinn pro Einkommensdollar zu erwirtschaften: Lothar Maier von Linear ist dabei der einzige, der gegenüber 2007 einen Verlust hinnehmen musste.

Die schlechtere Marktsituation hat sich ganz offensichtlich in sinkenden Gehältern niedergeschlagen, insbesondere die Werte der Aktienoptionen sind mit meistens stark fallenden Aktienwerten gesunken. Gab es 2007 noch zehn CEOs mit zweistelligem Dollar-Millioneneinkommen, kann dies 2008 nur noch IBMs Samuel Palmisano für sich in Anspruch nehmen – auch er büßte allerdings fast 8 Mio. Dollar ein.

Die Tabelle »CEO-Gehälter 2008« zeigt eine Übersicht der Einkommen der CEOs von 20 ausgewählten Unternehmen der Halbleiterindustrie sowie deren Zusammensetzung: fixes Grundgehalt, erfolgsabhängige Zuschläge, sonstige Vergütungen wie z.B. die Zahlung freiwilliger Sozialleistungen und Aktienoptionen. Zur besseren Vergleichbarkeit sind die Zahlen, unabhängig vom Unternehmenssitz, in US-Dollar dargestellt.

In einem weiteren Schritt wurde berechnet, wie viel Gewinn das Unternehmen im Geschäftsjahr 2008 pro Dollar CEO-Gehalt erwirtschaft hat. Die Sortierung der Unternehmen wurde nach diesem Kriterium vorgenommen. Abschließend ist noch die Aktienkursentwicklung in den letzten zwölf Monaten dargestellt, die für die Marktkapitalisierung des Unternehmens relevant ist.

Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2007 sind die Unternehmen Qimonda (Pleite), AMD (Produktion in Globalfoundries überführt, deswegen nicht mehr vergleichbar), ARC International und Lattice (CEO-Wechsel) herausgefallen, dafür sind Xilinx, STMicroelectronics, Maxim und International Rectifier dazugekommen.

Intel wieder auf Platz eins

Wie letztes Jahr wird die Tabelle von Intel angeführt, während Infineon dank der desaströsen Qimonda-Abschreibung den letzten Platz belegt. Intel-CEO Paul Otellini erwirtschaftete in 2008 pro Dollar Einkommen 1652,25 Dollar Gewinn für Intel, das ist mehr als doppelt soviel wie der zweitplatzierte Samuel Palmisano von IBM und mehr als viermal soviel wie der drittplatzierte Moshe Gavrielov von Xilinx zu Stande brachten.

Peter Bauer fuhr dagegen einen Verlust von 2853 Dollar pro Dollar Einkommen ein, was mehr als doppelt soviel ist wie beim Vorletzten Intersil. Man muss jedoch betonen, dass das miserable Infineon-Ergebnis im Wesentlichen durch das Qimonda-Desaster verursacht wurde, für das Bauer sicher nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. Eine solche Entschuldigung kann David B. Bell von Intersil nicht dafür anführen, dass er neben Bauer der einzige CEO mit einem negativen vierstelligen Gewinndollar/Gehaltsdollar-Verhältnis ist – und das nach Gewinnen im Geschäftsjahr 2007.

Auffällig ist in einem schwierigen Markt mit fast ausschließlich Verlusten die erneute positive Aktienkursentwicklung von Cypress Semiconductor. Trotz Verlusten stieg der Kurs im Jahresvergleich um mehr als 100 Prozent. Verantwortlich hierfür ist erneut der Geschäftsbereich »Solarmodule«, der nach der Wahl von US-Präsident Obama und dessen Ankündigung, erneuerbare Energien zu fördern, von Anlegern offensichtlich geliebt wird.

Neben Cypress konnte nur noch der Kurs von Mips gewinnen, was nach dem »Notverkauf« der Analog-Sparte und heftigen Verlusten erstaunlich erscheint. Mit Atmel beginnt die Liste der Unternehmen, die im Geschäftsjahr 2008 einen Verlust erwirtschaftet haben. Abgesehen von Infineon und Intersil mit ihren vierstelligen Verlusten pro gezahltem CEO-Gehaltsdollar, »schafften« es Mips, ON Semiconductor, Cypress und STMicroelectronics, einen dreistelligen Verlust pro gezahltem CEO-Gehaltsdollar zu erwirtschaften. Außer Infineon haben die anderen fünf genannten Firmen im Vorjahr noch Gewinne generiert.