Produkt- und Markenfälschung – Bestandsaufnahme und Abwehrmaßnahmen Bunte Waren auf grauen Märkten #####

Die Diskussionen um Raubkopien von Musik und Videos sind nur die Spitze eines Eisbergs, an dessen Fundament fast alle Branchen betroffen sind. Bei der kommerziellen Produktpiraterie wird meist China als Ursprung allen Übels genannt...

Produkt- und Markenfälschung – Bestandsaufnahme und Abwehrmaßnahmen

Die Diskussionen um Raubkopien von Musik und Videos sind nur die Spitze eines Eisbergs, an dessen Fundament fast alle Branchen betroffen sind. Bei der kommerziellen Produktpiraterie wird meist China als Ursprung allen Übels genannt. Das ist insofern richtig, als dort viele Plagiate hergestellt werden, aber die Auftraggeber sitzen oft mitten unter uns. Im Kampf gegen die Nachahmer ist schon ein wichtiger Teilsieg errungen, wenn das Plagiat mit einer größeren zeitlichen Verzögerung auf den Markt kommt.

Die Produkt- und Markenpiraterie wurde lange Zeit als ein Problem angesehen, von dem vorwiegend einfach imitierbare Luxus- Artikel betroffen sind: Hemden von Lacoste, Handtaschen von Prada und Gucci – wer kann schon widerstehen, wenn auf einem Straßenmarkt in Ostasien vermeintlich hochwertige Textilien oder Accessoires zu Schleuderpreisen angeboten werden? Doch die Produktpiraterie ist eine Wachstumsbranche, die immer mehr Bereiche erobert. Das beweisen Zollstatistiken, die durch Beschlagnahmungen an den EU-Außengrenzen gewonnen werden. Man schätzt, dass ein Volumen von 5 bis 7 % des Welthandels mit gefälschten Produkten erwirtschaftet wird. Die Liste der vom Zoll beschlagnahmten Artikel wird angeführt von Zigaretten, gefolgt von Textilien und Zubehör, CDs/DVDs, Nahrungsmitteln und – schon an fünfter Stelle – elektronischen Geräten. Dabei geht es keineswegs nur um Unterhaltungselektronik. Auf eine Umfrage des VDMA im vergangenen Jahr antworteten zwei Drittel der befragten Mitglieder, bereits Opfer von Produktfälschungen geworden zu sein. Die Hälfte befürchtet dadurch Umsatzeinbußen und eine Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die Konsequenzen der Piraterie sind vielfältig und sie treffen keineswegs nur die Hersteller. Laut Bundesministerium der Finanzen war im Jahr 2005 das zahlenmäßig am häufigsten beschlagnahmte Produkt: Druckerpatronen von Hewlett-Packard. Einschränkend muss dazu allerdings angemerkt werden, dass es sich hierbei nur um die aufgedeckten Fälle handelt und die Zahlen sehr stark davon abhängen, wo der Zoll seine Fahndungsschwerpunkte setzt und wo es Erfolge gibt. Der Zoll kann jedoch nur 3 bis 5 % der an den Außengrenzen der EU eintreffenden Produkte überprüfen. 2005 wurden bei einem einzigen Aufgriff im Hamburger Hafen fast eine halbe Million gefälschte HP-Druckerpatronen beschlagnahmt. Während es bei Druckerpatronen für den Konsumenten noch relativ harmlos ist, wenn die Tinte verschmiert oder schnell ausbleicht, ist die Gefahr im Nahrungsmittel- und Pharmabereich schon deutlich ernster: Hier können schädliche Stoffe im Essen sein oder ernste Gesundheitsgefahren von Pharma-Plagiaten ausgehen, die entweder wirkungslos sind oder deren Wirkungen unabsehbar sind. In der Elektroindustrie ist es meist der Hersteller, der den Schaden hat. Denn die durch Nachbauten geprellten Kunden wenden sich mit Reklamationen an den Hersteller des Originalprodukts, weil sie u.U. gar nicht wissen, dass sie einem Fälscher zum Opfer gefallen sind. Das zieht für den Hersteller neben dem Umsatzausfall zusätzliche Kosten nach sich, denn die Kopien sind mitunter so raffiniert gemacht, dass es selbst beim Hersteller erst auf den zweiten Blick auffällt, dass es sich um eine Fälschung handelt. Neben diesen Kosten entsteht auch noch ein Imageverlust durch vermeintlich unzuverlässige Produkte.

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