Broadliner im Hintertreffen

Im Rahmen einer Benchmarking-Studie hat die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman Wachstum, Profitabilität, Cash Flow, Kapitalrendite und Wertzuwachs der 23 größten Halbleiterunternehmen der Jahre 2001 bis 2006 untersucht...

Im Rahmen einer Benchmarking-Studie hat die Beratungsgesellschaft Oliver Wyman Wachstum, Profitabilität, Cash Flow, Kapitalrendite und Wertzuwachs der 23 größten Halbleiterunternehmen der Jahre 2001 bis 2006 untersucht und miteinander verglichen. Ergebnis: Eine gute finanzielle Performance steht in direktem Zusammenhang mit einer deutlichen Fokussierung.

Neben dem Vergleich einzelner Unternehmen erfolgte auch ein Vergleich der durchschnittlichen finanziellen Performance innerhalb der vier Cluster »Broadliner-IDMs«, »Fokussierte IDMs«, »Fabless« und »Foundries «. Dabei zeigte sich, dass eine gute finanzielle Performance in direktem Zusammenhang mit einer deutlichen Fokussierung steht. »Anbieter, die sich auf ein bestimmtes Marktsegment oder auf einen bestimmten Wertschöpfungsschritt konzentrieren, können sich im Wettbewerb besser behaupten «, sagt Oliver-Wyman-Berater Lutz Jäde. »Sie haben mehr Marktverständnis, treffen schnellere Entscheidungen und sind näher am Kunden.«

Noch aber seien gerade die Broadliner nicht konsequent genug. In vielen Fällen bleibe es bei punktuellen Portfoliobereinigungen. Organisation und Prozesse verharrten in überholten Mustern. Infineon habe zwar seine Kernkompetenzen mit den beiden Produktbereichen »Automotive, Industrial & Multimarket« sowie Kommunikation festgelegt und die Speicherchipaktivitäten als Qimonda ausgegliedert. Entwicklungsaktivitäten sollen über Divestments und Akquisitionen neu ausgerichtet und Fertigungen outgesourct werden. Doch noch sei keine Strategie bei der Anpassung des Geschäftsmodells mit Blick auf Organisation, Prozesse und Strukturen erkennbar, kritisiert die Beratung. NXP reduziere zwar seine Eigenfertigung – rund 30 bis 40 Prozent der Produktion soll an Foundries ausgelagert werden – und denke über Entwicklungspartnerschaften nach. Das Produktspektrum allerdings bleibe zunächst reichhaltig.

Noch immer nehme das klassische Geschäftsmodell der Integrated Device Manufacturer (Vollhersteller) einen zu breiten Raum in der Halbleiterindustrie ein. Zwar könne eine möglichst breite Palette an Geschäftsfeldern so in einzelnen Chipbereichen Absatz- und Preisschwankungen kompensieren, doch entsprechend groß sei eben auch die Zahl der Wettbewerber. Zudem werde es bei zunehmender Breite im Portfolio immer schwieriger, in jedem der Marktsegmente am Puls der Zeit zu sein. Damit entstehe ein Teufelskreis, so Lutz Jäde. Wenn auf Dauer der Cash Flow zu gering sei, fehlen die Mittel für Innovationen und die Wettbewerbsfähigkeit sinke. Dies habe dann eine noch schlechtere finanzielle Performance zur Folge.

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