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jwuertenbergDeutsch als Fremdsprache

24.06.2010 von Jens Würtenberg

“Wir”, so sagte der Vorsitzende des Messebeirats der SPS/IPC/Drives, “wir zeigen, was die Branche der elektrischen Automatisierungstechnik an Produkten zu bieten hat.” Das ist ja fast ein wenig überraschend, dass sich heute jemand so klar und präzise in der deutschen Sprache auszudrücken versteht. Aber ach, schon der an der Messe beteiligte Verband, der ZVEI, hat für die Automatisierungstechnik eine eigene Sektion gegründet; den ZVEI-Fachverband Automation. Dann doch lieber gleich ZVEI AA: Automation Association. Und dieser Verband gab vor zwei Jahren eine Roadmap Automation 2015+ heraus, richtig hieße das natürlich “Orientierungsrahmen Automatisierungstechnik für das Jahr 2015 und darüber hinaus”.

So etwas geht heutzutage natürlich nicht mehr. Dann überrascht es auch nicht, dass die Schwerpunktthemen der SPS/IPC/Drives in diesem Jahr lauten: Safety & Security, Industrial Identification und Energieeffizienz.

Safety & Security ließe sich zielgenau mit Maschinen- und Datensicherheit übersetzen, aber die deutschen Fertigungsautomatisierer sind vermutlich wegen ihrer hohen Exportquote gezwungen, von vornherein englische Fachbegriffe zu verwenden. Zwar können bei der Übertragung der “Industrial Identification”, also der maschinellen Identifizierung von Objekten im industriellen Umfeld, Missverständnisse entstehen. Es lauert ein falscher Freund: Die “Identifikation” nämlich bezeichnet den Vorgang, wenn ein Mensch sich in einen anderen einfühlt, sich mit ihm “identifiziert”. Schließlich ist der sparsame Umgang mit Rohstoffen und Primärenergie spätestens seit den Tagen des Club of Rome eine wichtige Forderung an die Industriegesellschaft. Es wäre ja nur konsequent, auch hier auf den international gebräuchlichen Slogan “Energy efficiency” einzuschwenken.

Warum also nicht gleich in der heutigen Lingua Franca kommunizieren, dem gebrochenen Englisch. Dem steht nur entgegen, dass viele Menschen die englischen Ausdrücke, etwa in der Werbung, gar nicht richtig verstehen. Beispiel gefällig: Wer etwa durch München fährt, sieht am Hauptbahnhof ein Plakat des Messeveranstalters: “SPS/IPC/Drives - what else”. Das erinnert mich an das kleine Gedicht, das vor etwa 30 Jahren mein damaliger Gitarrenschüler (14) auswendig hersagen konnte. Es endete mit dem Vers:

“Else pellt die Pelle aus, Else Pelse Pellemaus”

Der Dortmunder würde hier ungläubig nachfragen: “Watt? Else?”

Geschrieben in Allgemein |

1 Kommentar

  1. Naja, wenn unsere Produkte überragend währen, dann würde sicher auch die deutsche Sprache mehr in erscheinung treten. Wer bezahlt bestimmt die Musik. Andererseits zeigt die Finanzkrise, daß das angelsächsische System am Ende ist. Die amerikanische Ökonomie- die durch Friedrich List mit begründet wurde- ist doch zur Regierungszeitennvon Helmut Schmidt zerschlagen worden, so daß sich die angelsächsische Wirtschaft durchsetzte. Die Folge u.a. deutsch wird zur Fremdsprache, aber auch Süppenküchen, alters Armut ec. Wollt Ihr das alles so hinnehmen?
    Danke
    Friedirch

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