Mit dem Peugeot 208 in den Schwarzwald
05.12.2009 von jens würtenberg
Offen fahren, das ist der Wunsch von Menschen, die in ihrem Auto gesehen werden oder sich den Fahrtwind mal so richtig um die Nase wehen lassen wollen. Dies an sich harmlose Verlangen stillt seit einigen Jahren die französische Automarke Peugeot mit dem Modell 207 Coupé, bei dem das stählerne Verdeck über einen anfangs recht empfindlichen Mechanismus automatisch aufgeklappt und dann in einer Klappe hinter den Notrücksitzen verstaut wird. Der relativ günstige Preis und der Vorteil, dass mit dem automatischen Hardtop nun für den Betrieb eines Cabrios nicht mehr extra eine Garage vonnöten war, machten den 207 in Deutschand zu einem mittleren Verkaufsschlager.
Heute sind wir mit der Limousinenvariante unterwegs, dem Typ 208, sozusagen der solide Vetter des Jedermann-Cabrios. Also: eingestiegen und losgefahren. Allerdings, der Tank ist fast leer. Das ist nun keine große Sache, auf dem Ausleihvertrag ist dies auch richtig eingetragen, aber statt nun flott auf der A96 dahinzubrausen, müssen wir zunächst eine Tankstelle suchen, bei der wir unsere Kundenkarten-Bonuspunkte einsammeln können. Dort erschrickt die Beifahrerin beim Zuschlagen der Fahrertür. Statt mit einem gedämpften Plopp, wie dies bei Luxuslimousinen heute zum guten Ton gehört, fällt die Tür mit blechernem Sound ins Schloss: „Peng“. Eine gute Dämmung wiegt, so hat der Hersteller wohl die Dröhnminderung zugunsten der Agilität des Fahrzeugs zurückgestellt.
Aber diese lässt zu wünschen übrig. Der 1,4-l-Benzin-Motor leistet dem Venehmen nach 73 PS. In der Beschleunigung ist dies durchaus zu spüren, beim Mitschwimmen auf der Autobahn mit Tempo 140 tut man sich jedoch im 5. Gang irgendwie schwer. Der spätere Blick auf das Diagramm mit dem Verlauf des Drehmomentes über der Drehzahl zeigt das Problem. Mit steigenden Drehzahlen nimmt das Drehmoment nach Erreichen des Maximums bei 2400 Umdrehungen kontinuierlich ab. Da auch für Peugeot-Motoren P = N x M gilt, bedarf es für den Anschluss des vierten Gangs an den Leistungsbedarf des fünften eines fröhlichen Ausdrehens des Motors. Ich verspüre allerdings wenig Neigung, dem Aggregat mehr als 5000 Umdrehungen abzuverlangen, und so stellt sich eben eine Reisegeschwindigkeit von weniger erfreulichen 120 km/h ein. Die anderen Verkehrsteilnehmer auf der A96 kommen mit 140 Sachen daher, gerade auch die Kleintransporter, was beim Fahrer höhere Aufmerksamkeit und die laufende Überprüfung der Verkehrssituation hinten erfordert.
Mit dem sorglosen Mitschwimmen auf der Autobahn ist es also nichts, aber es kommen ja noch die Landstraße am Bodensee und dann die fahrerisch anspruchsvolle Strecke in den Schwarzwald. In der einbrechenden Dunkelheit am Bodensee entlang gibt es keine besonderen Beobachtungen. Der Radioempfang ist gut, unser Lieblingssender DRS 1 kommt nun störungsfrei herein und informiert im Schweizer Dialekt über Weltpolitik und Popmusik, letzteres aus eher regionaler Sicht: Statt Mika und Joe Cocker eben Norah Jones und Lady Gaga. Ab Stockach dann ein Stück Autobahn, kurz vor der Auffahrt auf die Bodenseeautobahn am Hegau-Dreieck die legendäre Bodenwellenstrecke. Anders als die zuletzt an diesem „Point of Interest“ getestete Luxuslimousine rappelt das sonst straff und dabei komfortabel gefederte Fahrwerk gewaltig, so dass von der Fahrerseite her hier eine deutliche Geschwindigkeitsreduzierung veranlasst wurde: Runter vom Gas!
Die zweite Enttäuschung auf der Strecke gilt dann später dem Straßenbauamt des Scharzwald-Baar-Kreises. Hier wurde doch tatsächlich die in diesen Fahrberichten mehrfach erwähnte inoffizielle Test-und-Rüttelstrecke mit der ausgefeilten Schlaglochabfolge und dem schützenswerten Baumbestand bei verengter und unübersichtlicher Fahrbahn weitgehend neu gestaltet. Nur noch etwa zwei Kilometer bis zur Einfahrt nach Wolterdingen sind dergestalt, dass hier dem Fahrer noch etwas abverlangt wird, ein längerer Abschnitt ist mittlerweile mit einer gut gesicherten und an den Rändern vorbildlich befestigten neuen Asphaltdecke überzogen. Womöglich werden die Beiträge in diesem Blog auch von amtlichen Stellen wahrgenommen, wäre ja denkbar.
Zusammengenommen ist der Peugeot ein alltagstaugliches Auto für Stadt und Landstraße. Bei häufigen Autobahnfahrten allerdings würde ich doch zu der nächst höheren Motorvariante raten. Das Gefährt lässt sich gut handhaben, Bodenwellen und fiesen Schlaglochabfolgen sollte der Fahrer allerdings mit einer Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit begegnen. Der Benzinverbrauch lag bei den aus Autobahn und Landstraße bestehenden durchweg moderat gefahrenen Fahrstrecke auf 6,5 l/100 km. Muss man nicht kommentieren.
Irgendeine französische Automarke warb meines Wissens mit dem Slogan „Vive la difference“. Der Peugoet 208 entspricht in den meisten Punkten den Standards, die heute ein europäischer Kleinwagen mitbringt: Handhabung, Raumangebot, Fahrwerk. Allerdings gibt es Unterschiede. Der Tankeinfüllstutzen ist auf der Fahrerseite, der Temperaturregler der Klimanlage beginnt mit der Nullstellung bei 12:00 Uhr und nicht bei 7:30 Uhr, wie dies bei den 270-Grad-Instrumenten für Tacho und Drehzahl eingerichtet ist. Der Drehzahlmesser ist links, das Tachometer rechts davon, die Tachometeranzeige beginnt bei 10 km/h und läuft dann in 20-km/h-Intervallen weiter: 30, 59, 70 etc. Manches, wie die Temperatureinstellung ist bei intuitiver Bedienung - und damit begnügt sich der Leihwagenkunde in der Regel - verwirrend. Anderes, wie die Vertauschung der Instrumentenplätze, hat keinen Einfluss auf die Bedienbarkeit, aber ein Alleinstellungsmerkmal wie der digitale Lupentacho im legendären Citroen DS ist es eben auch nicht.
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